Mythos und Wirklichkeit in der Sargasso-See

Bermuda-Dreieck

Bermuda-Dreieck im westlichen Atlantik © NASA

Das Bermuda-Dreieck, das ist ein Gebiet im westlichen Atlantik vor der Küste Floridas. Auch als „Teufels-Dreieck“ bezeichnet, spannt sich dieser mit Angst, Schrecken und unerklärlichen Vorfällen assoziierte Abschnitt des Atlantiks von der Südspitze Floridas zu den Bermuda-Inseln im Nordosten hinab nach Puerto Rico.

Diese Region steht seit Jahrzehnten für das unheimliche und spurlose Verschwinden von Schiffen und Flugzeugen. Immer wieder tauchten Berichte auf, die scheinbare Beweise für geheimnisvolle Kräfte, die dort am Werk seien, liefern wollten. Heute ist klar, dass sich die meisten dokumentierten Fälle von verunglückten Schiffen oder Flugzeugen rational erklären lassen. Und wenn es doch in dem einen oder anderen Fall tatsächlich keine Spuren gab, dann liegt es an der technischen Ausrüstung der Suchmannschaften oder einfach an der Abwesenheit von Zeugen in den Weiten des Atlantiks.

Die Region um das Bermuda-Dreieck lohnt dennoch einen zweiten Blick. Denn die Sargasso-See, die sich vom Bermuda-Dreieck bis zum mittelatlantischen Rücken erstreckt, hat einige Besonderheiten zu bieten – jenseits des Unerklärlichen. Denn aufgrund der besonderen Lage und der damit einhergehenden klimatischen Bedingungen, hat sich hier ein einmaliges und außergewöhnliches Spektrum an Tier- und Pflanzenarten angesiedelt.

Edda Schlager
Stand: 26.06.2009

Flug 19 – Patrouille ohne Wiederkehr

5 + 1 auf einen Streich

Um 14 Uhr 10, am 5. Dezember des Jahres 1945 heben fünf Flugzeuge vom Typ TBM Avenger auf dem Marinestützpunkt Fort Lauderdale in Florida vom Boden ab – Flug 19, so der interne Name der Aktion. Das Wetter ist günstig. Die Mission: Ein Routine-Patrouillen-Flug von Fort Lauderdale 150 Meilen gen Osten auf den Atlantik hinaus, dann 40 Meilen nach Norden und zurück zur Airbase.

Beste Voraussetzungen für einen Flug

Die fünf Piloten in den Flugzeugen sind erfahren. Die Flugzeuge wurden vor dem Flug aufs genaueste gecheckt. Die Wettervorhersagen für die Route sind ausgezeichnet, es ist ein für Florida typischer sonniger, milder Wintertag. Besondere Vorkommnisse – keine.

Staffel von Avenger-Flugzeugen wie bei Flug 19 © US Navy

Um 15.45 Uhr, anderthalb Stunden nach dem Start, nimmt der Tower in Fort Lauderdale eine Meldung der Patrouille entgegen. Doch anstatt um Instruktionen für die Landung zu bitten, klingt der Kapitän der Fliegerstaffel besorgt und verwirrt.

„Wir können kein Land sehen,“ hört man auf dem Tower. Die Fluglotsen fragen nach der genauen Position und suchen den Himmel über der Airbase nach der Patrouille ab, die längst im Landeanflug sein müsste.

Verwirrung zwischen Tower und Cockpit

Dann wieder eine Meldung aus dem Cockpit des Patrouillenführers: „Wir sind nicht sicher, wo wir sind. Wiederhole: Wir können kein Land sehen.“ Dann bricht der Kontakt zu der Patrouille ab.

Nach zehn Minuten erneut eine Meldung im Tower. Doch diesmal ist es nicht der Chef der Fliegerstaffel, sondern einer der anderen Piloten. „Wir können Westen nicht finden. …. Wir sind uns keiner Richtung sicher. Alles sieht merkwürdig aus, sogar der Ozean.”

Dann wieder Funkstille, und zu seiner Überraschung muss der Lotse auf dem Tower feststellen, dass der Staffelkapitän das Kommando an einen seiner Untergebenen übergeben hat. Zwanzig Minuten später meldet sich der neue Patrouillenführer beim Tower, am Rande der Hysterie: „Wir können nicht sagen, wo wir sind. … Wir denken, wir sind 225 nordöstlich der Basis.“ Dann stottert der Pilot etwas unverständliches und meldet sich schließlich mit den letzten Worten, die jemals von Flug 19 zu hören sind: „Es scheint, als ob wir in weißes Wasser kommen …Wir sind komplett verloren. “

Auch Nummer sechs verschwindet

Nur Minuten nach dem letzten Funkspruch von Flug 19 macht sich ein weiteres Flugzeug auf die Suche und fliegt die letzte vermutete Position der Fliegerstaffel an. Zehn Minuten nach dem Start meldet sich der Pilot beim Tower – und wird nie wieder gehört.

Sowohl die Küstenwache als auch Schiffe der Marine und Flieger der US Air Force suchen in den nächsten Tagen nach den verschollenen Flugzeugen. Was sie finden, sind ruhige See und mittlere Winde, 40 Meilen pro Stunde – und sonst nichts. Fünf Tage lang suchen sie ein Gebiet von fast 250.000 Quadratmeilen rund um Florida ab, im Westatlantik und im Golf von Mexiko.

Keine Spuren

Sie finden nicht ein einziges Überbleibsel der fünf Staffelflieger und des verschollenen Suchflugzeugs – keine Ölspur, keine Wrackteile, keine Leichen, weder von den 14 Mann Besatzung der Fliegerstaffel noch von den 13 Crew-Mitgliedern der Suchmannschaft.

Auch nach einer intensiven Untersuchung durch die Navy unter Beteiligung zahlreicher Spezialisten muss die Untersuchungskommission zugeben: „Wir haben nicht die geringste Ahnung und können nicht einmal vermuten, was passiert ist.“

Beweise für ein Mysterium?

