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SETI: „Wow“-Signal lokalisiert?

Astronom findet möglichen Ausgangsstern des potenziellen Alien-Signals

Radioteleskop
Woher kam das berühmte "Wow"-Signal, das ein Radioteleskop des SETI-Projekts im Jahr 1977 einfing? © real444/ Getty images

Ein Astronom könnte den möglichen Ursprung des rätselhaften „Wow“-Signals gefunden haben – des bis heute stärksten Kandidaten für ein außerirdisches Lebenszeichen. Demnach könnte das 1977 eingefangene Radiosignal von einem rund 1.800 Lichtjahre entfernten sonnenähnlichen Stern im Sternbild Schütze gekommen sein. Dieser liegt in dem Himmelsbereich, aus dem das 1977 vom SETI-Programm eingefangene Radiosignal stammte und würde einem bewohnten Planeten eine potenziell günstige Umgebung bieten.

Im Rahmen des SETI-Projekts lauschen Astrononen schon seit Jahrzehnten ins All hinaus, um mögliche Technosignaturen einzufangen – Radiosignale von einer außerirdischen Zivilisation. Als Kandidaten dafür gelten Signale, die eine enge Bandbreite und starke Bündelung besitzen und deren Frequenz nahe an 1.420 Megahertz liegt und damit bei der des angeregten Wasserstoffs. Weil dieses Element der wichtigste und häufigste Baustein von Materie im Kosmos ist, bildet es eine Art universellen Bezugspunkt.

Wow-Signal
Der Daten-Ausdruck des „Wow“-Signals mit Ehmans Vermerk. © Big Ear Radio Observatory/ NAAPO

Das „Wow“-Signal – rätselhaft bis heute

Trotz aller Suche haben Astronomen jedoch bisher kein einziges Signal entdeckt, das von einer außerirdischen Zivilisation stammen könnte – bis auf eines: Am 15. August 1977 fing das Big-Ear-Radioteleskop in den USA ein extrem starkes Radiosignal ein, das 72 Sekunden anhielt und alle Kriterien für ein SETI-Signal zu erfüllen schien. Als der US-Astronom Jerry Ehman die Kurve dieses Signals sah, notierte er auf dem Ausdruck spontan: „Wow!“. Seither trägt dieses Ereignis diesen Namen.

Doch was war sein Ursprung? Genau das ist bis heute rätselhaft. Denn das Radiosignal trat nie wieder auf. Obwohl das mögliche Ausgangsgebiet in den folgenden Jahre immer wieder mit verschiedenen Radioteleskopen abgesucht wurde, wurde nie wieder etwas vergleichbares gefunden. Erschwerend kommt hinzu, dass das Big-Ear-Teleskop das „Wow“-Signal damals nur mit einer seiner beiden Antennen einfangen konnte, so dass eine genaue Ortung der Quelle nicht möglich war.

Seither wurden immer wieder Vermutungen dazu angestellt, welche natürlichen Ereignisse oder Quellen dieses Signal erzeugt haben könnten. 2017 glaubte ein Astronomen, einen Kometen als Urheber identifiziert zu haben, dies wurde aber wenig später von anderen widerlegt.

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Sternensuche im Ausgangsgebiet

Einen neuen Versuch, die Herkunft des Signals zu bestimmen, hat nun der spanische Amateur-Astronom Alberto Caballero unternommen. „Ich habe untersucht, welche der vielen tausend Sterne in der Signal-Ausgangsregion die beste Chance hätten, die echte Quelle des Signals zu sein“, erklärt der Forscher. Dabei ging er davon aus, dass die Entwicklung von Leben und einer außerirdischen Zivilisation in einem Planetensystem um einen sonnenähnlichen Stern am wahrscheinlichsten ist.

Herkunftsgebiete
Das Signal könnte aus zwei Himmelsstreifen im Sternbild Schütze stammen. Zwei sind es deshalb, weil nicht bekannt ist, welche der beiden Antennen das Signal auffing.© Benjamin Crowell /CC-by-sa 3.0

„Das einzige Leben im All, das wir bisher kennen, umkreist schließlich einen solchen Stern“, so Caballero. Für seine Studie suchte er daher mithilfe des Gaia-Sternenkatalogs alle Sterne heraus, die in den zwei in Frage kommenden Himmelsbereichen bekannt sind. Aus dieser Vorauswahl sortierte er dann alle Roten Zwerge und zu heißen, massereichen Sternen aus. Übrig blieben nur noch Sterne der gleichen Spektralklasse wie die Sonne sowie in einer zweiten, etwas erweiterten Auswahl auch orangene Sterne der nächstkühleren Spektralklasse.

Ein Zwilling der Sonne

Das Ergebnis: Im möglichen Herkunftsgebiet des „Wow“-Signals liegen 17 Sterne, die die Kriterien erfüllen könnten. Für 14 davon fehlen allerdings bisher nähere Daten zu Leuchtkraft und Größe. Unter den restlichen drei sticht ein Stern als besonders sonnenähnlich hervor, wie Caballero berichtet: „Der Stern 2MASS 19281982-2640123 hat eine geschätzte Temperatur von 5.783 Kelvin, eine Größe von 99 Prozent des Sonnenradius und die gleiche Leuchtkraft wie die Sonne“, so der Astronom.

Dieser „Zwilling der Sonne“ liegt den Gaia-Daten zufolge rund 1.800 Lichtjahre von uns entfernt im Sternbild Schütze. „Dies stimmt mit den Schätzungen von Claudio Maccone überein, nach denen die nächste kommunikationsfähige Zivilisation weiter als 500 Lichtjahre entfernt sein muss“, erklärt Caballero. Der italienische SETI-Astronom Maccone hatte 2010 auf Basis der Drake-Gleichung diese Berechnung aufgestellt.

Signal einer extraterrestrischen Zivilisation?

Nach Ansicht von Caballero wäre es durchaus denkbar, dass das „Wow“-Signal aus der Umgebung der fernen Sonne 2MASS 19281982-2640123 kam. Denn dieser Stern erfüllt die Kriterien, um Planeten mit einer lebensfreundlichen Umgebung zu besitzen. Auf einem davon könnte sich eine außerirdische Zivilisation entwickelt haben, die gezielt ein starkes Radiosignal ins All schickte – vielleicht sogar explizit als Kommunikationsangebot an andere Welten und Lebensformen.

Dass das „Wow“-Radiosignal nur einmal auftrat und ziemlich kurz war, spricht nach Meinung des Astronomen nicht gegen dieses Szenario: „Wenn wir die wenigen Radiosignale analysieren, die die Menschheit bisher in Hoffnung auf Kontakt zu fremden Zivilisationen ins All geschickt hat, stellen wir fest, dass keines dieser Signale lang war oder über längere Zeit wiederholt wurde“, erklärt er. „Eine extraterrestrische Zivilisation würde das vielleicht genauso machen.“

Weitere Beobachtungen lohnend

Der Astronom plädiert dafür, die Sterne im fraglichen Himmelsausschnitt genauer zu untersuchen. Denn neben der fernen Sonne 2MASS 19281982-2640123 hat er insgesamt 66 Sterne mit passender Spektralklasse dort aufgespürt. Von den meisten dieser Kandidaten fehlen jedoch bisher weitere Informationen. „Da alle diese Sterne im gleichen Teil des Himmels liegen, ist dies ideal, um die gesamte Herkunftsregion des Wow-Signals nach Technosignaturen zu durchsuchen“, sagt Caballero. (International Journal of Astrobiology, 2022; doi: 10.1017/S1473550422000015)

Quelle: International Journal of Astrobiology

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