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Myanmar: 1,5 Millionen Menschen warten auf Hilfe

Militärregierung verweigert ausländischen Katastrophenhelfern die Einreise

Zyklon „Nargis“ © NASA/GSFC

Rund 1,5 Millionen Menschen warten in Myanmar nach dem verheerenden Wirbelsturm „Nargis“ noch immer auf Hilfe. Es fehlt unter anderem an sauberem Trinkwasser, Medikamenten und Notunterkünften sowie an Nahrungsmitteln für die notleidende Bevölkerung. Doch die Militärregierung weigert sich bisher Katastrophenhelfer aus dem Ausland ins Land zu lassen.

„Die Menschen hungern. Es gibt zwar noch Reisvorräte, doch niemand hat das nötige Geld, um die explosionsartig gestiegenen Preise zu bezahlen. Schnelle Hilfe wird dringend benötigt“, berichtet Angela Schwarz, Regionalkoordinatorin der Welthungerhilfe in Myanmar.

Zwar sind erste Maschinen mit Gütern des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen und des Roten Kreuzes inzwischen in Myanmar eingetroffen, anderen Flugzeugen wurde aber die Landeerlaubnis verweigert und sie mussten unverrichteter Dinge umkehren. In den Nachbarstaaten Myanmars warten zudem hunderte von Helfern auf ihren Einsatz, doch sie dürfen nicht in das Krisengebiet einreisen.

Das Außenministerium Myanmars erklärte dazu, Nahrungsmittel und andere Güter seien willkommen, die Verteilung wolle aber die Junta selber übernehmen – eine Maßnahme, die für viele Proteste unter anderem von den Vereinten Nationen gesorgt hat.

Größte humanitäre Katastrophe seit dem Tsunami 2005?

„Die Ausmaße, die der Zyklon Nargis im Irrawaddy-Delta hinterlassen hat, nehmen immer katastrophalere Züge an. Darum ist es richtig, dass die Vereinten Nationen die Militärjunta in Burma immer wieder auffordern, die bedingungslose Hilfe der internationalen Gemeinschaft unverzüglich anzunehmen“, sagten der entwicklungspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Christian Ruck und der zuständige Berichterstatter für Südostasien Jürgen Klimke.

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Militärjunta unter Druck

Es sei unter keinen Umständen zu akzeptieren, dass die Helfer nur bis an die Grenzen des Katastrophengebietes vorgelassen würden, um dann die Hilfsmittel zur weiteren Verteilung an die Armee zu übergeben. Darüberhinaus sei zu hoffen, dass das Regime angesichts der humanitären Herausforderung in Zukunft weiser handele.

„Deutschlands Hilfsorganisationen stehen bereit – gemeinsam mit EU und den VN – ihre Erfahrung in die Bewältigung der Krise einzubringen. Die Bundesregierung hat sich mit der Bereitstellung von 500.000 Euro schnell bei der Krisenbewältigung engagiert. Sobald der konkrete weitere Hilfsbedarf feststeht, wird Deutschland bereitstehen, diese Unterstützung aufzustocken“, so Ruck und Klimke weiter.

Überschwemmungen in Myanmar © NASA/ GSFC/ Modis/ Holli Riebeek

Hilfskräfte warten

Auch die Organisation Ärzte ohne Grenzen hat von der Regierung Myanmars massiv gefordert, Hilfskräfte einreisen zu lassen und den Transport von Hilfsgütern umgehend zu ermöglichen. „Nach ihrem Aufruf zu internationaler Hilfe ist entscheidend, dass die birmesische Regierung nun Visa für Nothelfer ausstellt und die Lieferung von Hilfsgütern erlaubt“, sagte Souheil Reiche, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Rangun.

Die Organisation hat unmittelbar nach dem Sturm mit der Versorgung Überlebender in Rangun begonnen und erkundet die Lage in der Umgebung der Stadt. „Es ist schon jetzt klar, dass wir mit unseren bislang personell und materiell begrenzten Mitteln nicht angemessen auf die Bedürfnisse reagieren können“, sagte Reiche.