Im Jahr 1973, knapp 30 Jahre nach dem ungeklärten Verschwinden von Flug 19 und dem ausgesandten Rettungsflieger, kommt die minutiös erfasste Chronologie des missglückten Patrouillenflugs noch einmal an die Öffentlichkeit.

In diesem Jahr sehen die beiden amerikanischen Autoren Charles Berlitz und J. Manson Valentine im mysteriösen Verschwinden der US-Piloten von Flug 19 einen der stärksten Beweise, dass es im „Bermuda-Dreieck“ nicht mit rechten Dingen zugehe und irgendwelche geheimen Kräfte am Werke sein müssten. Mit ihrem Buch „Das Bermuda-Dreieck“ nehmen sie die ursprünglich von einem Science-Fiction-Autor geprägte Bezeichnung für das Gebiet zwischen den Bermuda-Inseln und Florida auf. Und sie „beweisen“, dass mit Flug 19 in dieser Gegend längst nicht das erste Mal ganze Flugzeuge mitsamt Besatzung auf mysteriöse Weise verschwunden seien, sondern dass das Bermuda-Dreieck schon weitaus mehr Opfer gefordert habe.


Stand: 26.06.2009

Flug 19 – Auch Piloten können irren

Wer erzählt die Geschichte und wie?

Das Naval Historical Center der US Navy geht den Recherchen der beiden selbst ernannten Wissenschaftler Berlitz und Valentine umgehend nach. 1973, noch im selben Jahr, in dem „Das Bermuda-Dreieck“ veröffentlicht wird und angeblich Dutzende Beweise für die unheimlichen Kräfte in der Sargasso-See präsentiert, nimmt Michael McDonnell, ein Historiker des Navy-Museums, den Fall von Flug 19 noch einmal genauer unter die Lupe.

Historische Sicht

Er veröffentlicht seine Erkenntnisse im Juni-Heft der Naval Aviation News und macht deutlich, dass es durchaus darauf ankommt, wer und wie derjenige eine Geschichte erzählt – und dass es sich bei dem Flug im Jahr 1945 offensichtlich um ein tragisches Unglück handelte, jedoch nicht um Übernatürliches.

Wasserflugzeug des Typs PBM Mariner, das zur Hilfe eilte und auch abstürzte © US Navy

Wie der Historiker McDonnell in den Unterlagen des Untersuchungsberichts der Navy herausfand, handelte es sich bei den Piloten keineswegs – wie häufig dargestellt – um erfahrene Haudegen der US Airforce, die einen routinierten Patrouillenflug absolvierten. Im Gegenteil: Flug 19 war ein Training für Flugschüler der Luftwaffe. Lediglich der Patrouillenkapitän hatte bereits über 2.500 Flugstunden Erfahrung.

Die fünf Avenger-Flugzeuge wiesen bei der Durchsicht vor dem Start tatsächlich keinerlei Probleme auf, außer, dass keines eine Uhr an Bord hatte. Ob die Piloten selbst Armbanduhren trugen, wie es üblich war, ließ sich nicht nachweisen.

Die Probleme beginnen

Der ursprüngliche Trainer für Flug 19 verspätete sich, so dass schnell ein Ersatz gefunden werden musste. Der Wetterdienst hatte „bis auf weiteres“ günstiges Wetter gemeldet, die See sei „gemäßigt bis stürmisch“.

Anderthalb Stunden nach dem Start gehen im Tower der Airbase von Fort Lauderdale konfuse Meldungen von der Fliegerstaffel ein. Die Piloten melden Probleme mit den Kompassen und wähnen sich über den Florida Keys, einer der Florida-Halbinsel vorgelagerten Inselkette. Das hieße, sie wären auf der anderen Seite von Florida, auf der sie eigentlich sein sollten, südwestlich von Fort Lauderdale und nicht östlich davon.

Dem Tower war völlig unverständlich, wo sich die Piloten tatsächlich befanden. Und mittlerweile wurde es dunkel und das Wetter hatte sich verschlechtert.

Tödliche Entscheidung

Um 18.20 Uhr fängt der Tower eine Meldung der Staffel auf, „Alle dicht zusammen bleiben. Wenn wir kein Land sichten, müssen wir wassern. Wenn der erste unter 45 Liter fällt, gehen wir alle zusammen runter.“

Zur gleichen Zeit meldet der britische Tanker Viscount Empire, der nordöstlich der Bahamas in Richtung Fort Lauderdale unterwegs ist, stürmische See und hohe Windgeschwindigkeiten.

Jetzt werden auf dem Luftwaffenstützpunkt Banana River zwei Such-Flugzeuge vorbereitet, die der Fliegerstaffel beistehen sollen, mit genug Treibstoff für einen 12-Stunden-Flug. Nur drei Minuten nachdem die beiden Rettungsflieger gestartet sind, kommt von einem der beiden das letzte Signal und verschwindet vom Radar. Das zweite Flugzeug landet, wenn auch ohne Sucherfolg, heil auf der heimatlichen Airbase.

Rauchen kann tödlich sein

Doch später wird man feststellen, das 20 Minuten nach dem letzten Funkspruch des verschwundenen Rettungsfliegers, der Kapitän des Tankers „S.S. Gaines Mills“, der vor der Küste Floridas kreuzt, eine Explosion am Himmel gesehen hat und kurz darauf an derselben Stelle einen Ölfilm im Wasser fand.

Das Verschwinden des Suchflugzeugs scheint damit geklärt, so Historiker McDonell. Obwohl das Rauchen an Bord strengstens untersagt gewesen sei und es im Abschlussbericht der Navy aus dem Jahr 1945 keine diesbezüglichen Anschuldigungen gebe, liege die Vermutung nahe, dass an Bord des Rettungsfliegers jemand geraucht habe. Der Flugzeugtyp sei weithin als „fliegender Gastank“ bekannt gewesen.

