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Ein See der besonderen Art

Von Tufas, Vulkanen und Wasserdieben

Mono Lake © Plane777 / gemeinfrei

Der Mono Lake ist eine wichtige Anlaufstelle für Astro- und Evolutionsbiologen, er bietet aber auch Geowissenschaftlern immer neue Herausforderungen. Das fängt schon an mit seiner Entstehung, denn beim Wissen darum, liegt noch einiges im Argen. Klar ist, dass der Mono Lake bereits vor der gewaltigen Eruption eines Vulkans im nur gut 30 Kilometer entfernten Long Valley existierte. Diese ereignete sich – wie Forscher bereits vor langer Zeit mithilfe von Gesteins- und Seesedimentanalysen zeigen konnten – vor rund 760.000 Jahren.

Mono Basin bis zu fünf Millionen Jahre alt?

Aktuelle Altersschätzungen gehen mittlerweile aber davon aus, dass sich das Becken, in dem der Mono Lake liegt, noch viel früher gebildet hat – etwa vor ein bis fünf Millionen Jahren. Entstanden ist es damals höchstwahrscheinlich durch komplizierte Faltungs-, Verzerrungs- und Dehnungsprozesse in der Erdkruste. Doch um das endgültig abzusichern und die Mechanismen im Detail zu rekonstruieren gibt es noch erheblichen Forschungsbedarf.

Dass die Region geologisch nach wie vor hochaktiv ist, ist dagegen kein Geheimnis. Denn Kalifornien liegt an der Nahtstelle von zwei tektonischen Platten. An der San-Andreas-Verwerfung driftet die Pazifische an der Nordamerikanischen Platte vorbei und sorgt dabei immer wieder für zum Teil heftige Erdbeben. Vulkanischen Ursprungs sind zudem beispielsweise die Hügel nördlich, südlich und östlich des Mono Basins. Ebenfalls auf Eruptionen beziehungsweise aufsteigendes Magma gehen auch die Inseln Negit Island und Paoha Island inmitten des Mono Lake zurück. Beide sind weniger als 2.000 Jahre alt.

Kalktuff-Formationen am Mono Lake © Octagon / CC by sa 3.0

Bizarre Kalkstein-Gebilde

Zu einer Welt wie von einem anderen Planeten machen den Mono Lake die viele Meter hohen und rund 13.000 Jahre alten Kalktufftürme, kurz Tufa. Sie sind vor allem im Süden des Sees in großer Anzahl zu finden und locken aufgrund ihres spektakulären Aussehens Scharen von Touristen an.

Die Tufas wachsen ausschließlich unter der Wasseroberfläche und zwar immer dort, wo kalziumreiche Quellen am Seeboden ins stark alkalische, bicarbonathaltige Wasser sprudeln. Kalzium und Bicarbonat verbinden sich dann, fällen aus und bilden nach und nach die bizarren Kalkstein-Gebilde.

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Faktor Mensch

Schuld daran, dass die Tufas heute schon von weitem zu sehen sind, ist der Mensch. Um den lange Zeit stetig steigenden Wasserverbrauch der Millionenstadt Los Angeles zu decken, wurden von 1941 an vier der fünf Hauptzuflüsse – Lee Vining, Parker, Walker und Rush Creek – mithilfe von Aquädukten fast gänzlich in das Wassernetz der Metropole umgeleitet.

Daraufhin sank der Wassersspiegel im See langsam aber stetig. Der niedrigste Stand war schließlich im Jahr 1982 erreicht. Er lag um erstaunliche 21 Meter niedriger als vor Beginn des „Wasserdiebstahls“. Das brachte nicht nur die Tufas zum Vorschein, sondern sorgte auch für eine Verdoppelung der Salzkonzentrationen im Seewasser auf 99,4 Gramm pro Liter – etwa drei Mal so viel wie im Meer. Die Folge: massive Schäden in den fragilen Ökosystemen des Mono Lakes.

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Dieter Lohmann
Stand: 11.02.2011

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Inhalt des Dossiers

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