InnovaRig: Bohren für Forschung und Industrie Neue Bohranlage für die Geoforschung - scinexx | Das Wissensmagazin
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InnovaRig: Bohren für Forschung und Industrie

Neue Bohranlage für die Geoforschung

Pilotanlage InnovaRig © Herrenknecht Vertical

Eine neue Tiefbohranlage für die Geoforschung ist gestern vom GeoForschungsZentrum Potsdam (GFZ) an der Geothermiebohrung Dürrnhaar in Bayern offiziell in Betrieb genommen worden. Mit InnovaRig steht nun eine der modernsten Anlagen der Welt für Bohrprojekte bis zu 5.000 Meter Tiefe zur Verfügung.

„Bohrungen sind ein unverzichtbares Werkzeug der Geowissenschaften“, sagte dazu Professor Reinhard Hüttl, Vorstandsvorsitzender des GFZ. Meistens behilft man sich mit umgebauten Bohrgeräten aus der Explorationsindustrie, die aber wissenschaftlichen Anforderungen nur bedingt genügen. „Das GFZ Potsdam hat deshalb – finanziert über die Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren – zusammen mit dem Unternehmen Herrenknecht ein völlig neues Bohranlagenkonzept für wissenschaftliche Tiefbohrungen entwickelt“, erklärte Hüttl weiter.

Härtetest bestanden

Das Ziel war es wissenschaftliches und industrielles Bohren unter erheblich geringerem personellen und finanziellen Aufwand zu ermöglichen als mit konventionellen Geräten. Im Mai 2007 konnte die neu entstandene InnovaRig auf dem Gelände der Firma Herrenknecht in Schwanau feierlich getauft werden.

Sketch der GFBG-Tiefbohranlage © Herrenknecht Vertical

Auch ihren Härtetest hat InnovaRig längst bestanden. Am Bohrstandort Dürrnhaar werden zwei über 4.400 Meter lange Bohrungen durchgeführt. Die erste Bohrung hat bereits die 3.700-Meter-Marke überschritten. Danach – auch das ist ein technisches Detail von InnovaRig – wird der Turm der Bohranlage um sechs Meter versetzt, um mit der zweiten Bohrung zu beginnen.

Innovationen im Bohrbetrieb

Der Bedarf für ein modernes Bohrgerät wie InnovaRig zeigte sich in zahlreichen Forschungsbohrungen, an denen das GFZ zum Teil federführend beteiligt war. Bohren bedeutet für das Personal körperliche und manchmal gefährliche Schwerarbeit. Umweltbeeinträchtigungen und – bei industriellen Anlagen – häufig unzureichende Ausrüstung zur wissenschaftlichen Untersuchung des erbohrten Gesteins sind weitere Probleme.

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InnovaRig setzt hier konzeptionell an: unfallträchtige Arbeiten wurden minimiert oder gar ganz abgeschafft, die Anlage hinterlässt wegen optimierter Schallschutzmaßnahmen, Einhaltung von Abgasnormen und Vermeidung von Kontaminationen geringe ökologische Fußspuren und sie arbeitet kostengünstiger als herkömmliche Bohrgeräte.

Wissenschaftliches Bohren

Die speziellen Anforderungen der Forschung wurden im InovaRig-Konzept optimal umgesetzt, so das GFZ. So ist es möglich, unterschiedliche Bohrverfahren ohne nennenswerten zusätzlichen technischen Aufwand einzusetzen und insbesondere schnell und kostengünstig Bohrkernarbeiten durchzuführen. Die entsprechenden Vorrichtungen und Instrumente wurden in die Anlage integriert. Ebenso wurden Einrichtungen für die schnelle Durchführung von Bohrlochmessungen, kontinuierliche Datenerfassung und -speicherung sowie für die Analyse der Bohrspülung eingebaut.

Weitere Projekte geplant

Gesamtansicht des „InnovaRig“ © L. Wohlgemuth/ GFZ Potsdam

InnovaRig steht neben wissenschaftlichen Projekten auch für industriell-kommerzielle Anwendungen zur Verfügung. So soll die Auslastung der Anlage maximiert werden. Nach Abschluss der ersten Bohrung wird in Dürnnhaar eine zweite Bohrung mit ebenfalls rund 4.400 Metern Teufe geteuft. Diese Doublettenbohrung folgt dem Konzept der Förderung des warmen Tiefenwassers aus einer Bohrung und des Rückpumpens des erkalteten Wassers in die zweite Bohrung.

In der zweiten Jahreshälfte wird die InnovaRig dann in Hannover ein sehr spezielles Demonstrationsprojekt für die Geothermiegewinnung in nur einem Bohrloch abteufen. Eine weitere Nutzung soll auch im Rahmen des Internationalen Kontinentalbohrprogramms ICDP erfolgen, das bekanntlich am GFZ koordiniert wird. Das Gesamt-Investitionsvolumen für InnovaRig liegt bei 18 Millionen Euro.

(idw – GeoForschungsZentrum Potsdam, 20.02.2008 – DLO)

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