Bahamas statt Florida Keys

Was Flug 19 betreffe, so liege nahe, dass sich der Trainer der Staffel bei der Einschätzung der aktuellen Position dramatisch geirrt habe. Aufgrund der defekten Kompasse im Flugzeug des Kapitäns, mangelnder zeitlicher Orientierung, weil er offensichtlich keine Uhr bei sich hatte, und der verheerenden Fehleinschätzung, dass er sich über den Florida Key befände, obwohl er offensichtlich die nördlichen Bahamas sah, habe die gesamte Staffel die Orientierung verloren.

Hinzu kamen Dunkelheit und zunehmend schlechtes Wetter mit stürmischer See und starken Winden. Der Befehl zur gemeinsamen Notwasserung, sobald einem der Piloten der Treibstoff ausgehe, endete wohl schließlich in der Katastrophe.

„Frühere Avenger-Piloten, die wir befragten,“ so McDonell, „waren der Meinung, dass ein solches Flugzeug bei einer Notwasserung in schwerer See sicher den Crash nicht überstehen würde. Und das, so denken wir, war der Fall bei Flug 19, der Patrouille ohne Wiederkehr“.


Stand: 26.06.2009

Columbus’ „unheimliche“ Entdeckungen

Der Mythos Bermuda-Dreieck

Doch nicht nur in der Neuzeit sollen in dieser Region Menschen und Material verschwunden sein: Berlitz und Valentine, die Autoren des Aufsehen erregenden Buches „Das Bermuda-Dreieck“ waren sich sicher, dass sie ein Phänomen aufgedeckt hatten, dass schon seit Jahrhunderten Gesprächsstoff unter Seemännern gewesen war und Generationen von Zuhörern wohlige Schauer über den Rücken gejagt hatte.

Schiff aus Kolumbus Flotte © Library of Congress

Flaute in den Rossbreiten

Schon Christoph Columbus, als er 1492 als Erster überhaupt mit insgesamt drei Schiffen die Sargasso-See durchsegelte, war das Gebiet unheimlich vorgekommen. Meilenweit waren seine Schiffe von Seetang umschlossen gewesen, in einer ausgesprochen windstillen Gegend – den Rossbreiten, wie die Region zwischen dem 25. und 35. Breitengrad später heißen würde. Hier konnte es passieren, dass ein Schiff mehrere Wochen lang bei Flaute liegenblieb.

Umgeben von Seetang, das an den Schiffswänden emporzuwachsen schien, bei tagelanger Windstille, waren die Mannen Columbus schnell mit unheimlichen Erklärungen zur Stelle, die die Region, durch die sie segelten ins schlechteste Licht setzte – und später zu Seemannsgarn weitergesponnen wurde. Doch das Wetter in der Sargasso-See war nicht das einzige, was Columbus beunruhigte.

Verrückter Kompass

Am Abend des 13. September 1492 trug er in sein Logbuch ein, dass sein Kompass nicht länger nach Norden zeigte, sondern stattdessen etwa sechs Grad nach Nordosten. Es war das erste Mal, dass ein solches Phänomen beobachtet wurde und sich Kompasse als unzuverlässig erweisen. Columbus setzte seine Mannschaft über das merkwürdige Verhalten des Kompasses vorerst nicht in Kenntnis, fürchtete er doch, seine vom Aberglauben geprägten Leute unnötig zu beunruhigen.

Und noch ein anderes Ereignis ließ die Fantasie von Columbus’ Männern, weit weg von der Heimat ohne ein sicheres Ziel vor Augen, an Unheimliches glauben.

Ein Licht am Himmel

Am 11. Oktober hielt Columbus selbst nach Land Ausschau. In den letzten Wochen hatte es mehrfach Fehlalarm gegeben, obwohl die Zeichen scheinbar untrüglich auf die nahe Küste hinwiesen – ein Meer von Algen und Tang, durch das sich die Schiffe kämpften, und Schwärme von Seevögeln. Columbus wollte sich selbst ein Bild machen und nicht noch einen Fehlalarm riskieren.

Etwa um zehn Uhr abends hatte er den Eindruck, in weiter Ferne ein Licht zu sehen. Ungläubig und verunsichert – sah auch er schon merkwürdige Dinge? – rief er einen seiner Männer herbei. Der bestätigte das Licht. Ein Dritter jedoch konnte nichts mehr ausmachen. Das Licht war verschwunden.

…. und endlich Land in Sicht!

Um die Mannschaft nicht zu beunruhigen und keine aussichtslosen Hoffnungen zu schüren, entschied Columbus, niemandem sonst von der Erscheinung zu erzählen. Vier Stunden später jedoch gab Rodrigo de Triana von der Pinta endlich die erlösende Meldung „Land in Sicht“. Dieses Mal gab es keinen Zweifel. Die Küste einer der Bahamas-Inseln lag vor ihnen. Am 12. Oktober betraten Columbus und seine Männer erstmals die Neue Welt.

Die Meldungen in Columbus’ Logbuch jedoch verbreiteten sich in den Jahrzehnten und Jahrhunderten nach seiner ersten Entdeckungsreise und gaben immer wieder Anlass zu Spekulationen.


Stand: 26.06.2009

Columbus’ „unheimliche“ Entdeckungen – Die Auflösung

Magneten, Kometen und die ICZ

Heute jedoch sind die „unheimlichen“ Entdeckungen des weltberühmten Seefahrers Christoph Columbus leicht zu erklären.

Das Wetter

Die Rossbreiten zwischen dem 25. und 35. Breitengrad und die ausgeprägte Windstille mit wochenlanger Flaute hatten die Seefahrer stark beunruhigt und ihren Aberglauben angeheizt. Was sie noch nicht wussten: Die Gewässer liegen im Bereich der innertropischen Konvergenzzone (ICZ), eine wenige hundert Kilometer breite Tiefdruckrinne, in der von Norden und Süden wehende Passatwinde aufeinander treffen.

