Spuren der Droge finden sich auch bei vielen Nicht-Konsumenten Haben wir alle Kokain am Finger? - scinexx | Das Wissensmagazin
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Haben wir alle Kokain am Finger?

Spuren der Droge finden sich auch bei vielen Nicht-Konsumenten

Nicht nur wer Kokain konsumiert, bekommt die Droge an die Finger: Rückstände davon verbreiten sich zum Beispiel über Geldscheine. © Pe3check/ istock

Unbemerkter Drogenkontakt: Selbst wer noch nie Kokain konsumiert hat, hat womöglich Spuren davon an seinen Händen. Eine Studie zeigt: Immerhin bei rund jedem zehnten Nicht-Konsumenten fällt ein Drogentest mittels Fingerabdruck positiv aus. Denn Rückstände des Rauschmittels können sich zum Beispiel über Geldscheine unbemerkt verbreiten. Trotzdem ist es möglich, am Fingerabdruck zwischen echtem Drogenkonsum und zufälligem Kontakt zu unterscheiden, wie die Forscher betonen.

In Deutschland hat ein Viertel der Bevölkerung schon einmal illegale Drogen ausprobiert: von Cannabis über LSD bis hin zu den als besonders gefährlich geltenden Rauschmitteln Heroin und Kokain. Doch wer gehört zu diesen Drogenkonsumenten? Das lässt sich inzwischen nicht nur durch Blut- und Speicheltests herausfinden, sondern auch am Fingerabdruck erkennen.

Bei solchen Tests wird der Schweiß am Finger mit kleinen Massenspektrometern auf Rückstände illegaler Substanzen oder deren Stoffwechselprodukte untersucht – eine sehr sichere Methode, gegen die auch Händewaschen nichts nützt. Melanie Bailey von der University of Surrey und ihre Kollegen haben nun jedoch herausgefunden: Der Drogentest schlägt auch bei Unschuldigen an. Denn in Kontakt mit Kokain und Co kann man inzwischen fast überall kommen, ohne es zu bemerken.

Unbescholtene „überführt“

Für ihre Studie untersuchten die Wissenschaftler die Fingerabdrücke von 50 Freiwilligen, die nach eigenen Angaben noch nie Illegales geraucht, geschnupft, geschluckt oder anderweitig konsumiert hatten. Zusätzlich ließen sie fünfzehn Drogennutzer zum Fingerabdrucktest antreten. Sie hatten angegeben, innerhalb der vorangegangenen 24 Stunden entweder Kokain oder Heroin genommen zu haben.

Die Analysen zeigten: Nicht nur die Drogenkonsumenten hatten Spuren illegaler Stoffe auf der Haut. Der Test schlug auch bei zahlreichen drogenfreien Teilnehmern an. Immerhin dreizehn Prozent der Fingerabdrücke enthielten demnach Kokain und ein Prozent ein Abbauprodukt von Heroin, obwohl die dazugehörigen Personen noch nie in Berührung mit diesen Drogen gekommen waren – so zumindest dachten sie.

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Kontakt über Geldscheine

„Ob Sie es glauben oder nicht, Kokain ist ein weit verbreiteter Umweltkontaminant und befindet sich zum Beispiel auf etlichen Geldscheinen“, sagt Bailey. „Trotzdem waren wir überrascht, es in so vielen Proben zu entdecken.“ Doch was bedeutet das nun für die Aussagekraft des Fingerabdrucktests? In dieser Hinsicht hat das Team eine beruhigende Nachricht: Zwischen Drogenkonsumenten und zufällig mit illegalen Substanzen in Kontakt Gekommenen kann die Methode trotzdem differenzieren.

Denn: Welche und vor allem wie viele Rückstände auf der Haut sind, unterscheidet sich bei beiden Gruppen deutlich. Wie die Forscher berichten, identifizierten sie einen konkreten Toleranzwert, der die Schwelle zwischen echtem Drogenkonsum und unbemerktem Kontakt verlässlich definieren kann.

Test trotzdem verlässlich

Dank dieser Differenzierung müssen unbescholtene Bürger nicht nur keine Angst vor kontaminierten Banknoten haben. Sie können sogar Abhängigen und Drogendealern die Hand schütteln, ohne Gefahr zu laufen, fälschlicherweise in Verdacht zu geraten. Das zeigten weitere Experimente, bei denen die drogenfreien Probanden den teilnehmenden Konsumenten vor dem Test die Hand reichten.

„Diese Methode ist die Zukunft des Drogentests“, ist Baileys Kollegin Mahado Ismail überzeugt. „Denn sie ist nicht-invasiv, einfach durchzuführen und man hat die Möglichkeit, den Getesteten direkt durch die Probe sicher zu identifizieren.“ Das schütze vor Tricksern. „Unsere Studie wird dabei helfen, die Testmethode noch verlässlicher zu machen“, schließt die Forscherin. (Clinical Chemistry, 2018)

(University of Surrey, 22.03.2018 – DAL)

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