Liebesleben der Wüstenheuschrecken entscheidend für Massenvermehrung Duft und Sex bei Wanderheuschrecken - scinexx | Das Wissensmagazin
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Liebesleben der Wüstenheuschrecken entscheidend für Massenvermehrung

Duft und Sex bei Wanderheuschrecken

Wanderheuschrecken auf Fresszug © Compton Tucker, NASA GSFC

Was treibt die Wüstenheuschrecke immer wieder zur massenhaften Wanderschaft? Wissenschaftler haben jetzt herausgefunden, dass das Paarungsverhalten dafür eine entscheidende Rolle spielt: Bei anhaltend guten Umweltbedingungen und reichlichem Futterangebot ändert es sich gravierend und löst dadurch eine „Massenvermehrung“ aus.

Wüstenheuschrecken leben normalerweise vereinzelt in wasserarmen Gebieten Nordafrikas. Sie kommen in einzelnen Phasen nur in sehr geringen Mengen vor und richten auch keinen nennenswerten Schaden an. Jedoch bei anhaltend guten Umweltbedingungen mit reichhaltigem Futterangebot wird eine regelrechte „Massenvermehrung“ ausgelöst. Innerhalb weniger Monate kommt es dann zur Ausbildung der biologisch unterscheidbaren Wanderphase, in der sich die Heuschrecken zu gewaltigen, schadenstiftenden Schwärmen „zusammenrotten“. Derzeit müssen gerade die nordafrikanischen Länder, unter anderem Marokko, Mali und Mauretanien, unter einer Heuschreckenplage leiden.

Durch die extremen Schwankungen in der Populationsdichte werden die Männchen mit ganz unterschiedlichen Situationen und Anforderungen in der Partnerfindung konfrontiert. Die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Hans-Jörg Ferenz an der Martin-Luther-UniversitätHalle-Wittenberg hat herausgefunden, dass offenbar diese Umstände zu einer bemerkenswerten Veränderung und Erweiterung des Paarungsverhaltens geführt haben. Bei hoher Populationsdichte und nur dann, bilden die geschlechtsreifen Männchen zur Abwehr von Konkurrenten den abstoßenden Duftstoff, das Pheromon. Demzufolge sichern sie sich den eigenen Fortpflanzungserfolg, die Vaterschaft. Bei geringem Konkurrenzdruck unterbleibt die Bildung dieses Duftstoffs.

Da sich die gegenwärtige Heuschrecken-Invasion zu einer Naturkatastrophe enormen Ausmaßes entwickelt, hofft das hallesche Team, dass im Rahmen der erzieltenForschungsergebnisse ein wirksamer Beitrag für eine umweltverträgliche Bekämpfung dieser Plage – unter Verzicht oder zumindest Einschränkung der Anwendung von Insektiziden – geleistet werden kann. Die Gefahr einer weiteren Verbreitung besteht, denn bisher hat die Wüstenheuschrecke nur einen Teil des möglichen Befallsgebietes, das von afrikanischen Atlantikküste bis zum Ganges und vom Mittelmeer bis nach Tansania reicht, heimgesucht. Es handelt sich dabei um ein Fünftel der Landfläche der Erde, bewohnt von 20 Prozent der Weltbevölkerung, die überwiegend in ärmlichen Verhältnissen lebt.

(Universität Halle-Wittenberg, 30.07.2004 – NPO)

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