Hier steigt Luft auf, kühlt gleichzeitig ab und verliert Feuchtigkeit, die wiederum zu Niederschlag kondensiert. In etwa 15 Kilometern Höhe über dem Äquator fließt die Luft nach Norden und Süden, um schließlich, in eben jenen windstillen Gewässern der Rossbreiten, wieder abzusinken – sie erwärmt sich und verliert weiter an Luftfeuchtigkeit. Auf diese Weise entsteht ein Hochdruckgebiet, das im Innern extrem windstill ist.

Den Namen bekamen die Rossbreiten, weil sich die von der Flaute ausgebremsten Seefahrer hier oft von mitgeführten Pferden trennen mussten. Die brauchten zu viel Frischwasser und wurden aufgrund des allgemeinen Mangels an Trinkwasser an Bord geschlachtet.

Julenissen © gemeinfrei

Magnetanomalie

Als der Kompass von Columbus verrückt spielte, war der Kommandant der „Santa Maria“ zwar beunruhigt, doch er fand für sich eine Erklärung, die bis heute gültig ist. Die Kompass-Nadel zeigte nicht direkt auf den Nordpol und auch nicht auf den Polarstern, sondern auf den magnetischen Nordpol. Derzeit liegt der in der Nähe der Prince-of-Wales-Insel, auf halbem Wege zwischen der Hudson-Bucht und dem geographischen Nordpol.

Es gibt sehr wenige Orte auf der Erde, an denen ein Kompass wirklich zum geographischen Nordpol zeigt, fast überall gibt es bestimmte Abweichungen – von wenigen Grad bis sogar zu 180 Grad. Diese Abweichungen an bestimmten Orten sind heute in der Regel all denen bekannt, die mit Hilfe des Nordpols navigieren müssen, Piloten, Schiffskapitäne oder Abenteurer aller Art, so dass die Abweichung nur subtrahiert oder addiert werden muss, um den geographischen Nordpol zu errechnen.

Bloß eine Sternschnuppe

Was das Licht betrifft, das Columbus kurz vor Erreichen der Küste sah, so geht man heute davon aus, dass Columbus einen Meteoriten beim Verglühen beobachtet hat – für sich gesehen natürlich ein durchaus spektakuläres Ereignis, doch ganz und gar nicht unheimlich.


Stand: 26.06.2009

Drei Fälle „mysteriösen“ Verschwindens

Atalanta, Raifuku Maru und die Linda

Obwohl sich der mysteriöse Fall von Flug 19 oder auch die Beobachtungen von Columbus erklären lassen, ranken sich zahlreiche weitere Legenden um das Bermuda-Dreieck und die scheinbare Tatsache, dass gerade hier besonders viele Schiffe und Flugzeuge plötzlich, unerklärlich und ohne Spuren zu hinterlassen, verschwinden.

„Atalanta“, 1880

So wie die „Atalanta“, ein britisches Schiff, das im Jahr 1880 mit 290 Matrosen und Offizieren an Bord von den Bermuda-Insel in Richtung Heimat aufbrach – aber niemals in England ankam.

Schiff in Seenot © Klaus Kramer

In der London Times spekulierte man Monate lang über den Grund des Verschwindens – damals jedoch noch bar jeden Verdachts, dass das Bermuda-Dreieck selbst die Ursache sein könnte. Unverständlich blieb es sowohl Journalisten als auch Lesern, dass ein Schiff dieser Größe sich einfach so in Luft auflösen sollte. War es verbrannt, auf den Korallen-Riffen rund um die Bermudas auf Grund gelaufen und gesunken, oder in einen Sturm geraten, mit einem Eisberg zusammen gestoßen?

Eine plausible Erklärung fand man nie. Heute jedoch liegt die Vermutung nahe, dass andere Schiffe sehr wohl Trümmer der „Atalanta“ gesehen, diese nur nicht als Überreste des britischen Seglers erkannt hatten.

Zudem hatte das Schiff von seiner 3.000 Seemeilen langen Reise nur 500 innerhalb des Bermuda-Dreiecks zurückzulegen. Warum sollte es ausgerechnet hier gesunken sein und nicht viel weiter östlich?

„Raifuku Maru“, 1925

„Es ist wie ein Dolch! Kommt schnell. Bitte kommt, wir können nicht mehr fliehen,“ so lautete der panische Funkspruch, den im April 1925 der japanische Frachter „Raifuku Maru“ per Morse-Apparat absetzte. Es war die letzte Meldung der Japaner, die mit einer Ladung Weizen auf dem Weg von Boston nach Hamburg waren.

Aufgefangen wurde der Funkspruch von der „Homeric“, einem Postschiff der britischen White Star Line, wie auch von ein paar weiteren Schiffen, die in der Nähe waren. Die „Homeric“ eilte dem japanischen Frachter zu Hilfe, der in einen Sturm geraten war, die Besatzung konnte nur noch zuschauen, wie das japanische Schiff mit 30 Grad Schräglage in der See versank. „Haben die Raifuku Maru sinken sehen bei 41’43’’ Nördlicher Breite, 61’39 Westlicher Länge. Bedauern, waren nicht in der Lage, Leben zu retten,“ so meldete die „Homeric“ schließlich den Untergang des Unglücksschiffes.

Die „Raifuku Maru“ ging in den Mythos Bermuda-Dreieck aufgrund des merkwürdigen SOS-Rufs ein. Erklärt werden konnte der bis heute nicht. Vielleicht hing es ganz einfach damit zusammen, dass der Funker des Englischen nicht ganz mächtig war. Doch dass keine übernatürlichen Kräfte im Spiele waren, konnten die Leute der „Homeric“ schließlich bezeugen.

„Linda“, 1973

Im Herbst 1973, in dem Jahr als Berlitz’ und Valentines Buch über die unheimlichen Fälle im Bermuda-Dreieck erschienen war, wurde im Radio und in zahlreichen Zeitungen der USA und Kanadas die Meldung verbreitet, die Küstenwache habe die Order herausgegeben, dass jeglicher Verkehr im Bermuda-Dreieck einzustellen sei – aufgrund der Gefahren in diesem Gebiet.

