Neue Methode betäubt Zähne und Zahnfleisch ohne Nadel Zahnarzt: Strom statt Spritze? - scinexx | Das Wissensmagazin
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Neue Methode betäubt Zähne und Zahnfleisch ohne Nadel

Zahnarzt: Strom statt Spritze?

Vor der Betäubungsspritze beim Zahnarzt haben viele Angst. © Ocskaymark/ thinkstock

Betäubt ohne Spritze: Künftig könnte die Behandlung beim Zahnarzt deutlich angenehmer werden. Denn brasilianische Forscher haben eine Methode entwickelt, mit der die Betäubung von Zähnen und Zahnfleisch durch sanften Strom statt durch eine pieksende Spritze erfolgt. Der nur leicht kribbelnde Strom bringt das Lokalanästhetikum unter die Haut und sorgt so für eine ausreichende Schmerzblockade.

Für viele ist der Gang zum Zahnarzt ein echter Horror: Sie haben Angst vor den Schmerzen, Angst vor dem Bohren und Angst vor den Spritzen, die die ganze Prozedur einleiten und für Betäubung sorgen sollen. Schon das schmerzhafte Pieksen am sensiblen Zahnfleisch schreckt einige Menschen so sehr ab, dass sie den Zahnarzt lieber ganz meiden.

Doch es gibt jetzt vielleicht Abhilfe: Camila Cubayachi von der Universität Sao Paulo und ihre Kollegen haben eine Methode entwickelt, die Zähne und Zahnfleisch ganz ohne Spritze betäuben kann. Ausgangspunkt ihrer Entwicklung war die örtliche Betäubung, die viele Zahnärzte gegen den Pieks der Spritze auf das Zahnfleisch auftragen. Meist ist dies ein Gel, das Lokalanästhetika wie Lidocain oder Prilocain enthält.

Per Strom durch die Haut

Normalerweise beschränkt sich die Wirkung dieser Betäubungsgele nur auf die Oberfläche des Zahnfleisches. Doch die Forscher testeten, ob eine nichtinvasive Technik das Mittel durch die Membran und in die Schleimhäute bringen kann: Strom. In Versuchen mit Schweinekiefern stellten sie fest, dass diese sogenannte Iontophorese die Membranbarriere durchlässig macht und das oberflächlich aufgetragene Mittel tief ins Innere des Zahnfleisches bringt.

Obwohl der leichte Strom nur leicht kribbelt, reicht er aus, um das Betäubungsmittel damit genauso effektiv zu verabreichen wie eine herkömmliche Spritze, so die Forscher. „Die Iontophorese verstärkte das Eindringen einer Mischung von Lidocain Hydrochlorid und Prilocain Hydrochlorid um das Zwölffache“, berichten Cubayachi und ihre Kollegen. Das Prilocain reicherte sich sogar mit der 86-fachen Konzentration im Zahnfleisch an.

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Weniger Risiko, weniger Kosten

Nach Ansicht der Forscher könnte diese neue Methode Millionen von Zahnarzt-Patienten die Spritze ersparen. Und nicht nur das: „Eine spritzenfreie Verabreichung der Betäubung spart Kosten, erleichtert die Anwendung und verbessert die Mitarbeit des Patienten“, sagt Renata Lopez von der Universität von Sao Paulo. Zudem senkt es das Risiko für Infektionen. Als nächstes wollen die Forscher weitere Tests durchführen, bevor dann die ersten klinischen Studien mit menschlichen Patienten folgen können.

Wie sie berichten, könnte die Iontophorese aber bei mehr als nur der Zahnbehandlung eingesetzt werden. Auch bei Augen- und Hauterkrankungen könnte künftig mit dem leichten Strom Wirkstoffe durch die äußeren Barrieren gebracht werden. (Colloids and Surfaces B: Biointerfaces, 2016; doi: 10.1016/j.colsurfb.2015.11.005)

(Elsevier, 19.01.2016 – NPO)

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