Forscher belegen Toxizität der Chemikalie Dibutylzinn Umweltgift macht Immunsystem schlapp - scinexx | Das Wissensmagazin
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Forscher belegen Toxizität der Chemikalie Dibutylzinn

Umweltgift macht Immunsystem schlapp

Schiff auf hoher See © IMSI MasterClips

Ein internationales Forscherteam hat in einer neuen Studie die Toxizität der Chemikalie Dibutylzinn auf unser Immunsystem belegt. Das Umweltgift stört die Regulation von Genen des Immunsystems, indem es die Aktivierung eines für den Entzündungsprozess wichtigen Rezeptors hemmt. Dibutylzinn gelangt durch Trinkwasser von PVC-Leitungen und durch den Verzehr von Fischen und Meeresfrüchten in den menschlichen Körper.

Dibutylzinn (DBT) ist eine weitverbreitete, hochtoxische Chemikalie, die zum Beispiel in der Fischerei, im Segel- und Motorbootsport und in der Schifffahrtindustrie als Antifaulmittel in den Anstrichfarben für den Außenschutz der Boote verwendet wird. Man nutzt sie auch in der Produktion von Polyvinylchlorid (PVC) und sie kommt in Kunststoffröhren und Flaschen vor.

DBT ist mit der Chemikalie Tributylzinn (TBT) verwandt, einer anderen bekannten Umweltchemikalie, die kürzlich von der International Maritime Organisation der Vereinigten Nationen wegen schwerwiegenden toxischen Wirkungen verboten wurde. Für Dibutylzinn, das ebenfalls sehr toxisch ist, besteht bisher kein Verbot.

DBT ist toxischer als TBT

Wie die Wissenschaftler um Professor Alex Odermatt von der Universität Basel und Professor Michael Baker von der Universität von Kalifornien in der Fachzeitschrift „PLoS ONE“ berichten, wird TBT im Körper zu DBT umgewandelt. Der Mensch nimmt TBT und DBT durch Trinkwasser von PVC-Leitungen und durch den Verzehr von Fischen und Meeresfrüchten zu sich.

Da DBT langsam abgebaut wird, bleibt es lange in der Umwelt aktiv. Es scheint, dass seine toxischen Wirkungen schneller und ausgeprägter sind als diejenigen von TBT, so die Forscher.

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DBT schwächt das Immunsystem

Die Symptome einer Organozinnbelastung sind Reizungen der Haut, Schwindelgefühle und grippeähnliche Symptome. Obwohl Langzeiteffekte beim Menschen ungewiss sind, konnten die Wissenschaftler zeigen, dass hohe Dosen von Organozinnverbindungen zu Schädigungen des Gehirns, der Leber sowie des Immunsystems führen.

Durch eine Kombination von Zellversuchen und computerbasierten Analysen deckte das Forscherteam zudem die molekulare Wechselwirkung zwischen DBT und wichtigen körpereigenen Hormonen, den Glucocorticoiden, auf. Dabei konnten sie belegen, dass DBT den Glucocorticoidrezeptor blockiert und die Regulation von Genen des Immunsystems stört.

Die Wissenschaftler schließen aus der Studie, dass DBT durch die Blockierung des Glucocorticoidrezeptors die Immunantwort bei Entzündungsprozessen und Infektionen stört, was einen Teil der Toxizität von Organozinnverbindungen erklären kann.

(idw – Universität Basel, 10.11.2008 – DLO)

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