Forscher veröffentlichen Leitlinien für eine verträglichere Außenbeleuchtung Handeln gegen die Lichtverschmutzung - scinexx | Das Wissensmagazin
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Forscher veröffentlichen Leitlinien für eine verträglichere Außenbeleuchtung

Handeln gegen die Lichtverschmutzung

Blick auf die nachts hell erleuchtete Erde © NASA/ESA

Lichterketten, Straßenlaternen und Werbe-Displays: Gerade im Winter erhellen wir die dunkle Jahreszeit mit viel künstlicher Beleuchtung. Doch diese Lichtverschmutzung schadet Mensch und Natur. Jetzt hat ein internationales Forscherteam Leitlinien für eine verträglichere Außenbeleuchtung veröffentlicht. Diese sollen dazu beitragen, Licht in unseren Städten künftig nachhaltiger einzusetzen.

Wir machen die Nacht zum Tage: Mehr als 80 Prozent der Weltbevölkerung erlebt keine echte Dunkelheit mehr, ein Drittel der Menschheit hat keine Chance, die Milchstraße zu sehen. Aufnahmen aus dem Erdorbit verdeutlichen, wie stark das nächtliche Streulicht von Städten und Straßen unseren Planeten prägt. Doch diese Lichtverschmutzung ist nicht nur schlecht für Astronomen, sie kann auch negative Folgen für Mensch und Tier haben.

Neue Empfehlungen

Das künstliche Nachtlicht stört unter anderem die Orientierung von Zugvögeln und hindert Korallen an der Paarung. Schon kleine Mengen künstlichen Lichts zur falschen Zeit können zudem unsere innere Uhr aus dem Takt bringen, die Hormonausschüttung beeinträchtigen und sich sogar negativ bei Brustkrebs auswirken.

Um der Lichtverschmutzung und ihren Folgen entgegen zu wirken, hat nun ein Forscherteam vom europäischen „Verlust der Nacht“-Netzwerk neue Leitlinien für die Außenbeleuchtung veröffentlicht. Diese sollen dazu beitragen, Licht in unseren Städten künftig nachhaltiger einzusetzen – zum Wohle von Mensch und Umwelt.

Auf die Lichtfarbe kommt es an

Die innere Uhr von Mensch und Tier reagiert nicht auf alle Lichtfarben gleich stark. Studien zeigen, das vor allem kurzwelliges, blaues Licht den Tag- und Nachtrhythmus stark beeinflusst. Diese kalten Lichtfarben kommen vor allem in kaltweißen LEDs und Energiesparlampen vor, auch die Displays der Handys und Tablets senden viel blaues Licht aus.

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Die Forscher empfehlen vor allem für Straßenlaternen und andere Außenbeleuchtung, nur Lampen mit einer Farbtemperatur von maximal 3000 Kelvin einzusetzen. Dieses eher warmweiße Licht wirkt sich weniger stark auf die Tierwelt und auch uns Menschen aus.

Nächtlihce Lichtverschmutzung an der Sternwarte der Universität Wien © Universität Wien/Thomas Posch

Nach unten leuchten

Oft senden unsere Lampen und Beleuchtungen das Licht in fast alle Richtungen aus. Dadurch werden zwar die Straße und der Gehsteig schon ausgeleuchtet, gleichzeitig erzeugen diese Lampen auch viel Streulicht dort, wo es nicht gebraucht wird. So strahlt dieses Streulicht beispielsweise nach oben in den Himmel, wo es von Wolken reflektiert wird und so großflächig ganze Nachtlandschaften erhellen kann.

„Licht sollte grundsätzlich nach unten leuchten, auch Fassadenbeleuchtung sollte immer von oben nach unten gerichtet sein“, rät Thomas Posch vom Institut für Astrophysik der Universität Wien. Vermieden werden sollten auch in den Boden eingelassene Spots, die das Licht nach oben abstrahlen.

Nur so viel wie nötig

Eine sehr einfache Maßnahme gegen Lichtverschmutzung wäre es, Straßenlampen und Werbedisplays spät in der Nacht und in den frühen Morgenstunden einfach abzuschalten. Dadurch könnte das Streulicht um 50 bis 80 Prozent gesenkt werden. Um diese Zeit ist kaum Verkehr und auch Fußgänger sind kaum unterwegs, so dass es für Autofahrer völlig ausriecht, ihre Scheinwerfer zu nutzen, sagen die Forscher.

Bisher sind viele Straßen zudem heller ausgeleuchtet, als es unbedingt nötig ist. Vor allem Landstraßen sollten jedoch nur wenn nötig beleuchtet werden. Forschungen legen nahe, dass niedrigere Beleuchtungswerte in der Stadt und auf dem Land die Sicherheit nicht beeinträchtigen. Die Forscher empfehlen daher, die Helligkeit der Lampen zu überprüfen und auch die Richtwerte entsprechend zu senken.

Ihrer Ansicht nach sollten beispielsweise Landstraßen nicht stärker als mit einer Leuchtdichte von 0,3 Candela pro Quadratmeter beleuchtet werden, was in etwa vier Lux entspricht. Dieser Wert ist angelehnt an die niedrigste Klasse der EU-Norm für Straßenbeleuchtung. „EU-Normen empfehlen viel hellere Werte als sie momentan in den meisten Gemeinden bewährte Praxis sind“, berichtet Thomas Posch. Doch das sei konterproduktiv, denn es bringt der Sicherheit nur wenig, verursacht aber mehr Lichtverschmutzung und mehr Energieverbrauch.

(Universität Wien, 27.12.2016 – NPO)

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