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Donnerstag, 18.01.2018
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Vom Tropenmeer zum Hochplateau

Wie die Schwäbische Alb entstand

Schaut man vom Stuttgarter Fernsehturm nach Süden, ist die Schwäbische Alb kaum zu übersehen: Ihre Hänge ragen steil wie eine Stufe mehrere hundert Meter aus der Ebene in die Höhe. Das bis zu 1.000 Meter hohe Mittelgebirge zieht sich wie ein Riegel durch die Landschaft. Es erstreckt sich vom Hochrhein im Südwesten bis zum Nördlinger Ries im Nordosten. Sein Fundament besteht vor allem aus Kalk, gemischt mit Mergel und Ton.

Wie ein Riegel erhebt sich die Schwäbische Alb aus der Landschaft

Doch wie kam dieser Balken mitten in der Landschaft zustande? Dafür müssen wir rund 200 Millionen Jahre in die Vergangenheit reisen, ins Zeitalter des Jura. Damals wogte dort, wo heute die Höhen der Schwäbischen Alb aufragen, noch ein tropisches Meer. Von Europa waren nur wenige Inseln zu sehen, die aus dem flachen Meer emporragten.

Vom Riff zum "Grand Canyon"


Im seichten Wasser der Lagunen wuchsen große Kolonien von Korallen, Kalkalgen und Schwämmen, die im Laufe der Zeit mächtige Riffe schufen. Ihr weißer Kalk bildet heute den Hauptsockel des Albplateaus – und prägt die gesamte Landschaft dieser Region. An vielen Stellen des Albtraufs tritt dieses weiße Gestein weithin sichtbar zutage und auch auf der Alb schimmert es vielfach an Wegböschungen oder Kuppen durch die Pflanzendecke.

Donaudurchbruch: Zwischen Tuttlingen und Sigmaringen hat sich die Donau canyonartig in die Jurakalke der Alb eingetieft.

Donaudurchbruch: Zwischen Tuttlingen und Sigmaringen hat sich die Donau canyonartig in die Jurakalke der Alb eingetieft.

Besonders eindrucksvoll kann man die Kalksteinformationen im "Schwäbischen Grand Canyon" erleben, dem Durchbruchstal der Donau durch die Schwäbische Alb. Dieses Flussstück zwischen Fridingen und Sigmaringen gilt nicht umsonst als eines der schönsten entlang der gesamten Donau: Tief eingegraben windet sich die Donau hier zwischen den hochaufragenden Felsformationen und bewaldeten Hängen hindurch. Immer wieder öffnen sich faszinierende Ausblicke auf Steilhänge, Burgen, die auf den Rändern der Schlucht thronen und hinunter zum funkelnden Fluss.

Instabiler Rand


So massiv der imposante Riegel der Schwäbischen Alb auch erscheinen mag, seine Ränder sind alles andere als stabil. Das zeigt sich am Morgen des 12. April 1983, als bei Mössingen nach tagelangen Regenfällen ein ganzes Hangstück ins Rutschen geriet. Rund fünf Kubikkilometer Erde und Gestein stürzten zu Tal und hinterließen eine fast 70 Fußballfelder große kahle Trümmerwüste.

Teil der Abrisskante des Bergrutsches am Albtrauf bei Mössingen

Und auch heute ist der Albtrauf noch immer in Bewegung: Durch Erosion und Rutschungen angefressen, weicht er im Jahr durchschnittlich um 1,5 Millimeter zurück. Diese Rückverlagerung hat den Nordrand der Schwäbischen Alb aus der Stuttgarter Gegend bereits bis an seinen heutigen Standort versetzt.

Koloss auf tönernen Füßen


Hinzu kommt, dass der Alb-Koloss auf "tönernen Füßen" steht: Sein Hauptsockel aus weißem Jurakalk ist zwar relativ stabil. Aber darunter liegt der Braune Jura, eine stärker mit Ton, Mergel und Sandstein durchmischten Gesteinsschicht. Der feine Ton dieser Schicht wird schnell instabil und kann bei Nässe wie eine Gleitschicht wirken.

Dadurch löst auch er Rutschungen und das schleichend langsame Bergkriechen aus. Dieses lässt sich an einigen Stellen des Albrands gut beobachten: Viele Obstbäume sind hier krumm gewachsen, ihre Stämme erscheinen wie abgeknickt, weil sie die Bewegung des Untergrunds ausgleichen.
Nadja Podbregar
Stand: 21.07.2017
 
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