Neue Software macht Anonymität im Tor-Netzwerk in Echtzeit sichtbar Internet: Software zeigt Grad der Anonymität - scinexx | Das Wissensmagazin
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Neue Software macht Anonymität im Tor-Netzwerk in Echtzeit sichtbar

Internet: Software zeigt Grad der Anonymität

Neue Software zeigt den Grad an Anonymität beim Surfen im Internet. © freeimages

Wie anonym bin ich im Internet unterwegs? Selbst spezielle Verbindungen wie im Tor-Netzwerk bieten keinen kompletten Schutz. Jetzt haben Forscher eine Software entwickelt, die in Echtzeit anzeigt, wie gut unsere Identität gerade verschleiert wird. Damit ist man künftig zumindest gewarnt, wenn es gerade eher weniger anonym zugeht.

Bei brisanten Online-Recherchen wollen auch Privatpersonen unbeobachtet bleiben. Aber dass Anonymität im Internet eher selten ist, wissen wir spätestens seit den Enthüllungen von Edward Snowden nur zu gut. Aus Angst, dass solche privaten Informationen mit der eigenen Person verknüpft werden könnten, nutzen Anwender im Internet spezielle Anonymisierungsdienste. Sie verschleiern damit das Surfen selbst, die Identität ihrer Person und die des Empfängers, und machen so die Ausspionage schwerer.

Tor-Dienst nicht zu 100 Prozent anonym

Einer der bekanntesten Dienste ist die Open-Source-Software „Tor“. Diese baut eine Verbindung auf, die durch ein eigenes Netzwerk verläuft und so die IP-Adresse des Nutzers verschleiert. Das Tor-Netzwerk umfasst bis zu 6.000 Server, die größtenteils von Freiwilligen betrieben und von Informatikern als „Knoten“ bezeichnet werden. Indem jeder Knoten zur Weiterleitung der Daten nur mit dem Minimum an notwendigen Informationen versorgt wird, erschwert Tor sowohl die Identifizierung des Senders als auch des Empfängers. Das soll geschütztes Surfen, Chatten und auch E-Mailen ermöglichen.

Sebastian Meiser und Esfandiar Mohammadi geben Anwendern Garantien für deren Anonymität im Netzwerk Tor. © Oliver Dietze

„Das Tor-Netzwerk ist allerdings nicht perfekt“, erklärt Esfandiar Mohammadi der Uni Saarland, einer der zwei Hauptentwickler des neuen Programms. „Erstens gefährden unvorhergesehene Angriffe auf Netzwerk-Ebene die Anonymität. Zweitens schwankt der Grad der Anonymität, weil die Freiwilligen ihre Knoten im Netzwerk nicht kontinuierlich betreiben“, sagt Mohammadi. Erst im Jahr 2014 bewies ein Forscherteam, dass durch gezielte Angriffe sogar 80 Prozent der Nutzer eines Tor-Netzwerks enttarnt werden können.

Neues Programm gibt Grad der Anonymität an

Gemeinsam mit Kollege Sebastian Meiser hat Mohammadi nun das Programm „MATor“ entwickelt, das auf Basis der Unwägbarkeiten des Tor-Netzwerkes den Grad der Anonymität des einzelnen Benutzers angibt. Dieser kann dann direkt ablesen, wie anonym er gerade surft – in Echtzeit. Dies ist laut Aussage der Forscher weltweit eine Neuigkeit.

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„Ein Angreifer kann die Identität eines Nutzers mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit berechnen“, erklärt Meiser. „Genau das gibt unser System an“. Die Software rechnet dazu mit Daten, die im Netzwerk stündlich erhoben und veröffentlicht werden. „Zusätzlich berücksichtigt MATor Eigenschaften der Internet-Verbindung des jeweiligen Anwenders und bezieht auch die Konfiguration seiner Tor-Software mit ein“, erklärt Meiser.

Damit der Nutzer seinen Sicherheits-Status direkt erkennen kann, wollen die Forscher nun ein Plugin für den sogenannten Tor-Browser entwickeln. Im Hintergrund der Tor-Software arbeitend, soll es den Anwender warnen, falls dessen Verbindung zu unsicher ist.

(Universität des Saarlandes, 11.03.2015 – MAH)

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