Tatsächlich war die Geschichte jedoch eine ganz andere. Ein paar Wochen zuvor wurden zwei kubanische Fischerboote brennend und ohne Besatzung gefunden. Kurz darauf verschwand ein amerikanischer Fischkutter, die „Linda“ völlig spurlos aus der gleichen Gegend, dem Alten Bahama-Kanal nördlich von Kuba. Daraufhin wurde die Warnung des Küstenschutzes herausgegeben, die Region sei gefährlich und deshalb besser zu meiden.

Kurz nach der Warnung des Küstenschutzes meldete sich eine Gruppe von Exil-Kubanern und gestand die Angriffe auf die beiden kubanischen Fischerboote. Einer der Fischer wurde getötet, die restlichen elf in Rettungsboote gesetzt – und gerettet, wie kurz darauf bekannt wurde. Die Linda und ihre Besatzung sowie ein weiteres US-amerikanisches Schiff dagegen waren in Kuba festgehalten worden und kamen Ende Oktober wieder frei.

Die Warnung der US-Küstenwache wurden am 23. Oktober 1973 wieder aufgehoben.


Stand: 26.06.2009

Gashydrate und Riesenwellen

Erklärbare Gefahren

Mit zunehmend besserem Verständnis der Vorgänge in den Ozeanen haben auch die Erklärungen und damit die Entmystifizierung merkwürdiger Vorfälle zugenommen. Einer dieser erst in jüngster Zeit erforschten Gründe, wie beispielsweise Schiffe auf offener See in große Gefahr geraten und sogar sinken können, sind Gashydrate.

Mischung aus Gas und Wasser

Diese besonderen chemischen Erscheinungsformen bilden sich aus Gas und Wasser, und zwar dort, wo niedrige Temperaturen und großer Druck herrschen. Gas und Wasser werden so zu einem festen, kristallinen Stoff zusammengepresst. Die nötigen Bedingungen, um Gashydrate entstehen zu lassen, kommen beispielsweise in Permafrost-Gebieten vor, etwa 200 bis 1.000 Meter unter der Erdoberfläche, oder aber auch in 500 bis 2.000 Metern Tiefe in den Sedimenten an den Kontinentalhängen der Ozeane – wie in der westlichen Sargasso-See.

Hier ist durch die großen Mengen an Braunalgen auch genug organisches Material vorhanden, das bakteriell oder thermisch zersetzt werden kann. Denn nur so entsteht Methan, das in 90 Prozent aller Gashydrat-Vorkommen weltweit beteiligte Gas.

Wenn sich die Bedingungen in der Lagerstätte des Gashydrats ändern, löst sich die chemische Verbindung des Gashydrats, das bisher wie in einem Käfig von den Hydratmolekülen eingeschlossene Gas entweicht und löst sich im umgebenden Wasser. Ändern sich Druck und Temperatur aber abrupt, wie beispielsweise durch ein Seebeben, einen Vulkanausbruch oder tektonische Verschiebungen, kommt es zu einem so genannten Blowout, einem Gasausbruch.

Brausebläschen vom Meeresgrund

Dann steigen plötzlich Milliarden von Gasbläschen wie in einer Riesen-Brauseflasche vom Meeresboden auf. Die Dichte im aufsteigenden Sprudels ist dabei wesentlich geringer als die des umgebenden Wassers. Bill Dillon, ein Geologe beim Geologischen Dienst der USA, USGS, räumt ein, dass diess auch zum Sinken von Schiffen führen kann. „Absolut,“ so Dillon, „Wenn genug Gas aufsteigt, dass eine Art Schaum entsteht, dann hat der eine so geringe Dichte, dass das Schiff an Auftrieb verliert und nicht mehr schwimmt.“

Gleichzeitig hält der Geologe es jedoch für unwahrscheinlich, dass sich solche Gasausbrüche ausgerechnet in den letzten 550 Jahren, seit dem Beginn der Schifffahrt, im Bermuda-Dreieck ereignet haben sollen. „Der plötzliche Kollaps von Gashydraten ist vermutlich häufig am Ende der Eiszeit aufgetreten, als das Wasser der Ozeane in riesigen Inland-Eisschilden gebunden war und der Meeresspiegel niedriger war als heute. Dadurch nahm der Druck auf die Gashydrate am Meeresboden ab und es kam leichter zu einem Gasausbruch,“ so Dillon. „Das passierte aber so etwa vor 15.000 Jahren, als die Schiffe der höchstentwickelten Menschen noch nicht mehr waren als ausgehöhlte Baumstämme.“

Allergisches Asthma bei Kindern kann eine Folge vorgeburtlicher Belastung mit Phtalaten sein. © Nagy Bagoly /thinkstock

Gesunken innerhalb von Minuten

Ein anderes Phänomen der Meere kann sogar direkt mit einem „Fall“ im Bermuda-Dreieck in Verbindung gebracht werden. Im März 1973 verschwanden spurlos zwei norwegische Frachter, die von Cape Henry an der Ostküste der USA auf dem Weg nach Europa waren. Von der „Norse Variant“ konnte lediglich ein Besatzungsmitglied gerettet werden, die „Anita“ verschwand komplett, ohne auch nur einen Notruf abzusetzen.

Die Norwegische Marine-Akademie in Oslo hat den Fall der beiden Schiffe untersucht und kam zu dem Schluss, dass mit großer Wahrscheinlichkeit zumindest die „Anita“ von einer so genannten Freak Wave, einer Riesenwelle, getroffen worden war und innerhalb von Minuten im Meer versank.

Für Riesenwellen prädestiniert

Diese besonders großen Wellen können bis zu 40 Meter hoch werden und entstehen unter speziellen Bedingungen. Einige Meeresgebiete sind nach Angaben von Wissenschaftlern besonders für das Auftreten von Monsterwellen prädestiniert. Dazu gehört neben dem Golf von Alaska oder dem Gebiet südöstlich von Japan auch die Sargasso-See östlich von Florida – das Bermuda-Dreieck.

