Berechnungen deutschen auf exotische kosmische Phänomene hin Gibt es "Dunkle Sternhaufen"? - scinexx | Das Wissensmagazin
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Berechnungen deutschen auf exotische kosmische Phänomene hin

Gibt es „Dunkle Sternhaufen“?

Schwarzes Loch © STScI/NASA

Bonner Physiker schlagen eine neue Klasse von Himmelskörpern vor: „Dunkle Sternhaufen“, die aus vielen umeinander kreisenden Schwarzen Löchern und einigen Sternen bestehen. Bislang seien die Gebilde eine reine Hypothese, doch könnten sie zu tieferen Einsichten in Supernovae-Explosionen, Gravitationswellen sowie in Dynamik und Entwicklung von Sternhaufen führen, schreiben die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „The Astrophysical Journal Letters“.

Sterne entwickeln sich aus Gaswolken, die sich aufgrund der Schwerkraft sehr stark zusammenziehen und dann das Sonnenfeuer zünden. Nur selten sind die stellaren Objekte Einzelgänger, meist treten sie in Gruppen auf. Diese Sternhaufen sind Orte im Universum, wo sich besonders viele der leuchtenden Gaskugeln auf einmal bilden und nach vielen Millionen bis Milliarden von Jahren auch wieder zugrunde gehen. Wenn solche Haufen noch jung sind, hauchen sterbende Sterne ihr Leben in einer Supernova-Explosion mit einem extrem hellen Aufleuchten aus.

„War die Masse der Sterne groß genug, bleiben extrem dichte Neutronensterne und Schwarze Löcher übrig“, sagt Professor Pavel Kroupa vom Argelander Institut für Astronomie der Universität Bonn.

Extreme Gravitation bannt jeden Lichtstrahl

In der Nähe der Schwarzen Löcher ist die Schwerkraft so groß, dass nicht einmal Licht nach außen gelangen kann. Sie sind daher unsichtbar. Nur wenn eine Gaswolke oder ein Stern von ihrer extremen Gravitation in seiner Bahn beschleunigt wird, können Astronomen die Existenz von Schwarzen Löchern nachweisen.

„Unter bestimmten Bedingungen entwickeln sich besonders viele Schwarze Löcher in einem Sternhaufen“, berichtet Sambaran Banerjee. „Wir schlagen vor, dann von einem Dunklen Sternhaufen zu sprechen, der aus umeinander kreisenden Schwarzen Löchern und einigen Sternen besteht.“

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Kosmische Tanzveranstaltung

Die ursprüngliche Fragestellung der Bonner Physiker war es, die physikalischen Eigenschaften sterbender Sternhaufen zu erforschen. Die auf Hochleistungscomputern durchgeführten Rechnungen ergaben überraschend, dass sich solche „Dunkle Sternhaufen“ bilden müssen. „Die Sterne führen in den Haufen chaotische Tänze auf“, berichtet Kroupa. „Sie ziehen sich aufgrund der Schwerkraft gegenseitig an und wechseln deshalb laufend die Bahn.“

Die Gravitation hält den Sternhaufen zusammen, die Tänzer bleiben also zunächst beieinander. Jedoch wandeln sich die Tanzpartner. „Mit der Zeit verdampfen die leichteren Sterne“, erklärt Kroupa. „Die durch Supernovae entstandenen schwereren Schwarzen Löcher und Neutronensterne reichern sich aber immer mehr an – der Sternhaufen wird deutlich dunkler, weil diese Komponenten kein Licht aussenden.“ Daraus entwickeln sich dann „Dunkle Sternhaufen“. Der Vorhang zur kosmischen Tanzveranstaltung schließt sich also allmählich.

Ein „Kick“ mit mehreren 100 Kilometern pro Sekunde

Bei den Supernovae-Explosionen kann es jedoch passieren, dass die daraus resultierenden Schwarzen Löcher stark beschleunigt und aus dem noch jungen Sternhaufen herausgeschleudert werden. „Dieser Kick kann mit mehreren 100 Kilometern pro Sekunde erfolgen“, sagt Banerjee. Damit gehen die Schwarzen Löcher verloren und es kann sich kein „Dunkler Sternhaufen“ entwickeln.

„Je näher der Sternhaufen am Zentrum der Milchstraße liegt, desto größer ist die umgebende Gravitation“, erläutert Kroupa. Dann können die leichten Sterne während des Alterns des Haufens schneller verdampfen, als sich die Schwarzen Löcher gegenseitig herausschießen können. „Unsere Berechnungen zeigen, dass Dunkle Sternhaufen nur innerhalb eines Abstandes von ungefähr 15.000 Lichtjahren vom Zentrum der Milchstraße vorkommen können“, sagt Banerjee. Weiter weg verdampfen die leichten Sterne zu langsam, sodass die dunkle Phase nicht erreicht werden kann.

Gezielte Suche nach Dunklen Sternhaufen möglich

„Bisher gab es keine Möglichkeit nachzuprüfen, ob die Schwarzen Löcher und Neutronensterne überhaupt in den Sternhaufen bleiben“, ergänzt Kroupa. „Anhand der Dunklen Sternhaufen, die wir aufgrund unserer Berechnungen vorschlagen, ist dies nun aber möglich.“ Einen „Dunklen Sternhaufen“ erkenne man daran, dass sich die noch verbleibenden Sterne in ihm deutlich schneller bewegen, als sie es dürften, berichten die Wissenschaftler. „Die Sterne scheinen von einer unsichtbaren Kraft oder Masse zusammengehalten zu werden“, meint Banerjee. Diese Kraft sei die zusätzliche Gravitation der im Sternhaufen vorhandenen Schwarzen Löcher und Neutronensterne.

„Astronomen können nun gezielt nach Dunklen Sternhaufen suchen“, sagt Kroupa. „Wenn sie tatsächlich gefunden werden, dann ist eine neue exotische Klasse von Himmelskörpern entdeckt.“ Die dann gewonnenen Erkenntnisse würden auch das Verständnis für die Physik der Supernovae- Explosionen vervollkommnen. „Außerdem müssten die Sternhaufen dann die Quelle von Gravitationswellen sein, die Albert Einstein anhand seiner Allgemeinen Relativitätstheorie vorhergesagt hat“, schließt der Physiker der Universität Bonn. (The Astrophysical Journal Letters, 2011; doi:10.1088/2041-8205/741/1/L12)

(Universität Bonn, 21.10.2011 – DLO)

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