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Dienstag, 06.12.2016
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Entdeckung und Erforschung der Tiefsee

Chronik

Alle Stationen auf dem Weg im Rahmen der bisherigen Erforschung der Meere und speziell der Tiefsee aufzulisten ist beinahe unmöglich. Zuviele Expeditionen, Entdeckungen und Erkenntnisse hat es gerade in den letzten 100 Jahren gegeben. Deshalb hier nur die Meilensteine dieser Entwicklung in aller Kürze:

1521


Tatort Pazifik. Gerade hat Fernao des Magalhaes, kurz Magellan, den Versuch abgebrochen im Rahmen seiner Weltumseglung den Boden des "Stillen" Ozeans auszuloten. Mehr als 700 Meter lang war das Seil, an das er eine schwere Eisenkugel befestigt hatte und trotzdem konnte er den Meeresgrund nicht erreichen. Die für ihn einzig sinnvolle Schlussfolgerung: Das Meer ist unendlich tief.

So oder so ähnlich waren die Vorstellungen, die sich die Menschen von der Ausdehnung der Tiefsee damals und noch einige Jahrhunderte später machten. Erst im 19. Jahrhundert begann dann die systematische Erforschung der Ozeane.

1818


Das Startsignal gibt Sir John Ross, der berühmte englische Polarforscher, der im Jahre 1818 von einem Schiff aus eine Greifvorrichtung an einem Seil fast zwei Kilometer tief in den Nordatlantik herablässt und beim Heraufziehen unter anderem verschiedene Wurm- und Quallenarten nach oben befördert. Die Tiefsee scheint also bevölkert zu sein.

1843


Konträr dazu sind allerdings die Vorstellungen vom britischen Biologen Edward Forbes. Er hatte nämlich festgestellt, dass mit zunehmender Tiefe die Zahl der gefundenen Arten ständig weiter absinkt. Daraus entsteht seine Theorie, dass ab einer Wassertiefe von 550 Metern Meerestiefe kein Leben mehr möglich ist.

1872 - 1876


Im Verlaufe des 19. Jahrhunderts werden die Vermutungen Forbes schnell entkräftet. Einen Meilenstein bei der Erkundung der Tiefsee setzt dabei in den Jahren 1872 bis 1876 die Reise des britischen Forschungsschiffes "Challenger". Ziel ist es Tiere der Tiefsee zu fangen. Wichtigstes Ergebnis der Expedition ist die Entdeckung von fast 5000 bisher unbekannten Arten in bis zu 5500 Metern Meerestiefe. Gefunden und kartiert hatten die britischen Forscher darüberhinaus aber auch zahlreiche Gebirgszüge unter der Meeresoberfläche. Mehrere französische und italienische Forschungsreisen folgen, ehe auch das Deutsche Reich von einer Marine-Euphorie getrieben die erste eigene Tiefsee-Expedition ausrichtet.

1898 - 1899


Von August 1898 bis Mai 1899 geht die "Valdivia", ein mit großem finanziellen Aufwand umgerüsteter Liniendampfer, unter der wissenschaftlichen Leitung von Professor Karl Chun aus Leipzig auf die Reise in den Atlantik, den "südlichen Ozean" und den Indischen Ozean. Von der 60.000 Kilometer langen Fahrt bringt die 12-köpfige Forschercrew wertvolle Fracht mit nach Hause. Neben Steinen und Manganknollen gingen durch die ausgeklügelte Fangtechnik der Forscher auch zahlreiche Meerestiere ins Netz der Wissenschaft. Besonderer Clou war eine spezielle Netzkonstruktion, die sich von Bord aus steuern ließ und über einen Klappmechanismus die Netze nur in vorbestimmten Tiefen öffnete. Damit konnte sogar ein Vergleich der Meeresfauna in den verschiedenen Meerestiefen vorgenommen werden. Mit der Auswertung und Konservierung der Funde wurde noch an Bord begonnen, die vollständige wissenschaftliche Analyse dauerte aber bis 1940.

1930


Das Vorhaben, Tiefseebewohner in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten, gelingt William Beebe und Otis Barton um 1930 zum ersten Mal. 1934 lässt sich Beebe in einer Stahlkugel, die an einem Seil befestigt war, 800 m tief unter den Meeresspiegel heruntermanövrieren. Mit Sauerstoff versorgt ihn ein Gerät im Inneren der Tauchkapsel. Nur kurz sind die Tauchmanöver. Schnell ist trotz der eingesetzten Technik der Sauerstoff immer wieder verbraucht und Beebe muss wieder heraufgeholt werden.

