Simulationen Kieler Meeresforscher deuten auf äquatorialen Indischen Ozean hin MH 370: Neue Hinweise auf Absturzgebiet - scinexx | Das Wissensmagazin
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Simulationen Kieler Meeresforscher deuten auf äquatorialen Indischen Ozean hin

MH 370: Neue Hinweise auf Absturzgebiet

Die Positionen der Modellpartikel 16 Monate vor Fund des Wrackteils auf La Réunion. © GEOMAR

Wo liegt das Wrack der MH 370? Kieler Meeresforscher haben nun dazu neue Informationen. Denn mit Hilfe eines Ozeanmodells haben sie den wahrscheinlichen Driftweg des im Juli bei La Réunion entdeckten Wrackteils zurückverfolgt. Ihr Ergebnis: Die Absturzstelle könnte im östlichen äquatorialen Indischen Ozean liegen – und damit deutlich nördlicher als bisher gedacht. Allerdings: Das mögliche Suchgebiet ist riesig.

Am 8. März 2014 startete Flug MH370 der Malaysia Airlines von Kuala Lumpur nach Peking – kam aber nie dort an. Seit nunmehr 16 Monaten wird nach der verschollenen Boeing 777 im Indischen Ozean gesucht, bisher erfolglos. Doch Ende Juli 2015 keimte neue Hoffnung auf, als auf der Insel La Réunion ein Wrackteil von einer Boeing angespült wurde. Inzwischen ist man sich fast sicher, dass das Teil von der abgestürzten Maschine stammt. Wird es zum Schlüssel zum Finden der Absturzstelle?

Das Entscheidende ist es nun, herauszufinden, von wo das Wrackteil nach La Réunion getrieben ist – denn diese Insel liegt mindestens tausend Kilometer von der ursprünglich angenommenen Absturzstelle entfernt. Kölner Forscher hatten bereits anhand von Entenmuscheln auf dem Flugzeugteil darüber spekuliert, dass MH 370 westlich von Australien in kühleren Meeresbereichen liegen könnte.

Zwei Millionen virtuelle Partikel als Modell

Jonathan Durgadoo und seine Kollegen vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel wurden ebenfalls sofort nach dem Fund des Wrackteils aktiv: Sie nutzten ein spezielles Ozeanmodell, um die mögliche Verdriftung der Flügelklappe zum Absturzgebiet zurückzuverfolgen. Das Modell reproduziert die Meeresströmungen in Kombination mit Wetterdaten.

Das potenzielle Suchgebiet ist noch relativ groß - es könnte aber weiter eingeengt werden. © GEOMAR

In ihm setzten die Forscher virtuelle Partikel bei La Réunion aus und rechneten deren Position in die Vergangenheit zurück. „Wir haben fast zwei Millionen Partikel über einen Zeitraum von 16 Monaten zurückverfolgt“, erläutert Durgadoo. „Daraus haben wir dann einmal pro Monat die wahrscheinlichsten Aufenthaltsorte der Partikel berechnet.“

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Westlich von Sumatra und Java

Die Simulationen lieferten ein sehr großes Gebiet im östlichen äquatorialen Indischen Ozean als wahrscheinlichstes Herkunftsgebiet des Wrackteils, wie die Forscher berichten. Es liegt westlich von Sumatra und Java, etwa 6.000 Kilometer von La Réunion entfernt. „Das Ergebnis entspricht qualitativ meinen ersten Einschätzungen, sie werden jetzt durch die komplexe Strömungsanalyse bestätigt“, sagt Arne Biastoch vom GEOMAR.

Das mögliche Absturzgebiet könnte zudem deutlich nördlicher liegen als man bisher annahm: Alle in der Simulation bei La Réunion landenden Partikel stammten aus einer Region äquatorwärts von 30 Grad südlicher Breite. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass deswegen der momentane Fokus der Suche südwestlich von Australien zu weit südlich liegen könnte“, so Durgadoo.

Allerdings räumt der Forscher ein, dass auf der Basis nur eines einzigen Wrackteils eine genauere Eingrenzung des Gebietes gegenwärtig noch nicht möglich ist. Weitere Wrackteile wären notwendig, um präzisere Aussagen treffen zu können. In den kommenden Wochen wollen die Forscher weitere, für die Verdriftung relevante Prozesse durch Wind und Wellen berücksichtigen, um ihre Aussagen noch zu verfeinern.

(GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, 02.09.2015 – NPO)

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