Die Ursachen für Freak Waves sind noch nicht ganz geklärt. Sicher scheint aber, dass bestimmte Meeresströmungen gepaart mit Sturmwellen aus entgegengesetzten Richtungen zum allmählichen „Aufschaukeln“ der Riesenwellen beitragen können. Der Golfstrom, der einen Teil des Bermuda-Dreiecks durchfließt, könnte daher auch eine Ursache für die häufigen Schiffsunglücke in dieser Gegend sein.


Stand: 26.06.2009

Sargasso – die Unterwelt des Bermuda-Dreiecks

Die Wüste lebt

Auch wenn manch einer von der Entmystifizierung des Bermuda-Dreiecks enttäuscht sein mag – die Meeresregion im West-Atlantik zwischen der Ostküste der USA und den Bermuda-Inseln birgt auch „echte“ Geheimnisse, die Wissenschaftler erst nach und nach erklären können.

Die großen Meeresströmungen, o.r. die Sargasso-See © NOAA

Einziges Meer ohne Küste

Das Bermuda-Dreieck liegt in einer Region, die für die Weltmeere einmalig ist. Sargasso-See heißt das Gebiet zwischen 40. und 70. Längen- und 25. und 35. Breitengrad, mit einer Fläche von rund 3,5 Millionen Quadratkilometern – fast so groß wie Australien. In bis zu 7.000 Metern Tiefe liegt hier der Ozeanboden. Dieser Meeresabschnitt ist der einzige weltweit, der als eigenständiges Meer bezeichnet wird, aber an keine einzige Küstenregion angrenzt.

Umgeben ist die Sargasso-See von nordatlantischen Meeresströmungen, die das Gebiet abgrenzen und zu besonders ruhigen Gewässern machen – das Auge im Sturm sozusagen. Kanarenstrom, Nordatlantikstrom, Golfstrom und der äquatoriale Nordatlantikstrom kreisen im Uhrzeigersinn um die Sargasso-See und sorgen hier für ganz besondere ozeanische Bedingungen.

Besonders warm, doch nährstoffarm

Das ozeanische Strömungssystem transportiert permanent warmes Wasser in die Sargasso-See, die äquatorialen Winde sorgen zudem stets für warmes, ruhiges Wetter. Die verhältnismäßig hohen Temperaturen an der Wasseroberfläche lassen viel Wasser verdunsten. Und weil es in diesem Gebiet auch kaum Niederschläge gibt und zudem kein Frischwasser aus anderen Teilen des Atlantiks zugeführt wird, ist der Salzgehalt der Sargasso-See sehr hoch, das Meer selbst ausgesprochen nährstoffarm.

Gerade deshalb wachsen hier aber ganze Wälder von Braunalgen der Gattung Sargassum, die in langen „Fladen“ an der Oberfläche schwimmen und deren einzelne Stängel und Triebe bis zu zwei Metern lang werden können. Benannt wurde die Algenart von portugiesischen Seefahrern im Gefolge von Christoph Columbus, die in den blasenartigen Verdickungen der Algen Ähnlichkeiten zu einer Weintraubenart namens „Salgazo“ sahen.

Diese Algenwälder bieten vor allem kleinsten Meeresbewohnern Lebensraum – rund ein Drittel des atlantischen Planktons lebt in der Sargasso-See. Im Rahmen einer weltweiten Bestandsaufnahme der ozeanischen Lebensformen haben Meeresbiologen hier in den letzten Jahren eine erstaunliche Vielfalt an Leben entdeckt.

Sargassum-Seetang an der Küste Floridas © US National Park Service

Zensus für Meeresbewohner

Im Jahr 2000 begann die größte „Volkszählung“ für Lebewesen in den Weltmeeren, der „Census of Marine Life“ (CoML), ein Gemeinschaftsprojekt von über 2.000 Forschern aus 80 Ländern. Zu Beginn des Projekts, so schätzt man, waren rund 230.000 Arten von Meeresbewohnern bekannt. Etwa 5.600 neue Spezies sind seitdem hinzugekommen. Die tatsächliche Anzahl aller Arten könnte noch viel höher liegen, schätzen die Forscher.

Denn der größte Teil der Weltmeere, die Tiefsee, bei einer Wassertiefe von unter 1.000 Metern, ist noch völlig unbekannt. Mehr als eine Million Arten könnten die ozeanischen Ökosysteme enthalten, vier mal so viel wie bisher bekannt, wenn man alle Tiere und Einzeller hinzurechnet. Zum Vergleich: In den terrestrischen Gebieten der Erde haben Biologen bisher 1,5 Millionen Arten beschrieben – an Pflanzen und Tieren.

Auf Artenfang in der Sargasso-See

Ein Teilprojekt der ozeanischen „Volkszählung“ wendet sich insbesondere dem Leben in der Sargasso-See zu, der „Census of Marine Zooplankton“ (CMarZ). Dabei soll untersucht werden, welche Arten das hier zahlreich vorhandene Plankton bilden, das aus frei im Meer herum schwimmenden Organismen besteht. Insgesamt sind derzeit rund 6.800 verschiedene

Arten von Plankton-Organismen bekannt.

Zooplankton Valdiviella insignis © NOAA

Eine Expedition mit dem Forschungsschiff „Ronald H. Brown“ hat sich vor drei Jahren der unbekannten Tiefen in der Sargasso-See angenommen, weil man hier besonders viele unbekannte Arten vermutet. Mit Schleppnetzen und Tauchern haben die Forscher mehrere tausend Proben gesammelt, um die Arten des Sargasso-Planktons genauer unter die Lupe zu nehmen. Über 500 Arten wurden dabei katalogisiert, von 220 das Erbgut analysiert. Zehn bis 20 Arten zuvor nie beschriebene Arten haben die Forscher dabei entdeckt – für eine 20-tägige Forschungsreise wie diese eine enorme Auslese.