Seuchen drohen

Ärzte ohne Grenzen konnten bisher in alle betroffenen Gegenden in den Vororten von Rangun vordringen und Nahrungsmittel, Plastikplanen und aufbereitetes Wasser verteilen. Um die Gefahr von Malaria- und Dengue-Fieber-Erkrankungen zu minimieren, sollen in den kommenden Tagen Moskitonetze verteilt werden. Beide Erkrankungen sind in dem vom Sturm betroffenen Landesteil endemisch. Außerdem versuchen die Mitarbeiter, Gebiete außerhalb Ranguns zu erreichen, die stärker betroffen sein sollen.

Derzeit warten 20 weitere internationale Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen darauf, nach Myanmar ausreisen zu können. Ein Flugzeug mit zusätzlich 40 Tonnen Materialien zur ersten Versorgung von Verletzten sowie Hilfsgütern wie therapeutischer Nahrung, Sanitärartikeln und Plastikplanen steht in Europa bereit und könnte jederzeit ins Land aufbrechen.

Welthungerhilfe kauft Reis aus lokalen Reismühlen

Unterdessen hat auch die Welthungerhilfe bereits mit der Verteilung von Nahrungsmitteln für zunächst 5.000 Überlebende des Zyklons „Nargis“ begonnen. Die erste Versorgung der Opfer konnte umgehend starten, da die Welthungerhilfe schon seit Jahren in Myanmar tätig ist. Vom Projektstandort Rangun aus kauften Mitarbeiter der Welthungerhilfe Reis aus lokalen Reismühlen und begannen sofort mit der Ausgabe.

In Htan Tabin, einem ländlichen Außenbezirk von Rangun, ist die Nothilfe der Welthungerhilfe in vollem Gange. Ein nächstes Einsatzgebiet wird Dawbon sein, ein 70.000 Bewohner umfassendes Slumgebiet am Stadtrand. Der Sturm richtete hier große Schäden an und traf die schon zuvor sehr arme Bevölkerung besonders hart.

Gleichzeitig ergreift die Welthungerhilfe in diesen Gebieten bereits erste Maßnahmen zum Wiederaufbau. In den zerstörten Dörfern von Htan Tabin und Dawbon erhalten die Bewohner Saatgut, landwirtschaftliche Geräte sowie Matten aus Palmblättern zur Reparatur ihrer Dächer. „Wir wollen die Menschen schnellstmöglich wieder auf eigene Füße stellen“, erläutert Angela Schwarz. Zur Verstärkung der Mitarbeiter vor Ort werden in Kürze zwei weitere Mitglieder des Nothilfeteams in Rangun erwartet.

Vor allem das verschmutzte Wasser, die hohe Luftfeuchtigkeit und die Leichen „sind eine große Gefahr für den potentiellen Ausbruch von Seuchen, wenn nicht sehr schnell gegengesteuert wird“, so die Warnung des Nothilfe-Koordinators von CARE Deutschland-Luxemburg, Wolfgang Tyderle. „Für einen Ausbruch von Seuchen wie Cholera, Typhus und Malaria sind jetzt die Voraussetzungen gegeben“, so Tyderle weiter.

Dramatische Lage im Irrawaddi-Delta

„Sehr dramatisch“ ist die Lage laut CARE im Flussdelta Irrawaddi. Bei Menschen, die ohnehin wegen fehlender Nahrung und der tropischen Bedingungen geschwächt seien, sind Durchfallerkrankungen bereits ein Todesrisiko.

CARE arbeitet deshalb mit seiner 500-Mitarbeiter-Crew daran, Tabletten zur Wasser-Reinigung zu verteilen. Gleichzeitig werden – gemeinsam mit dem Welternährungsprogramm der UNO (WFP)- Nahrungsmittel verteilt. CARE-Hauptgeschäftsführer, Wolfgang Jamann: „Ziel ist die Versorgung von 50.000 Familien. Das sind etwa 300.000 Menschen, die wir in den kommenden Tagen erreichen wollen.“

Jamann hofft, dass „wir bald gemeinsam mit anderen Hilfsorganisationen die ersten Lieferungen aus der Luft erhalten. Erst dann können wir unsere Arbeit endlich ausdehnen.“

(Ärzte ohne Grenzen/Welthungerhilfe/CDU/CSU – Bundestagsfraktion, 09.05.2008 – DLO)

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