Pfand für Alle! - scinexx | Das Wissensmagazin
Anzeige
Anzeige

Pfand für Alle!

Die neue Pfandregel soll das Chaos wieder übersichtlich machen

Jeder Verbaucher muss nach Pfand- und Wegwerfflaschen sortieren © glasaktuell

Mehrwegflasche oder Einwegflasche? Glas, PET oder Dose? Mit Kohlensäure oder ohne? Alkoholisches Getränk oder Fruchtsaft? – Das deutsche Pfandsystem hat in den vergangenen Jahren nicht nur Verbraucher sondern auch Händler verwirrt.

Seit Mai 2006 soll endlich damit Schluss sein – kein sortieren mehr nach Herkunft und Hersteller. Was zählt, ist nur das Material der Verpackung: Glas, PET oder Dose. Verkauft ein Händler etwa Limonade in Dosen, ist er verpflichtet auch Cola-, Bier- oder Kaffee-Dosen wieder zurück zu nehmen und das Pfand auszuzahlen. Hat er aber keine Flaschen im Angebot, muss er auch kein Produkt dieser Verpackungsart annehmen.

Die neue Regelung beinhaltet erstmals auch Erfrischungsgetränke ohne Kohlensäure. Bislang ohne Pfand, sind jetzt auch Fitnessgetränke, Eistee und so genannte Alcopops in das Pfandsystem eingebunden. Doch Ausnahmen gibt es noch immer: Händler mit einer Verkaufsfläche von weniger als 200 Quadratmetern, wie Kioske und Tankstellen, bleiben weiterhin von jeder Verpflichtung befreit. Säfte, Milch, Spirituosen und Wein bleiben immer noch pfandfrei – ebenso wie ökologisch vorteilhafte Verpackungen, wie etwa Getränkekartons. Denn beim Pfandsystem geht es nach wie vor um die Umweltfreundlichkeit.

Woher kommt der Pfand eigentlich?

Ursprünglich galt das Pfand nur für die Mehrwegflasche, damit die Verbraucher einen finanziellen Anreiz hatten, die Behälter auch wieder zum Händler zu bringen. Denn von dort gehen die Glas- und PET-Flaschen zum Hersteller zurück, werden gewaschen und bis zu 50 Mal neu befüllt. Eine 0,5 Liter PET-Mehrwegflasche ersetzt so in ihrem Leben etwa 38 Getränkedosen und ein Kasten mit 20 Mehrwegflaschen aus Glas über 1000 Einwegflaschen. In diesem Kreislauf werden nicht nur die Rohstoffe zur Produktion neuer Flaschen eingespart, sondern auch die bei der Produktion verbrannte Energie mitsamt ihren klimawirksamen Abgasen.

Glasscherben können zwar wiederverwertet werden, aber PET-Flaschen sind ökologischer © glasaktuell

Doch wie ökologisch ist sind Mehrwegflaschen wirklich? Das Umweltbundesamt wollte es 2002 genau wissen: Eine umfangreiche Ökobilanz prüfte die Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Verpackungen der Mehrweg- und Einwegsystemen. Dabei werden die Umweltauswirkungen eines Produktes von der Herstellung bis zur Entsorgung gemessen: Der Energie- und Ressourcenverbrauch bei der Produktion, beim Transport, bei der Reinigung der Mehrwegflaschen und bei der Entsorgung. Klarer Sieger war das Mehrwegsystem.

Anzeige

Die Bilanz stellte jedoch in ihrer Auswertung noch einen weiteren Faktor in den Vordergrund: den Transportweg. Denn wenn die Mehrwegflasche weiter als 750 Kilometer zum Hersteller reisen muss, geht jeglicher ökologische Vorteil gegenüber der Einwegflasche verloren. Beim Transportieren der Mehrwegflaschen spielt zudem noch das Gewicht eine besondere Rolle. Je schwerer die Ladung, desto höher der Energieverbrauch des Transports – Die PET-Mehrwegflasche überholt in der Ökobilanz damit den Urtyp der Pfandflasche aus Glas.

Die einzigen Einweg-Getränkeverpackungen, die noch mithalten können, sind der Getränkekarton und die Nachfüllbeutel für Spülmittel oder Flüssigseife. Die Hauptgründe für ihre gute Bilanz sind die enorm hohen Recyclingquoten von über 65 Prozent, weil sie direkt in die Gelbe Tonne kommen, und das geringe Gewicht der Verpackungsmaterialien.

Einwegpfand und Mehrwegpfand: eine Faustregel

Doch Verbraucher orientieren sich beim Kauf von Getränken nicht nur an der Ökobilanz von Verpackungen. In den 1990’er Jahren kamen Fitnessgetränke, Mineralwasser und gemischte Säfte in einer neuen Generation von pfandfreien Einwegflaschen vor allem aus PET auf den Markt. Der Anteil an Mehrwegflaschen sank daraufhin bis 2002 um 15 Prozent. Um die umweltfreundlichere Mehrwegflasche zu unterstützen, führte das Bundesumweltministerium zu Beginn 2003 das Pfand auch für Einwegflaschen ein. Gedacht als Gleichstellung für alle Getränkeverpackungen konnte der verwirrte Kunde die Systeme kaum noch unterscheiden: Nicht mehr alle Produkte, die Pfand kosteten waren auch Teil eines Mehrwegsystem.

In Zukunft sollen unterschiedliche Symbole die Einweg- von den Mehrwegflaschen besser erkenntlich machen. Als Faustregel können sich die Kunden zusätzlich merken: Bei Einwegflaschen beträgt das Pfand 25 Cent, bei Mehrwegverpackungen nur acht oder 15 Cent. Die Verbraucher sollten jedoch vorsichtig mit ihren teuren Pfandflaschen umgehen, denn nur für Dosen und PET-Flaschen, die nicht flach gedrückt oder beschädigt sind, gibt es Geld zurück.

  1. zurück
  2. |
  3. 1
  4. |
  5. 2
  6. |
  7. 3
  8. |
  9. 4
  10. |
  11. 5
  12. |
  13. 6
  14. |
  15. 7
  16. |
  17. 8
  18. |
  19. 9
  20. |
  21. weiter


Stand: 09.06.2006

Anzeige

In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Alles für die Tonne
Was geschieht mit unserem Müll?

Recycling – von der Öko-Idee zum Boom-Sektor
Machen die Gewinne der Wiederverwertung demnächst Müllgebühren überflüssig?

Das ewige Leben eines Joghurtbechers
Blau, Grau oder Gelb – in welchen Container kommt der Müll?

Vom Kunststoffmüll zum Fleece-Pullover
Warum Sortieranlagen das Herzstück für Recycling sind

Der Grüne Punkt – Exportschlager einer Kreislaufwirtschaft
Wie Selbstentsorger das System austricksen

Startschuss für das Elektro-Recycling
Bald ein Duales System für elektrische Geräte?

Restmüll – Alles nur nicht recyclebar?
Auch die Reste liefern noch gute Dienste

Pfand für Alle!
Die neue Pfandregel soll das Chaos wieder übersichtlich machen

Nie wieder Müllgebühren?
Ein Fazit

Diaschauen zum Thema

keine Diaschauen verknüpft

News zum Thema

keine News verknüpft

Dossiers zum Thema

Biomasse - Holz, Stroh und Biogas - Energielieferanten der Zukunft?

Anzeige
Anzeige