Vom Tropenmeer zum Hochplateau - scinexx | Das Wissensmagazin
Anzeige
Anzeige

Wie die Schwäbische Alb entstand

Vom Tropenmeer zum Hochplateau

Schaut man vom Stuttgarter Fernsehturm nach Süden, ist die Schwäbische Alb kaum zu übersehen: Ihre Hänge ragen steil wie eine Stufe mehrere hundert Meter aus der Ebene in die Höhe. Das bis zu 1.000 Meter hohe Mittelgebirge zieht sich wie ein Riegel durch die Landschaft. Es erstreckt sich vom Hochrhein im Südwesten bis zum Nördlinger Ries im Nordosten. Sein Fundament besteht vor allem aus Kalk, gemischt mit Mergel und Ton.

Wie ein Riegel erhebt sich die Schwäbische Alb aus der Landschaft © Hans Braxmeier/ gemeinfrei

Doch wie kam dieser Balken mitten in der Landschaft zustande? Dafür müssen wir rund 200 Millionen Jahre in die Vergangenheit reisen, ins Zeitalter des Jura. Damals wogte dort, wo heute die Höhen der Schwäbischen Alb aufragen, noch ein tropisches Meer. Von Europa waren nur wenige Inseln zu sehen, die aus dem flachen Meer emporragten.

Vom Riff zum „Grand Canyon“

Im seichten Wasser der Lagunen wuchsen große Kolonien von Korallen, Kalkalgen und Schwämmen, die im Laufe der Zeit mächtige Riffe schufen. Ihr weißer Kalk bildet heute den Hauptsockel des Albplateaus – und prägt die gesamte Landschaft dieser Region. An vielen Stellen des Albtraufs tritt dieses weiße Gestein weithin sichtbar zutage und auch auf der Alb schimmert es vielfach an Wegböschungen oder Kuppen durch die Pflanzendecke.

Donaudurchbruch: Zwischen Tuttlingen und Sigmaringen hat sich die Donau canyonartig in die Jurakalke der Alb eingetieft. © Geopark Schwäbische Alb

Besonders eindrucksvoll kann man die Kalksteinformationen im „Schwäbischen Grand Canyon“ erleben, dem Durchbruchstal der Donau durch die Schwäbische Alb. Dieses Flussstück zwischen Fridingen und Sigmaringen gilt nicht umsonst als eines der schönsten entlang der gesamten Donau: Tief eingegraben windet sich die Donau hier zwischen den hochaufragenden Felsformationen und bewaldeten Hängen hindurch. Immer wieder öffnen sich faszinierende Ausblicke auf Steilhänge, Burgen, die auf den Rändern der Schlucht thronen und hinunter zum funkelnden Fluss.

Instabiler Rand

So massiv der imposante Riegel der Schwäbischen Alb auch erscheinen mag, seine Ränder sind alles andere als stabil. Das zeigt sich am Morgen des 12. April 1983, als bei Mössingen nach tagelangen Regenfällen ein ganzes Hangstück ins Rutschen geriet. Rund fünf Kubikkilometer Erde und Gestein stürzten zu Tal und hinterließen eine fast 70 Fußballfelder große kahle Trümmerwüste.

Anzeige

Teil der Abrisskante des Bergrutsches am Albtrauf bei Mössingen © Björn Appel/ CC-by-sa 3.0

Und auch heute ist der Albtrauf noch immer in Bewegung: Durch Erosion und Rutschungen angefressen, weicht er im Jahr durchschnittlich um 1,5 Millimeter zurück. Diese Rückverlagerung hat den Nordrand der Schwäbischen Alb aus der Stuttgarter Gegend bereits bis an seinen heutigen Standort versetzt.

Koloss auf tönernen Füßen

Hinzu kommt, dass der Alb-Koloss auf „tönernen Füßen“ steht: Sein Hauptsockel aus weißem Jurakalk ist zwar relativ stabil. Aber darunter liegt der Braune Jura, eine stärker mit Ton, Mergel und Sandstein durchmischten Gesteinsschicht. Der feine Ton dieser Schicht wird schnell instabil und kann bei Nässe wie eine Gleitschicht wirken.

Dadurch löst auch er Rutschungen und das schleichend langsame Bergkriechen aus. Dieses lässt sich an einigen Stellen des Albrands gut beobachten: Viele Obstbäume sind hier krumm gewachsen, ihre Stämme erscheinen wie abgeknickt, weil sie die Bewegung des Untergrunds ausgleichen.

  1. zurück
  2. 1
  3. |
  4. 2
  5. |
  6. 3
  7. |
  8. 4
  9. |
  10. 5
  11. |
  12. 6
  13. |
  14. weiter

Nadja Podbregar
Stand: 21.07.2017

Anzeige

In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Schwäbische Alb
"Jurassic Park" und UNESCO-Weltkulturerbe

Vom Tropenmeer zum Hochplateau
Wie die Schwäbische Alb entstand

Schatzkammer für Fossilien
Fenster in die Lebenswelt des Jura

Im Reich der Höhlen
Karstphänomene der Schwäbischen Alb

Urzeit-Venus und Knochenflöte
Weltkulturerbe Albhöhlen

Eiszeitliches Refugium
Wann und warum kamen unsere Vorfahren in die Alb?

Diaschauen zum Thema

News zum Thema

40.000 Jahre alte Knochenflöte entdeckt
Musikinstrument der Eiszeit aus einer Höhle der Schwäbischen Alb

Riesenhirsche überlebten die Eiszeit
In Süddeutschland gefundene Knochen entpuppen sich überraschend als Relikte des Megaloceros

Riesen-Seelilien sind Fossil des Jahres
Paläontologische Gesellschaft würdigt ausgestorbenes "Schwäbisches Medusenhaupt"

Schwäbische Höhle birgt älteste menschliche Kunstwerke
Die Donau war Einfallstor für den Homo sapiens nach Mitteleuropa

Älteste Menschenfigur der Welt in der Schwäbischen Alb entdeckt
35.000 Jahre alte Venus stammt aus der Hohle Fels-Höhle

Dossiers zum Thema

Das Nördlinger Ries - Ein Einschlagskrater mitten in Deutschland

Höhlenmalerei - Die geheimnisvolle Kunst unserer Vorfahren

Höhlenbären - Rätselhafte Eiszeit-Riesen

Deutschlands Süden - Eine Reise durch einzigartige Landschaften und Jahrmillionen Erdgeschichte

Von Urpferden und Flugmäusen - Die Ausgrabungen in Messel und Stöffel

Jurassic Garden - Entdeckungsreise in ein Europa lange vor unserer Zeit...

Die vereinigten Platten von Europa - Der Tektonik unseres Kontinents auf der Spur

Anzeige
Anzeige