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Warum erröten wir im Gesicht?

Wissenswert

rotes gesicht
Gerade in unangenehmen Situationen erröten wir häufig. © oldunov/ iStock

Einen Vortrag zu halten, ein Vorstellungsgespräch zu führen oder vor Zuschauern zu singen, fordert Selbstbewusstsein. Doch gerade, wenn es drauf ankommt, rötet sich häufig unser Gesicht vor Aufregung – und das verunsichert noch mehr. Schon der Gedanke ans Rotwerden ist manchmal Auslöser genug. Aber warum kommt diese plötzliche Hitze ausgerechnet in den unangenehmsten Situationen? Warum erröten wir?

Rotwerden kommt auch beim Sport oder Saunabesuch vor, bei manchen reicht schon ein überheiztes Zimmer oder der Konsum von Alkohol. Die Anstrengung erhöht die Durchblutung im Körper, sodass wir erröten. Diese Fälle des Errötens sind leicht erklärbar. Anders ist dies beim „sozialen Erröten“. Es tritt ein, wenn wir in Situationen geraten, die wütend machen oder die für uns peinlich oder gefährlich sind.: Die Aufregung löst eine Anspannung im Körper aus. Im vegetativen Nervensystem aktiviert sich der sogenannte Sympathikus, der in Stresssituationen die Körperfunktionen hochfährt.

Eine Reaktion des vegetativen Nervensystems

Das bedeutet: Das Gehirn sendet Hormone in den Körper, die den Blutdruck ansteigen lassen. Gleichzeitig wird der Puls schneller und es wird vermehrt Blut zum Kopf transportiert. Die Blutgefäße weiten sich und auch hier verstärkt sich die Durchblutung – im Gesicht wird das als Rotfärbung sichtbar. Denn die Hautoberfläche im Gesicht ist besonders stark durchblutet. Häufig schwitzen auch die Hände. Hierbei handelt es sich aber um eine völlig normale Körperreaktion eines gesunden Menschen.

Wann und wie oft Menschen erröten, hängt mit individuellen Reizschwellen zusammen, erläutert Christoph Schick. Auch wie empfindlich man auf Stress reagiert, ist entscheidend. Der Chirurg aus München behandelt Patienten, die unter übermäßigem Erröten, der sogenannten Erythrophobie, leiden. Er schätzt, dass etwa jeder 200. Mensch eine angeborene Störung in der Steuerung des Sympathikus hat. Diese führe dazu, dass die Betroffenen deutlich schneller in Aufregung geraten und rot werden.

Rot vor Scham

„Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das erröten kann. Oder sollte“, schrieb der amerikanische Autor Mark Twain. Er machte damit sehr treffend deutlich, dass Erröten mehr ist als nur die verstärkte Durchblutung im Kopf. Es macht auch Emotionen sichtbar: Der Kopf wird nicht nur rot, wenn sich jemand anstrengt, sondern auch, wenn er sich schämt oder ihm etwas peinlich ist.

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Warum ein Mensch in peinlichen Situationen einen roten Kopf bekommt, ist aber noch weitgehend unklar. «Es gibt verschiedene Theorien, aber bewiesen ist keine», sagt die Psychologin Samia Härtling von der Technischen Universität Dresden. Ein Erklärungsversuch lautet: Die Rötung des Gesichts in peinlichen Situationen könnte ein Schutzmechanismus sein, um den Menschen nach einem Regelverstoß vor dem Ausschluss aus seiner sozialen Gruppe zu bewahren. Der rote Kopf signalisiert: Ich weiß, ich habe einen Fehler gemacht, es tut mir leid.“ Hierbei habe das Rotwerden eine entschuldigende Funktion.

Studien belegen, dass Menschen, die bei einem Missgeschick in der Öffentlichkeit – zum Beispiel beim Stolpern im Supermarkt – erröten, häufig für sympathisch gehalten werden. Meist wird der Person nicht zugetraut, das Missgeschick absichtlich gemacht zu haben. Sie wird also nicht von der Gesellschaft verurteilt und ausgeschlossen. Insofern schützt das Erröten tatsächlich, beispielsweise vor den sozialen Folgen einer Handlung.

Eine überlebenswichtige Funktion habe das Erröten aber wohl eher nicht: „Wenn wir evolutionsbiologisch die Geschichte der Menschheit betrachten, waren ja die Urmenschen alle dunkelhäutig“, so Härtling. „Und wenn es wirklich eine überlebenssichernde zentrale Funktion gehabt hätte, wäre es nicht sinnvoll gewesen, weil man es bei dunkelhäutigen Menschen einfach sehr schlecht sieht.“ Und das Rotwerden verfolgt einen Menschen auch nicht lebenslänglich: „Wir wissen, dass Babys gar nicht erröten, das beginnt dann erst im Alter ab drei Jahren, der Höhepunkt der Errötungshäufigkeit liegt in der Pubertät, weil das ja eine Phase ist mit vielen Unsicherheiten, mit Umbrüchen, da ist man sensibel für die Blicke der anderen“, sagt die Expertin. Danach werde es meist wieder weniger.

Mögliche Maßnahmen

Aber dennoch ist es gerade bei viel Aufmerksamkeit durch andere sehr unangenehm zu erröten. Bei gelegentlichem Rotwerden empfehlen Experten Entspannungs- und Atemübungen. Sie verhindern nicht das Rotwerden, lösen aber die innere Anspannung. Und wer sich weniger auf seinen roten Kopf fokussiert, ist gelassener. Darum helfe es auch, sich mit anderen auszutauschen.

Für Menschen, die stark unter Erröten leiden, gibt es spezielle Verhaltenstherapien, um herauszufinden woher die Ängste kommen. Gleichzeitig werden sie ermutigt, Situationen mit Errötungsgefahr aktiv aufzusuchen. „Nach einer erfolgreichen Therapie stellt sich mit der Zeit das Gefühl ein, auch subjektiv seltener zu erröten“, sagt Härtling.

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