Tipp-Tempo hängt nicht von der Zahl der eingesetzten Finger ab Schnell tippen geht auch ohne Zehnfinger-System - scinexx | Das Wissensmagazin
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Tipp-Tempo hängt nicht von der Zahl der eingesetzten Finger ab

Schnell tippen geht auch ohne Zehnfinger-System

Was ist schneller: Das gelernte Zehnfinger-System oder die individuell angeeignete Methode? © Zizzy0104/ freeimages

Wie schnell oder langsam jemand tippt, hängt nicht von „korrekter“ Tipptechnik ab. Denn ob jemand das Zehnfinger-System nutzt oder sich selbst eine Zweifinger-Technik beigebracht hat, ist für das Tipp-Tempo nicht entscheidend, wie ein Experiment belegt. Stattdessen spielen die Bewegung der Hände und die Zuständigkeiten der Finger die entscheidende Rolle, wie die Forscher mittels Motion-Capture herausfanden.

Im Zeitalter des Computers gehört Tippen zu unserem Alltag. Dabei allerdings nutzen nur wenige die früher in Schreibmaschinenkursen gelehrte Zehnfinger-Technik. Bei dieser ist jeder Finger der beiden Hände für feste „Spalten“ von Buchstaben auf der Tastatur zuständig. Stattdessen haben sich viele das Tippen selbst beigebracht. Aber wie genau tippen wir? Und wie schnell sind die verschiedenen Systeme?

Motion-Capture auf der Tastatur

„Wenn man Menschen fragt, welche Finger sie zum Tippen nutzen, können sie das meist gar nicht sagen“, erklärt Daryl Weir von der Aalto Universität in Helsinki. Denn im Alltag achten wir meist nicht darauf, wie wir unsere Hände und Finger auf der Tastatur bewegen. Um mehr Klarheit zu schaffen, nutzen Weir und seine Kollegen die Motion-Capture-Technik: Sie klebten ihren 30 Probanden reflektierende Marker auf die Finger und filmten sie mit zwölf Hochgeschwindigkeits-Infrarot-Kameras, während sie tippten.

„Zum ersten Mal konnten wir dadurch genau sehen, welcher Finger welche Taste drückt“, so Weir. Wie sich zeigte, reichte die Bandbreite der Tipp-Strategien vom Einsatz nur eines oder zwei Fingern jeder Hand bis zu einem nur leicht modifizierten Zehnfinger-System. Insgesamt fanden die Forscher vier verschiedene Techniken für die linke und sechs für die rechte Hand.

Forscher haben untersucht, wie Menschen tippen – udn wer dabei am schnellsten ist.© Aalto University

Bewegung ist entscheidender als Fingerzahl

Interessant dabei: ob jemand schnell oder langsam tippt, scheint dabei nicht von der Fingerzahl abzuhängen. „Wir waren überrascht zu sehen, dass Menschen, die das Zehnfinger-System gelernt hatten, im Schnitt genauso schnell tippen konnten wie diejenigen, die nie einen Kurs belegt hatten und nur ungefähr sechs Finger benutzten“, berichtet die Doktorandin Anna Feit.

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Die Kamera-Aufnahmen enthüllten, dass andere Faktoren für das Tipp-Tempo offenbar ausschlaggebender sind. So haben schnelle Tipper gelernt, ihre Hände die ganze Zeit über an einer Position zu lassen und nur die Finger über der Tastatur zu bewegen, statt die ganze Hand. Zudem nutzen sie für bestimmte Buchstaben immer die gleichen Finger.

Vergleich von Zehnfinger-System und individuellem Tipp-Stil. © Aalto Universität

Die rechte Hand ist mobiler

Auffallend auch: Es gibt Unterschiede im Einsatz der beiden Hände: Die linke Hand meist stationärer, ihre Finger sind für weniger Buchstaben zuständig als die der mobileren rechten Hand, wie die Forscher berichten. Bei Rechtshändern könnte dies daran liegen, dass die Rechte geübter und geschickter ist.

Die Wissenschaftler vermuten jedoch, dass dieses Ungleichgewicht auch durch den typischen Umgang mit dem Computer beeinflusst wird: „Das Zehnfinger-System wurde für das Tippen von einfachen Sätzen auf der Schreibmaschine entwickelt“, so Feit. „Aber wenn man Photoshop-Tastenkürzel verwendet oder Computerspiele spielt, hat man oft eine Hand auf der Maus und dann ist dieses System nicht mehr vorteilhaft.“

Die Forscher betonen jedoch, dass auch das Zehnfinger-System durchaus Vorteile haben kann. Denn wie sie feststellten, schauten Do-it-yourself-Tipper beim Schreiben doppelt so oft auf ihre Finger statt auf den Bildschirm. Bei komplexeren Tipp-Aufgaben kann dies daher durchaus das Tempo drosseln, so Weir und seine Kollegen.

(Aalto Universität, 15.02.2016 – NPO)

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