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Freitag, 10.02.2012
Rohstoff für alles
Was sonst noch möglich ist

Wenn es klappt, Algen in großen Mengen kostengünstig zu produzieren, eröffnen sich zahlreiche industrielle Nutzungsmöglichkeiten. Hier finden Sie einige der vielversprechendsten Anwendungen:

Antifaul-Anstriche
Algen produzieren Stoffe, mit denen sie sich Bakterien und Viren vom Leibe halten. Mit diesen Abwehrstoffen ließe sich ein Lack entwickeln, der zum Beispiel für Schiffe verwendet wird. Bislang wird hier das Umweltgift Tributylzinn (TBT) eingesetzt, dass ab 2003 jedoch verboten ist.

Schaumstoff aus Algen
Das Institut für Grundlagen der Verfahrenstechnik und Anlagentechnik der Technischen Universität Graz hat in Zusammenarbeit mit der Universidad de Magallanes in Punta Arenas (Südchile) ein völlig neuartiges Verfahren zur umweltschonenden Herstellung von Schaumstoffen auf der Basis von Algenzellstoff entwickelt. Im so genannten Alginsulate-Verfahren wird Natriumalginat mit Luft zu Schaumstoffen aufgeschäumt. Im ganzen Verfahrensablauf werden keinerlei umweltschädliche Verbindungen freigesetzt. Die Schaumstoffe sind wasserabweisend, leicht und kompostierbar und könnten in Zukunft Styropor ersetzen.

Papierproduktion
Wissenschaftler von der Universität Texas haben schlüssige Beweise dafür gefunden, dass Cyanobakterien das genetische Potenzial haben, um Zellulose zu produzieren. Dieser Grundstoff für Papier stabilisiert die Wände der Pflanzenzellen und ist im wesentlichen bei Landpflanzen zu finden. Es wäre also möglich, die Zellulose für die Papierherstellung aus Cyanobakterien zu gewinnen. Ein schöner Gedanke: Es müssten keine Bäume mehr für Papier gefällt werden...

Farbstoff
Farbstoffe aus Algen lassen sich umweltfreundlich ohne Einsatz von Lösungsmitteln extrahieren. Sie stellen eine natürliche Alternative zu synthetischen Farbstoffen dar und können diese sowohl im Lebensmittelbereich als auch in Kosmetika, Farben und Lacken oder Textilien ersetzen.

Abwasserreinigung &Co.
Algen filtern Nährstoffe und Schadstoffe aus dem Wasser und sind deshalb in der Lage, Abwässer zu klären. Ob Gülle oder Industrieabgase, die in das Wasser eingeleitet werden: Die Algen produzieren daraus wiederverwertbare Biomasse und Sauerstoff. Schwermetalle können sie dank ihrer positiv geladenen Zellwände sogar noch als "totes" Algenpulver binden.
Wissenschaftler kamen sogar auf die glorreiche Idee, die Weltmeere zu düngen, um das Algenwachstum anzuregen und damit das Kohlendioxid in der Atmosphäre zu reduzieren. Doch inzwischen warnen viele Forscher vor den unabsehbaren Folgen für die marinen Ökosysteme und das Klima; die komplexen Wechselwirkungen sind für solche Experimente einfach noch zu wenig bekannt.

Biodiesel
Werden Mikroalgen in Bioreaktoren mit Kohlendioxid, zum Beispiel aus Industrieabgasen, gefüttert, beschleunigt das ihr Wachstum und sie erreichen besonders hohe Fettgehalte. Mit Methanol können diese Algenfette schließlich zu Biodiesel umgewandelt werden.

Tierfutterzusatz
Algen werden heute zum Teil bereits als Futterzusatz eingesetzt und wirken sich positiv auf das Vieh aus. Untersuchungen zeigen, dass durch den Zusatz von Algen zum Tierfutter der Arzneimitteleinsatz verringert wird; außerdem sollen Hennen mehr und größere Eier legen...

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