Mit Hilfe von App-generierten Ortsangaben lassen sich Accounts Personen zuordnen Geo-Tags von Twitter & Co verraten Identität - scinexx | Das Wissensmagazin
Anzeige
Anzeige

Mit Hilfe von App-generierten Ortsangaben lassen sich Accounts Personen zuordnen

Geo-Tags von Twitter & Co verraten Identität

Versteckte Standortangaben in Posts auf Twitter & Co machen uns identifizierbar. © Triloks/ thinkstock

Verräterische Apps: Über Twitter, Instagram und Co geben Nutzer unbemerkt Informationen über ihre Identität preis. Mithilfe von versteckten Standortangaben in Posts können Accounts verlässlich einer Person zugeordnet werden, wie Forscher auf der diesjährigen World Wide Web Conference berichten. Schon Informationen aus zwei sozialen Netzwerken reichen demnach für eine solche Identifizierung aus.

Viele Dinge, die wir heute in unserem Alltag tun, hinterlassen eine digitale Spur: Beim Einkauf mit der Kreditkarte, Surfen im Internet oder Spazierengehen mit dem Smartphone in der Tasche geben wir oft mehr von uns preis, als wir glauben. Selbst aus vermeintlich anonymisierten Datensätzen lassen sich zum Beispiel Abonnenten von Streamingdiensten identifizieren oder Kreditkartenbesitzer ihren Einkäufen zuordnen.

Aufschlussreiche Ortsangaben

Dabei genügen schon einige wenige Informationen, um eine Person eindeutig identifizieren zu können. Tests zeigen: Vier Angaben aus einer Kombination von Zeit und Ort reichen, um die Identität von 90 Prozent aller Personen in einer anonymisierten Kreditdaten-Sammlung festzustellen. „Von allen digitalen Spuren, die wir hinterlassen, sind Standortangaben wohl die aufschlussreichsten“, erklären Augustin Chaintreau von der Columbia University und seine Kollegen.

Die Wissenschaftler haben nun untersucht, ob möglicherweise auch die von den Apps und Programmen generierten Standortinformationen in sozialen Netzwerken genügen, um jemanden zu identifizieren. Dafür entwickelte das Team einen Algorithmus, der mit einer Standortangabe versehene Einträge auf Twitter mit Posts auf Instagram und Foursquare vergleicht. Das Ziel: Accounts verknüpfen, die ein und derselben Person gehören.

Dabei ermittelt der Algorithmus laut den Forschern folgendes: Wie wahrscheinlich ist es, dass eine Person, die zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort etwas gepostet hat, an einem anderen Ort und zu einer anderen Zeit auch in einer zweiten App etwas veröffentlicht hat?

Anzeige

Schon Daten aus zwei Apps verraten Identität

Weiß alles: Das Tool "You Are Where You Go" ermittelt persönliche Informationen anhand von Nutzeraktivitäten in sozialen Medien © Chris Riederer

Die Ergebnisse offenbaren: Mit Zeit-Ort-Angaben aus nur zwei sozialen Netzwerken kann man zuordnen, welche Accounts dergleichen Person gehören – und diese Person auch identifizieren.

„Viele Menschen wollen ihre Identität in der Onlinewelt nicht öffentlich preisgeben“, sagt Chaintreau. „Doch allein die Standortdaten reichen aus, um jemanden auf all seinen Accounts erkenntlich zu machen. Wir müssen uns nun überlegen, welche Konsequenzen das für unser eigenes Verhalten hat.“

Chaintreaus Kollegen haben eine Anwendung entwickelt, die deutlich macht, wie viele Informationen wir tatsächlich über die sozialen Netzwerke preisgeben. Sie heißt „You Are Where You Go“ und wertet Nutzeraktivitäten auf Twitter, Instagram und Foursquare aus. Anhand dieser Informationen ist die Anwendung in der Lage, recht genaue Angaben über das Alter, die Ethnizität und sogar das Einkommen des Nutzers zu machen – und sie kann vorhersagen, ob jemand Kinder hat oder nicht.

Unternehmen haben es leicht

„Heutzutage geben viele Menschen in einer immer größer werdenden Anzahl von Apps Informationen über ihren aktuellen Standort preis – oft ohne es zu wissen“, schreiben die Forscher. „Unternehmen müssen noch nicht einmal mehr sonderlich erfinderisch sein, um an diese Daten zu kommen und sie für ihre eigenen Zwecke zu nutzen.“

Es genüge deshalb nicht mehr, Daten lediglich zu anonymisieren. Stattdessen müsse es technische Kontrollen darüber geben, wer Zugriff auf solche Daten erhält und wie und zu welchem Zweck diese genutzt werden, schließen sie. (World Wide Web Conference, 2016; doi: 10.1145/2872427.2883002)

(Columbia University, 14.04.2016 – DAL)

Anzeige

In den Schlagzeilen

Diaschauen zum Thema

Dossiers zum Thema

Internetsucht - Wenn das Netz den Menschen krank macht

Big Data - das große Graben - Warum deutsche Forscher beim Data-Mining oft leer ausgehen

Spione im Dienst der Sicherheit - Forscher gehen Datenlöchern im Hightech-Alltag auf den Grund

Das Echo des digitalen Gezwitschers - Twitter, Facebook & Co.

News des Tages

Bücher zum Thema

Die berechnete Welt - Leben unter dem Einfluss von Algorithmen Von Nora S. Stampfl

50 Schlüsselideen Digitale Kultur - Tom Chatfield und Carl Freytag

Top-Clicks der Woche

Anzeige
Anzeige