Bis heute laufen beim Zooplankton-Projekt der ozeanischen „Volkszählung“ aus allen Gegenden der Welt Meldungen über neue Arten auf und werden akribisch sortiert und katalogisiert. Bis zum Jahr 2010, wenn der gesamte Zensus vorerst abgeschlossen wird, wollen die Plankton-Experten bis zu 1.600 neue Arten winziger Krebse, Mantel- oder Rädertierchen, Würmer und Schwimmschnecken entdeckt haben.


Stand: 26.06.2009

Die lange Reise der Aale

Flitterwochen in der Sargasso-See

„Aale sind Zwitter, haben weder Spermien noch Eierstöcke und entstehen im fauligen Erdschlamm.“ Diese Meinung vertrat der griechische Philosoph und Wissenschaftler Aristoteles, wenn es um die Fortpflanzung der Aale ging. Lebendige Brut, die manch einer seiner Kollegen bei Aalen gefunden haben wollte, hielt Aristoteles für „Eingeweidewürmer“.

Amerikanischer Aal © NOAA

Geheimnisvolles Liebesleben

Diese Fortpflanzungstheorie der Aale, die heute ausgesprochen merkwürdig anmutet – Aale sind wie andere Fische auch zweigeschlechtlich und laichen – war dennoch bis weit ins 19. Jahrhundert umstritten. Erst 1922 kam der dänische Zoologe Johannes Schmidt dem Liebesleben der Aale endgültig auf die Spur und entdeckte, dass ihre Fortpflanzung zu den ungewöhnlichsten überhaupt gehört. Weitab von den Flüssen des europäischen Binnenlandes, in der Sargasso-See nördlich der Bermuda-Inseln fand er winzige Aal-Larven.

Bis dahin hatte man die jungen Aale, die die Form von Weidenblättern haben, für eine eigene Spezies gehalten. Doch Schmidt deckte auf, dass jeder Aal in seinem bis zu 20-jährigen Leben zwei große Reisen auf sich nimmt, um sich lediglich ein einziges Mal fortzupflanzen.

Erwachsene Aale, die in Europa lange Zeit für Schlangen gehalten wurden, weil sie sich schlängelnd auch über feuchte Wiesen oder Schotter zwischen Bachläufen bewegen können, leben in Süßwasser. Sobald sie geschlechtsreif sind, begeben sich die Aale flussabwärts auf Wanderschaft, durchqueren Europa bis zu den Flussmündungen, schwimmen hinaus in den Atlantik, um anderthalb bis zwei Jahre später in der Sargasso-See anzukommen.

Kinderstube südlich der Bermudas

Hier legen die Aale ihre Eier ab – und sterben. Aus den Eiern schlüpfen wenig später die von Johannes Schmidt entdeckten Weidenblattlarven und lassen sich vom Golfstrom bis vor die atlantischen Küstenregionen Europas treiben. Etwa drei Jahre dauert diese Reise. In Europa angekommen und mittlerweile rund sieben Zentimeter lang, beginnen sie nun den Aufstieg durch die Flüsse ins Landesinnere. Hier wachsen die Aale bis zu 1,50 Metern Länge heran, bis sie die Rückreise antreten, zurück in die heimatliche Sargasso-See.

Auch der amerikanische Aal, der in den See und Flüssen Nordamerikas zuhause ist, hat seine Kinderstube in der Sargasso-See. Warum die Aale, die europäischen wie die amerikanischen, ausgerechnet hierher kommen, ist bis heute ungeklärt.

Die Jahr Millionen lange Geschichte der Aale, die es, wie Wissenschaftler der US-amerikanischen Meeresforschungsbehörde, bereits seit 125 Millionen Jahre gibt, könnte allerdings ein unrühmliches Ende nehmen.

Rückgang der Bestände

Bereits seit Jahren gehen die Bestände der Aale in Nordamerika und in Europa gleichermaßen zurück. Seit den 1970er Jahren, so die Behörde, sei die Anzahl der europäischen Aale um 90 Prozent zurückgegangen.

Ein Grund für die rapide Abnahme ist zum einen die Tatsache, dass die als beliebte Speisefische geltenden Aale in nahezu allen Lebenszyklen gefangen werden. Insbesondere die jungen, noch wenig Fett enthaltenden Glasaale, die aus dem Meer kommend die Flüssen hinaufschwimmen, gelten als Delikatesse. Auch Aale sind somit ein Opfer der weltweiten Überfischung der Meere.

Doch jetzt haben die Wissenschaftler von NOAA herausgefunden, dass auch veränderte Umweltbedingungen in der Sargasso-See für den rapiden Rückgang verantwortlich sein könnten.

Sinkende Geburtenraten durch Klimawandel

In einer Studie haben Wissenschaftler vom NOAA Daten über den Aalfang und Klimadaten aus der Sargasso-See seit dem Jahr 1938 miteinander verglichen. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass die nordatlantische Oszillation – die Schwankung des Luftdrucks zwischen nordatlantischen Hoch- und Tiefdruckgebieten – einen Einfluss hat auf Wassertemperatur, Windrichtungen und die Art und Weise, wie sich obere und tiefer gelegene Wasserschichten in der Sargasso-See miteinander vermischen. Dies wiederum beeinflusse die Reproduktions-Aktivität der Aale, so der NOAA-Biologe Kevin Friedland. „Unsere Erkenntnisse beweisen, dass es einen Zusammenhang zwischen abnehmenden Fortpflanzungsraten und speziellen Umweltveränderungen während der Laichzeit und dem frühen Entwicklungsstadium der Aal-Larven gibt.“

In den letzten Jahren hat die nordatlantische Oszillation zu einer Erwärmung des Golfstroms und einer Abkühlung der äquatorialen Meeresströmungen im Atlantik geführt. Dies jedoch könne zu erheblichen Veränderungen in der Sargasso-See führen, so die NOAA-Wissenschaftler, und dies wiederum wirke sich auf die Aale aus, „die bisher ganz speziell an die nährstoffarmen Gewässer der Sargasso-See südlich der Bermuda-Inseln angepasst sind.“


Stand: 26.06.2009

Spezialisten der Sargasso-See

Exotisches Domizil für Meeresbewohner

Auch andere Meeresbewohner haben sich speziell auf die Sargasso-See und die hier herrschenden Bedingungen eingestellt. Trotz der enormen Menge an Braunalgen – pro Hektar wachsen bis zu hundert Tonnen Tang – dienen die Algen aber kaum einem der dort lebenden Organismen als Nahrungsquelle. Nur etwa zehn Prozent des Tangs werden gefressen. Vor allem als Versteck nutzen ihn die Bewohner, und manchmal als eine Art „Wasserbett“.

