KI identifiziert Autoren wegweisender Evolutionstexte aus Darwins Studienzeit War er Darwins Ideengeber? - scinexx | Das Wissensmagazin
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KI identifiziert Autoren wegweisender Evolutionstexte aus Darwins Studienzeit

War er Darwins Ideengeber?

Der Geologe Robert Jameson war Darwins Professor - und er verfasste damals bereits Texte zur Evolutionstheorie. © historisch

Von seinem Lehrer inspiriert? Charles Darwin könnte entscheidende Ideen zu seiner Evolutionstheorie schon während seines Studiums in Edinburgh aufgeschnappt haben. Denn wie sich jetzt herausstellt, hat sein damaliger Geologieprofessor schon im Jahr 1826 einen Schlüsseltext zur Evolutionstheorie veröffentlicht – anonym. Erst jetzt hat eine Analyse mittels künstlicher Intelligenz den wahren Autor dieses wegweisenden Artikels identifiziert.

Der britische Naturforscher Charles Darwin gilt heute als der Vater der Evolutionstheorie. Sein Werk „The Origin of Species“ – zu deutsch „Die Entstehung der Arten“ – legte den Grundstein für so fundamentale biologische Prinzipien wie den Artbegriff, die Selektion und die Entstehung und Weiterentwicklung von Spezies.

Blüte früher Evolutionsideen

Doch Darwin war nicht der erste oder einzige, der damals auf die Idee einer natürlichen Evolution kam. Schon während seiner Studienzeit im schottischen Edinburgh gab es dort Vordenker dieser Theorie. In der Zeit von 1825 bis 1827 erschienen dort sogar gleich mehrere Artikel zu diesem Thema. Historiker gehen deshalb davon aus, dass Darwin bereits in jungen Jahren erste Bekanntschaft mit Überlegungen und Thesen einer evolutionären Entwicklung machte.

„Darwins Denken war fast mit Sicherheit stärker von dieser ersten Welle der britischen Evolutionstheorien beeinflusst, als er später zugab oder erinnerte“, sagt Koen Tanghe von der Universität Gent. Zwei entscheidende Veröffentlichungen zur Evolution wurden 1826 und 1827 veröffentlicht – leider jedoch anonym. „Deswegen wissen wir nicht mit Sicherheit, wer die Autoren einiger der Schlüsselmanifeste dieser Denkrichtung waren“, so Tanghe und sein Kollege Mike Kestemont von der Universität Antwerpen.

Frühe Skizze eines Stammbaums, von Darwin im Jahr 1837 notiert. © historisch

Algorithmus auf Autorenfahndung

Um das Rätsel um Darwins Vordenker und Inspirationsquellen zu lösen, haben Tanghe und Kestemont nun künstliche Intelligenz zu Hilfe geholt. Sie nutzten einen lernfähigen Algorithmus, der auf die stilistische Analyse von Texten spezialisiert ist – die sogenannte Stilometrie. Dabei analysiert das Programm mithilfe von statistischen Modellen verschiedene Sprachmerkmale wie die Häufigkeit bestimmter Wörter und Wortlängen oder die Verwendung spezieller Formulierungen.

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Das Programm vergleicht dann diese Ergebnisse mit denen von Texten mit bekannter Autorenschaft. Stimmen sie überein, kann dies ein Indiz dafür sein, dass auch der anonyme Text aus der Feder dieses Schreibers stammt. Im Falle der Evolutionstexte nutzten die Forscher als Vergleich Schriften verschiedener damals in Edinburgh tätiger Wissenschaftler. Unter ihnen war auch Robert Jameson, der damalige Geologieprofessor von Charles Darwin.

Schlüsseltext stammt von Darwins Professor

Und tatsächlich: Die künstliche Intelligenz schaffte es, die beiden anonymen Evolutionstexte zuzuordnen. Ihrem Ergebnis nach war der Geologe Robert Jameson der Autor des 1826 erschienenen Evolutionsartikels. In diesem vertritt Jameson bereits die Vorstellung einer Weiterentwicklung von Arten durch Anpassung an ihre Umwelt. Die Veröffentlichung von 1827 stammt höchstwahrscheinlich von Jamesons Schüler und Freund, dem österreichischen Geologen Ami Boué, wie die Forscher berichten.

„Dies bestätigt, dass Darwins Geologie-Professor eine entscheidende Rolle für die frühen britischen Evolutions-Ideen spielte“, konstatiert Tanghe. „Wir wissen zwar nicht, in welchem Maße der berühmteste Student Edinburghs, Charles Darwin, von dieser frühen Blüte des evolutionären Denkens geprägt wurde. Es ist aber gut möglich, dass ihm dies eine Inspiration für seine paläontologische Forschung während der Reise mit der HMS Beagle gab.“ (BioScience, 2018; doi: 10.1093/biosci/biy049)

(Ghent University, 28.06.2018 – NPO)

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