Wer bargeldlos zahlt, erinnert sich schlechter an den Betrag Kartenzahlung macht vergesslich - scinexx | Das Wissensmagazin
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Wer bargeldlos zahlt, erinnert sich schlechter an den Betrag

Kartenzahlung macht vergesslich

Selbst für kleinere Dinge wie einen Kaffee zücken wir immer häufiger die Karte. © Yakobchuk Olena/ thinkstock

Vergessliche Käufer: Wer im Geschäft bargeldlos bezahlt, erinnert sich oft schon wenig später nicht mehr genau an den gerade ausgegebenen Betrag. Deutlich besser bleibt der Preis dagegen beim Bezahlen mit Scheinen und Münzen im Gedächtnis, wie eine Studie zeigt. Moderne Bezahlmöglichkeiten sorgen demzufolge mitunter dafür, dass wir beim Geldausgeben den Überblick verlieren. Mehr Transparenz könnte das ändern.

Bargeldloses Bezahlen ist bequem und einfach. Schon länger greifen nicht nur wir Deutschen aus diesem Grund vor allem für größere Anschaffungen gerne zur Kreditkarte. Und auch für Waren und Dienstleistungen, die sie im Internet bestellen, nutzen Käufer der Einfachheit halber immer öfter die Plastikkarte oder Bezahldienste wie Paypal. Zunehmend lassen Kunden zudem selbst in Cafés, Supermärkten und anderen Geschäften Münzen und Geldscheine in der Tasche.

Denn auch dort werden inzwischen bequemere Bezahlmöglichkeiten angeboten als Bargeld. Mancherorts muss noch nicht einmal mehr ein Kärtchen gezückt, eine Pin eingegeben oder eine Unterschrift geleistet werden, um kleinere Geldbeträge zu begleichen. Das passiert praktisch im Vorübergehen – zum Beispiel mit einer mit einem Funkchip versehenen Kreditkarte oder einem Smartphone. Das „kontaktlose“ Bezahlen via Nahfunktechnik gilt als nächster großer Schritt in die Zukunft des Bezahlens.

Bezahlen im Vorbeigehen: Die NFC-Technik macht es möglich. © LDProd/ thinkstock

Warum noch bar bezahlen?

Angesichts der vielfältigen Möglichkeiten, sich schöne Dinge heutzutage auch ohne das lästige Kramen nach den passenden Scheinen und Münzen zu kaufen, stellt sich die Frage: Warum überhaupt noch bar bezahlen? Zum einen wären da die möglichen Sicherheitsrisiken, die vom bargeldlosen Bezahlen ausgehen können. Einen weiteren Grund haben nun Wissenschaftler um Rufina Gafeeva von der Universität Köln aufgedeckt: Offenbar verlieren wir ohne Bargeld schneller den Überblick über unsere Ausgaben.

Das zeigt eine Feldstudie, die die Forscher in Cafeterias einer deutschen Universität durchgeführt haben. Sie wollten wissen, wie sich der Wandel der Bezahlmethoden auf die Kunden und insbesondere auf deren Erinnerungsgenauigkeit an gerade erfolgte Bezahlungen auswirkt. Dafür befragten sie zu zwei verschiedenen Zeitpunkten insgesamt 496 Studierende.

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Vergessliche Kunden

Wie Gafeeva und ihre Kollegen berichten, gab es auf dem Campus drei Bezahlmöglichkeiten: Bargeld, EC- oder Kreditkarte und eine spezielle Campuskarte, die nicht nur eine Bezahlfunktion, sondern darüber hinaus noch weitere Funktionen auf einer Karte vereinte. Wie würden sich diese unterschiedlichen Methoden des Bezahlens auswirken?

Das Ergebnis: Tatsächlich machte es einen Unterschied, auf welche Weise die Studierenden ihr Geld ausgaben. „Wir zeigen, dass sich Personen, die mit einer Karte bezahlen, weniger genau an den Rechnungsbetrag erinnern können, als Personen, die ihre Rechnung bar begleichen“, berichtet Mitautor Holger Roschk von der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. Zwischen den zwei Kartenvarianten gab es zwar keinen signifikanten Unterschied. Allerdings zeigte sich: Wer mit der Campuskarte bezahlte und öfter auch deren Nicht-Bezahlfunktionen nutzte, erinnerte sich schlechter als Studierende, die die Karte ausschließlich zum Bezahlen verwendeten.

„Mehr Transparenz“

Damit Käufer in Zukunft auch beim bargeldlosen Bezahlen den Überblick behalten, fordert Roschk: „Für ein stärkeres Bewusstsein brauchen wir Designs, die die Bezahlfunktion von anderen Funktionen trennen oder die die Geldausgabe visualisieren, wie sofortige Bezahlinformationen oder Zusammenfassungen.“

Wolle man die Kunden in einem finanziell gesunden Verhalten bestärken, brauche es mehr Transparenz, so der Forscher. Bis dahin gilt: Wer Probleme damit hat, seine Moneten beisammen zu halten, sollte künftig vielleicht doch wieder zum guten, alten Bargeld greifen. (Marketing Letters, 2017; doi: 10.1007/s11002-017-9445-2)

(Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, 10.11.2017 – DAL)

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