Sargasso-Fisch © Mary Jane Adams

Perfekte Tarnung

Der Sargassofisch aus der Familie der Anglerfische beispielsweise ist ein Meister der Tarnung und sieht, über und über mit braunen Warzen und Auswüchsen bedeckt, den Sargasso-Algen zum Verwechseln ähnlich. Er hält sich ausschließlich in den Sargasso-Wäldern der Region auf und wird dadurch manchmal tausende von Kilometern aus seinem eigentlichen Verbreitungsgebiet abgetrieben. Wenn sich Sargassofische bedroht fühlen, springen sie aus dem Wasser und – retten sich auf den Teppich aus Tang, um hier eine Weile abzuwarten, dass die potenziellen Feinde verschwinden.

Ein weiterer ungewöhnlicher Bewohner der Sargasso-See ist die amerikanische Unechte Karettschildkröte, obwohl sie in der Region eigentlich auch nur auf der Durchreise ist. Die jungen Schildkröten schlüpfen an der Südostküste der USA, vor allem an den Stränden Floridas – hier gibt es die größten Bestände dieser Art weltweit.

Schildkröten im Strömungsstrudel

Kaum geschlüpft streben die jungen Schildkröten dem Ozean zu und überlassen sich die nächsten drei bis fünf Jahre den die Sargasso-See umgebenden Meeresströmungen. Auch die Schildkröten verstecken sich gerne in den ausgedehnten Tangwäldern, in denen sie sich auch, an der Wasseroberfläche schwimmend, paaren. An Madeira und den Kanarischen Inseln vorbei schwimmen sie mit der Strömung, bis es sie zurück an die heimatlichen Küsten treibt, um erneut Eier abzulegen. Normalerweise. Doch hin und wieder verirren sich die Schildkröten und landen versehentlich an der irischen oder britischen Küste, in den letzten Jahren sogar immer häufiger.

Peter Richardson von der britischen Marine Conservation Society sammelt solche Fälle. Damit will er den Navigationsfähigkeiten der Schildkröten-Art auf die Spur kommen. Ganz geklärt sind diese noch nicht. „Für die großräumige Navigation haben sie offensichtlich ein magnetisches Gespür,“ so Richardson. „Um den Heimweg zu finden, nutzen sie aber auch chemische Wegweiser bestimmter Inseln oder Staub, der mit Winden transportiert wird.“

Abgelenkte Gourmets

Richardson geht davon aus, dass die Karettschildkröten sich aber möglicherweise manchmal von einem allzu guten Nahrungsangebot ablenken lassen. „Junge Karettschildkröten passen sich schnell an günstige Bedingungen an. Es könnte sein, dass sie einem Überangebot von Quallen nachschwimmmen und dann von Wetter und Strömungen abgetrieben werden.“

Vielleicht, so Richardson, sei ein Grund für die in letzter Zeit häufiger gefundenen abgetriebenen Karettschildkröten aus der Sargasso-See, auch einfach der, dass sich die Population aufgrund erfolgreicher Schutzmaßnahmen in Florida seit den 1970er erholt habe und es wieder mehr Tiere gebe. „Je mehr junge Schildkröten schlüpfen und im Meer herumschwimmen, desto mehr können sich auch verirren und bei uns landen.“


Stand: 26.06.2009

Sargasso-See als Zuflucht für Riesenhaie

Geheimnisvolle Plankton-Fresser

Auch für größere Meeresbewohner dient die Sargasso-See offensichtlich als Unterschlupf, wie zum Beispiel für die bis zu zehn Meter langen Riesenhaie, die nach den noch größeren Walhaien die zweitgrößten Fische der Erde sind. Riesenhaie sind für Menschen völlig ungefährlich, denn sie ernähren sich hauptsächlich von Plankton.

Riesenhai © sharkinfo.ch

Bisher gaben die friedlichen Krillfresser Meersbiologen ein Rätsel auf, denn etwa die Hälfte des Jahres verschwanden die Haie plötzlich. Ursprünglich in gemäßigt warmen bis kalten Gewässern des Atlantik und Pazifik zuhause, konnte man bisher nicht feststellen, wohin sie in den Wintermonaten verschwinden.

Winterurlaub im Bermuda-Dreieck

Ein Forscherteam der Fischereibehörde aus Oak Bluffs in Massachusetts hat im vergangenen Winter jedoch 25 Riesenhaie mit Satellitensendern ausgestattet und sie während des diskreten Verschwindens im Auge behalten. Überraschend das Ergebnis, denn offensichtlich taucht im Bermuda-Dreieck auch manchmal etwas auf, was als verschollen galt. Denn neben Funksignalen aus der Karibischen See oder den Breiten vor Brasilien empfingen die Wissenschaftler auch Signale von Riesenhaien aus der Sargasso-See.

Bis zu 6.500 Kilometern hatten einige der Riesenhaie zurückgelegt und damit bewiesen, dass sie sich gern auch in wärmeren Gewässern aufhalten. Die Tiere wanderten in 200 bis 1.000 Metern Tiefe und verbrachten dort Wochen und Monate. Da die Riesenhaie hier niemand vermutet habe, so die Wissenschaftler aus Massachusetts, hätten sie sich so offensichtlich Jahrhunderte lang den Winter über der Beobachtung entzogen.


Stand: 26.06.2009