Gut 90 Prozent der Patenanmeldungen kommen aus den alten Bundesländern Patente: West-Ostgefälle bei Erfindungen - scinexx | Das Wissensmagazin
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Gut 90 Prozent der Patenanmeldungen kommen aus den alten Bundesländern

Patente: West-Ostgefälle bei Erfindungen

Die Zahl der Patente gibt Rückschlüsse darauf, wie innovativ und erfinderisch ein Land ist © historisch, thinkstock

Im Land der Denker und Tüftler ist Erfindergeist höchst ungleich verteilt. Denn mehr als 90 Prozent aller Patentanmeldungen kommen aus den alten Bundesländern einschließlich Berlin, wie eine aktuelle Auswertung zeigt. Die meisten Patente werden von Großunternehmen eingereicht, darunter vor allem von der Automobilindustrie. Aber immerhin: Mit rund 457 Patentanmeldungen pro Tag ist Deutschland noch immer ein Land der Erfindungen und Innovationen.

Patente sind wichtig, um eine Erfindung oder Innovation vor Nachahmung zu schützen. Das Patent verleiht dem Erfinder oder Unternehmen für eine gewisse Frist die alleinigen Verwertungsrechte und hilft ihm so dabei, die Entwicklungskosten wieder hereinzuholen, so jedenfalls das Prinzip. In Deutschland müsse Patente dafür beim Deutschen Patentamt mit Sitzen in München, Berlin und Jena eingereicht werden.

457 Patentanmeldungen pro Tag

Welche deutschen Regionen bei Innovationen im Jahr 2015 die Nase vorn hatten, veranschaulicht nun eine neue Deutschlandkarte des Leibniz-Instituts für Länderkunde. Für die Karte haben Sebastian Henn und Patrick Werner von der Universität Jena Daten der amtlichen Publikations- und Registerdatenbank des Deutschen Patent- und Markenamtes ausgewertet und interpretiert.

Das Ergebnis: Mehr als 167.000 Schutzrechtsanmeldungen sind im vergangenen Jahr beim Deutschen Patent- und Markenamt eingegangen, im Schnitt 457 pro Tag. Ein knappes Drittel davon waren Patentanmeldungen für technische Erfindungen. Zu den aktivsten Patentanmeldern gehören dabei Unternehmen und Zulieferer der Automobilindustrie, die 2015 acht von zehn Plätzen auf der Bestenliste der Patentanmeldungen einnahmen.

Im Osten kaum was Neues

Auffallend aber ist klare geografische Unterschiede bei der Verteilung der Schutzrechtsanträge: Mehr als 90 Prozent aller Anmeldungen kommen aus den alten Bundesländern einschließlich Berlin. Auf den Spitzenplätzen lagen Hamburg, Bayern und Baden-Württemberg sowie Berlin. Das schlechteste Ergebnis erzielte Sachsen-Anhalt.

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Die Verteilung der Patentanmeldungen zeigt deutliche Häufungen im Süden und Westen. © Leibniz-Institut für Länderkunde

Bei den rein technischen Patenten liegen die größten Häufungen im süddeutschen Raum, vor allem in den Regionen Stuttgart, München und Ingolstadt. Hier haben die Patentanmeldungen seit 2005 deutlich zugenommen, wie die Forscher berichten. Weitere Innovationszentren liegen im Ruhrgebiet und in Hamburg. Im Osten Deutschlands haben die technischen Patente dagegen eher abgenommen, Ausnahmen bilden Leipzig, Dresden und Jena.

Der Grund für dieses Ost-West-Gefälle: „Das Verbreitungsmuster der Anmeldeaktivitäten spiegelt die Konzentration von forschungs- und entwicklungsintensiven Unternehmen wider“, erklärt Henn. Meist sind es einzelne Großkonzerne, die für ein positives Ergebnis bei den Anmeldezahlen von Patenten und anderen Schutzrechten sorgen – und viele dieser Unternehmen sitzen in Süddeutschland. Dabei haben sich in den letzten zwanzig Jahre praktisch nichts an deren Verteilung geändert.

(Leibniz-Institut für Länderkunde, 05.12.2016 – NPO)

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