Trotzdem begeistert ihn das, was er durch die winzigen Bullaugen sieht auf das Höchste: "Kein Kundschafter auf dem Mars kann eine größere Aufregung verspüren.", vertraute er seinem Tagebuch an. "Manchmal sieht man Lichtblitze – von unbekannten Organismen. ... Inmitten unbeschreiblicher Funken, unerklärlicher Lichtausbrüche, viel zu kurzer Anblicke fremdartiger Wesen, ergab sich immer wieder die Gelegenheit, einen neuen Fisch oder eine andere Kreatur unserem Wissen über das Leben in der Tiefsee hinzuzufügen. ...Garnelen und Quallen trieben an uns vorbei wie Flocken nie geahnter Schneestürme." Leider erhält der Tiefseepionier zu seiner Zeit nicht die Würdigung durch die Wissenschaft, die ihm eigentlich zusteht. Zu fantastisch und unglaublich sind seine Beobachtungen noch für die damalige Zeit, als dass die anderen Meeresforscher ihnen vollständigen Glauben schenken.

1938


Am 22. Dezember erschüttert ein neuer Fund die Welt der Meeresbiologie. In einer südafrikanischen Kleinstadt läuft ein Fischkutter in den Hafen ein. An Bord ist ein Exemplar des berühmten Quastenflossers, der seit 65 Millionen Jahren als ausgestorben gilt. Fast 50 Jahre später gelingt es dem deutschen Forscher Hans Fricke die "lebenden Fossilien" in ihrem natürlichen Lebensraum zu filmen.

1947


In den Medien richtig populär wird die Tiefseeforschung erst in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg. Maßgeblich daran beteiligt: Jacques Cousteau. Sein Markenzeichen: Rote Wollmütze und markantes, wettergebräuntes Gesicht. Nachdem er 1947 mit 91,5 Metern den Weltrekord im Tieftauchen ohne Atemgerät aufgestellt hat, erkennt Cousteau schnell die Macht der bewegten Bilder. Mit seinen Filmaufnahmen bringt er die Faszination Tiefsee in das Fernsehen und damit an die breite Masse. Mit seinem Forschungsschiff bereist er über Jahre die Weltmeere und seine "Geheimnisse des Meeres" flimmern in vielen Episoden auch regelmäßig in die deutschen Wohnstuben.

In Frankreich wird er so populär, dass ihn viele Franzosen liebend gern zu ihrem Präsidenten gemacht hätten. Auch die Meeresforschung erhält durch den Medienprofi mit Hang zur Selbstdarstellung – wie ihn seine Kritiker charakterisieren – großen Auftrieb.

1960


Fast 11.000 Meter unter dem Meerespiegel ist Schluss, die Bathysphäre "Trieste" kann nicht weiter sinken. Der Grund der Challengertiefe im Marianengraben, fast 2000 Kilometer östlich der Philippinen und zugleich einer der tiefsten Punkte der Erde ist erreicht. Der Schweizer Jacques Piccard und der Amerikaner Don Walsh haben am 23 Januar 1960 einen Weltrekord aufgestellt, der noch heute gültig ist. Und selbst in unglaublichen Tiefe können sie durch die winzigen Bullaugen noch Fische beobachten.

1964


Die US-Navy setzt zur Eroberung der Tiefsee an. Sie plant, konstruiert und baut das Tauchboot "Alvin" das bis in 4500 Meerestiefe vordringen kann. Von seinen zahlreichen Tauchfahrten bringt es viele wissenschaftliche Ergebnisse mit, die der Meeresforschung neuen Schwung geben. Eine der Expeditionen von "Alvin" liefert 1977 in mehr als 2000 Metern Tiefe vor den Galapagos-Inseln einen sensationellen Fund: Eine Tiefseelebensgemeinschaft aus Bakterien, Würmern, Krebsen und anderen Organismen in der Nähe von heissen Quellen.

1979


US-Wissenschaftler entdecken vom Tauchboot "Alvin" aus erstmals die sogenannte "Black Smoker" mit ihren typischen Lebensformen und den Ablagerungen an wichtigen Mineralien.

1982


Spätestens seit der Entdeckung der großen Offshore-Erdölvorkommen und anderer Rohstoffquellen in den Tiefen der Ozeane hat der Wettlauf zur ökonomischen Nutzung der Meere begonnen. Daran beteiligt sind unter anderem Nationen wie die USA, Japan, die Sowjetunion und Frankreich. Immer neue bemannte und unbemannte Tauchboote werden gebaut und nehmen ihre Forschungstätigkeit auf. 1982 wird von der UN deshalb die Internationale Seerechtskonvention verabschiedet, die 1994 in Kraft tritt und die Ozeane des Meeres und damit auch die Rohstoffvorkommen im Meeresgrund zum Erbe der gesamten Menschheit macht.

1989


Die japanische "Shinkai 6500" ist endlich fertig und beginnt ihre Tätigkeit. Das bemannte Tauchboot kann noch in 6500 Meter Tiefe arbeiten und ist vorrangig mit der Erdbebenforschung betraut. Vor allem das Gebiet vor der japanischen Ostküste, von dem schon viele schwerwiegende Erdbeben ausgegangen sind, wird von den Wissenschaftlern intensiv studiert.

1995


Mithilfe US-amerikanischer Daten wird von Ozeanographen ein Atlas entwickelt, der die Topographie des Meeresbodens mit großer Genauigkeit anzeigt.
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Stand: 20.01.2000
 
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