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Freitag, 24.11.2017
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Das salzigste Gewässer der Erde

Don Juan Pond in der Antarktis

Antarktis

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77° südliche Breite, 161 Grad östliche Länge: Das Wright Valley in der Antarktis. Die Ross-Insel mit dem 3.794 Meter hohen Vulkan Mount Erebus liegt gleich vis-a-vis. Bis minus 70° Celsius kalt wird es hier im Winter und auch im Sommer erreichen die Temperaturen nur selten leichte Plusgrade. Doch das interessiert Donald Roe und John Hickey nur wenig, als sie am 11. Oktober 1961 in ihrem Helikopter der U.S. Navy mit lautem Getöse durch das Tal an der Küste des McMurdo-Sounds donnern.

Eisfreies „Trockental“


Der Hubschrauber ist die Vorhut einer Feld-Expedition, die das 60 Kilometer lange und knapp zehn Kilometer breite Wright Valley näher erkunden soll. Denn es handelt sich dabei um eine ausgesprochene Kuriosität: Obwohl das Tal inmitten der Südpolregion liegt, ist es schon seit Millionen Jahren eisfrei. Das Klima hier ist einfach zu trocken für eine Schnee- oder Eisbildung. Wissenschaftler sprechen deshalb auch von einem Trockental. Entsprechend exotisch präsentiert sich hier die Natur und auch für Geowissenschaftler ist Wright Valley ein einzigartiges überdimensionales Forschungslabor.

Das merken auch die beiden Marine-Offiziere an Bord des Hubschraubers schnell. Zwischen bizarren und zerklüfteten Felsformationen stoßen sie auf ein Phänomen, mit dem sie nicht gerechnet haben: Einen See. Er ist zwar nur winzig und extrem seicht, aber dafür mit flüssigem Wasser gefüllt – und das bei Temperaturen von minus 25 °C und mehr.

Don Juan Pond vom All aus gesehen

Don Juan Pond vom All aus gesehen

Erstaunliche Lebenswelt…


Ein Team um George H. Meyer vom U.S. Antarctic Research Program (USARP) macht sich sofort auf den Weg, um den See - der nach den beiden Hubschrauberpiloten Don Juan Pond genannt wird - näher unter die Lupe zu nehmen. Die Polarforscher ziehen in den nächsten drei Monaten bei mehreren Exkursionen immer wieder Proben, die anschließend im Labor sorgfältig ausgewertet werden. Die Ergebnisse sind erstaunlich: Denn in dem seichten Tümpel fernab der menschlichen Zivilisation existiert eine einzigartige Lebenswelt aus Pilzen, Bakterien und Blaualgen.

… und extremer Salzgehalt


Und auch eine plausible Erklärung, warum der See trotz extremer Kälte nicht zufriert, ist schnell gefunden: Der Salzgehalt des Wassers beträgt sage und schreibe 40,2 Prozent. Weltrekord. Die Forscher haben das salzigste Gewässer der Erde identifiziert. Zum Vergleich: Don Juan Pond ist 18 Mal salziger als die Weltmeere. Selbst bei Temperaturen von bis zu minus 53 °C bleibt sein Wasser flüssig. Gespeist wird der Don Juan Pond den Wissenschaftlern zufolge von extrem salzhaltigem Grundwasser.

Forscher entdecken seltenes Mineral


Doch der See entpuppt sich noch aus anderen Gründen als See der Superlative. Denn Forscher um Tetsuya Torii und Joyo Ossaka von Chiba Institute of Technology und vom Tokyo Institute of Technology stoßen in ihm am 30. Dezember 1963 auch auf ein bis dahin unbekanntes, äußerst seltenes Mineral.

Es handelt sich dabei um ein so genanntes Calciumchlorid-Hexahydrat, das zur Klasse der Halogenide gehört. Das Mineral bildet Aggregate aus farblosen, nadelförmigen Kristallen und erhält nach seinem Fundort den Namen Antarcticit.

Veränderung ist Trumpf


Jahrelange Beobachtungen des Sees aus der Luft und am Boden liefern weitere wichtige Erkenntnisse über den Don Juan Pond. So haben sich sowohl die Tiefe als auch die Größe des antarktischen Sees im Laufe der Zeit immer wieder deutlich verändert. Aktuell ist Don Juan Pond gerade mal 1.000 Meter lang, 400 Meter breit und vielleicht zehn Zentimeter flach.
Dieter Lohmann
Stand: 11.02.2011
 
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