Forscher entdecken Erbgutabschnitt, der beim Haarausfall eine wichtige Rolle spielen könnte Glatze: Fahndungserfolg auf Chromosom 3 - scinexx | Das Wissensmagazin
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Forscher entdecken Erbgutabschnitt, der beim Haarausfall eine wichtige Rolle spielen könnte

Glatze: Fahndungserfolg auf Chromosom 3

Menschenhaar in 200-facher Vergrößerung © Jan Homann

Ein Bereich auf Chromosom 3 könnte eine entscheidende Rolle beim Haarausfall und bei der Kahlköpfigkeit von Männern spielen. Dies haben deutsche Wissenschaftler in einer Studie entdeckt. Die neuen Ergebnisse sind auch für die Herzinfarkt-Forschung interessant: Kahlköpfige Männer tragen ein erhöhtes Risiko, an Arteriosklerose zu erkranken.

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Haarausfall ist bei Männern weit verbreitet. Bei manchen beginnt der schleichende Haarverlust schon im Teenager-Alter: Im gleichen Maße, in denen ihr Bart zu sprießen beginnt, wird ihr Haupthaar schütterer. Über kurz oder lang bleibt aber kaum ein Vertreter des so genannten starken Geschlechts von der „androgenetische Alopezie“, abgekürzt AGA, verschont: Unter den 70-jährigen sind rund 80 Prozent betroffen.

Dabei ist Haarausfall nicht nur ein kosmetisches Problem: „In der Literatur wird für Betroffene ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck, Herzinfarkt und Übergewicht diskutiert“, betont Dr. Axel Hillmer vom Life&Brain-Zentrum an der Universität Bonn, der an der neuen Untersuchung beteiligt ist.

Erster Fahndungserfolg

Verantwortlich für den Haarausfall sind neben Umweltfaktoren die Gene. Eine Erbanlage wurde bereits identifiziert, die zum frühzeitigen Verlust des Haupthaares führt. Man weiß aber, dass noch weitere beteiligt sind. Welche das sind, versuchen momentan Wissenschaftler verschiedener deutscher Hochschulen unter Leitung der Universitäten Bonn und Düsseldorf herauszufinden.

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Den Forschern ist nun ein wichtiger erster Fahndungserfolg gelungen: Sie haben die Position der möglichen Kandidaten-Gene gewissermaßen „eingekreist“. Keine triviale Aufgabe: Etwa 30.000 Erbanlagen umfasst die genetische Bauanleitung eines jeden Menschen. Nur von einem Bruchteil kennt man heute die Funktion. Viele Gene übernehmen im Organismus zudem mehrere Rollen.

„Wir haben 95 Familien untersucht, in denen jeweils mindestens zwei Söhne unter frühzeitigem Haarausfall litten“, erklärt Hillmer. „Dabei konnten wir 14 Regionen identifizieren, in denen möglicherweise Erbanlagen für Haarwachstum und Haarausfall sitzen.“

Heißester Kandidat auf Chromosom 3

Jede dieser Regionen enthält jedoch noch mehrere Dutzend Gene – zu viele für eine detaillierte Analyse. Die Forscher konzentrieren sich bei ihren weiteren Untersuchungen denn auch zunächst auf ihren „heißesten Kandidaten“: Einen Abschnitt auf Chromosom 3, auf dem 34 Erbanlagen liegen.

„Keines dieser Gene wird bislang mit der Biologie des Haares in Verbindung gebracht“, sagt Dr. Roland Kruse von der Universitäts-Hautklinik Düsseldorf. „Von einem Gen weiß man aber immerhin, dass es bei Alterungsprozessen eine Rolle spielt. Ein zweites bewirkt möglicherweise ein erhöhtes Risiko für Übergewicht – ein Merkmal, unter dem Männer mit Haarausfall häufiger leiden als Menschen mit normalem Haarwuchs. Diese beiden Erbanlagen erscheinen uns für weitere Studien daher am aussichtsreichsten.“

Wie geht es weiter?

Die Forscher wollen nun bei möglichst vielen Männern mit frühzeitigem Haarausfall vor allem diese beiden Gene genauer unter die Lupe nehmen. Stoßen sie dabei auf eine Genvariante, die bei Kahlköpfigen häufiger vorkommt als normal, könnte sie die Ursache für den Haarverlust sein. „Im nächsten Schritt gilt es herauszufinden, welche Funktion die Erbanlage in der Biologie des Haares spielt“, erklärt Hillmer. Die Studie erscheint am 7. März 2008 im „American Journal of Human Genetics“.

(idw – Universität Bonn, 22.02.2008 – DLO)

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