Extrem elliptische Bahn und rätselhafter Ursprung Ungewöhnlicher Kleinplanet im Sonnensystem entdeckt - scinexx | Das Wissensmagazin
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Extrem elliptische Bahn und rätselhafter Ursprung

Ungewöhnlicher Kleinplanet im Sonnensystem entdeckt

Himmelsobjekt 2006 SQ372: Orbit (blau) im Vergleich zu Neptun, Pluto oder Sedna (weiß, grün, rot). Die Position der Sonne ist durch einen gelben Punkt in der Mitte markiert. © N. Kaib

Ein ungewöhnliches Objekt haben Astronomen in unserem Sonnensystem entdeckt. Der bisher unbekannte Kleinplanet 2006 SQ372 befindet sich zurzeit knapp innerhalb der Neptunbahn, besitzt aber einen extrem elliptischen Orbit, der ihn bis auf die 1.600fache Entfernung Erde-Sonne hinauskatapultiert. Sein Ursprung ist bisher rätselhaft.

Zufallsfund bei Supernovasuche

Die Entdeckung des neuen Kleinplaneten geschah eher zufällig im Rahmen des Sloan Digital Sky Survey (SDSS-II). Diese Himmelsdurchmusterung gehört zu den ehrgeizigsten astronomischen Projekten, die bisher jemals durchgeführt wurden: Mehr als 300 Astronomen von 25 Institutionen weltweit nutzen Daten des 2,5 Meter-Teleskops in Apache Point in New Mexico, um nicht nur eine genaue Himmelskartierung durchzuführen, sondern auch, um durch wiederholte Durchmusterung des Himmels mit zeitlichem Abstand beispielsweise weit entfernte Supernovaexplosionen zu finden. Diese geben Aufschluss über die Entwicklung und Ausdehnung des Universums.

Auf das Himmelsobjekt 2006 SQ372 stießen die Forscher, als sie einen neuen, für das Auffinden von Supernovas entwickelten Computeralgorithmus testeten. Er wertete die Daten der SDSS-II Supernovakartierung aus, bei der das Teleskop den gleichen Himmelsabschnitt in drei aufeinanderfolgenden Jahren (2005-2007) in jeder klaren Herbstnacht scannte.

„Wenn man Objekte finden kann, die explodieren, kann man auch Dinge entdeckten, die sich bewegen“, erklärt Teammitglied Lynne Jones von der Universität von Washington den Zufallsfund. Allerdings sind solche Positionsveränderungen bei dieser Art der Auswertung nur für Objekte innerhalb unseres Sonnensystems sichtbar. Ihre Bewegungen im „Vordergrund“ der Aufnahmen sind groß genug um detektiert zu werden, für den geringen Versatz weiter entfernter Himmelskörper ist der Algorithmus nicht ausgelegt.

Komet ohne Schweif

Die Entdeckung von SQ372 im Rahmen des Sloan Digital Sky Survey (SDSS-II) in einer Animation. © SDSS

Die Umlaufbahnen der normalen Planeten in unserem Sonnensystem sind nahezu kreisförmig. Der Orbit des neu entdeckten Kleinplaneten 2006 SQ372 jedoch ist eine Ellipse, die viermal länger als breit ist. Das einzige bekannte Objekt mit einer vergleichbaren Bahn ist Sedna – ein weit entfernter, Pluto-ähnlicher Zwergplanet, der 2003 entdeckt worden war. Das neue Objekt ist allerdings sehr viel kleiner als Sedna, misst wahrscheinlich nur 50 bis 100 Kilometer im Durchmesser anstatt 1.600. Zudem führt ihn seine Umlaufbahn mehr als zweieinhalb Mal so weit von der Sonne weg und er braucht dafür doppelt so lange wie Sedna.

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„Es ist prinzipiell ein Komet, aber es gelangt nie nahe genug an die Sonne um einen langen, hellen Schweif aus verdampfendem Gas und Staub zu entwickeln“, erklärt Andrew Becker, Astronom an der Washington Universität und Leiter des Wissenschaftlerteams.

Woher stammt 2006 SQ372?

Sein Kollege Nathan Kaib führte Computersimulationen durch, um herauszufinden, wie 2006 SQ372 zu seiner ungewöhnlichen Umlaufbahn gekommen sein könnte. „Er könnte sich, wie Pluto, in dem Gürtel eisigen Gerölls jenseits des Neptun gebildet haben und dann durch Schwerkrafteinwirkungen von Neptun oder Uranus in die weite Ellipsenbahn geschleudert worden sein“, so Kaib. „Wir denken aber, dass es wahrscheinlicher ist, dass SQ372 aus dem inneren Rand der Oortschen Wolke stammt.”

Diese das Sonnensystem wie eine Schale in 3.000 bis 100.000 Astronomischen Einheiten (AU) umgebende „Wolke“ gilt als Reservoir eisiger Himmelskörper, aus denen die meisten langperiodischen Kometen stammen. Während die Existenz des äußeren Teils dieser Wolke durch indirekte Nachweise als gesichert gilt, ist eine innere Oortsche Wolke bisher nur eine Hypothese.

Himmelsdurchmusterung im Rahmen des Sloan Digital Sky Survey (SDSS-II). © SDSS

Beleg für Existenz einer „Inneren“ Oortschen Wolke?

Da jedoch 2006 SQ372 selbst an seinem entferntesten Punkt noch immer zehnmal näher an der Sonne ist als der Hauptteil der Oortschen Wolke, schließen die Wissenschaftler einen Ursprung im rätselhaften inneren Teil nicht aus. „Die Existenz einer inneren Oortschen Wolke wird seit vielen Jahren theoretisch vorhergesagt“, erklärt Kaib. „Aber SQ372 und vielleicht Sedna sind die ersten bekannte Objekte, die von dort zu stammen scheinen. Es ist sehr aufregend, dass wir damit beginnen, die Hypothesen zu verifizieren.“

(SDSS, 20.08.2008 – NPO)

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