Klimawandel bringt mehr schwere Turbulenzen auf Transatlantikflügen Flugverkehr: Es wird holpriger - scinexx | Das Wissensmagazin
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Klimawandel bringt mehr schwere Turbulenzen auf Transatlantikflügen

Flugverkehr: Es wird holpriger

Auf Transatlantik-Flügen könnte es künftig häufiger zu Turbulenzen kommen - weil der Klimawandel den Jetstream verändert. © Advances in Atmospheric Sciences/ Paul Williams

Bitte Anschnallen! Künftig könnten Flüge über den Atlantik deutlich holpriger werden. Denn schwere Turbulenzen werden bis zum Jahr 2100 wahrscheinlich zwei bis dreimal häufiger als bisher auftreten, wie eine Klimasimulation ergeben hat. Der Grund: Durch den Klimawandel verstärken sich Scherwinde im Jetstream, einer „Wind-Autobahn“ über dem Atlantik – und das verstärkt die Turbulenzen.

Aus heiterem Himmel beginnt das Flugzeug plötzlich zu rütteln und zu holpern, im schlimmsten Fall sackt es sogar abrupt stark ab: Solche atmosphärischen Turbulenzen sind mehr als nur lästig, sie können bei Passagieren auch schwere Verletzungen vorvorrufen und sogar die Flugzeuge beschädigen. Das Tückische daran: Sie treten auch bei scheinbar völlig klarem Himmel auf und sind daher selbst von Piloten kaum vorher erkennbar.

Reiseflughöhe im Visier

Solche Probleme könnten dem Flugverkehr jedoch in Zukunft häufiger drohen: Bereits vor einigen Jahren prognostizierten Paul Williams von der University of Reading und sein Team, dass der Klimawandel die Transatlantikflüge künftig deutlich verlängern und die Flüge zudem holpriger machen wird.

Jetzt haben die Forscher ihre Turbulenz-Prognosen weiter präzisiert. Für ihre Studie untersuchten sie mit Hilfe von Klimasimulationen, wie sich Häufigkeit und Schwere atmosphärischer Turbulenzen in rund zwölf Kilometern Höhe über dem Atlantik verändern – und damit in der typischen Reiseflughöhe. Sie gingen dabei von einem Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre aus, der dem doppelten des präindustriellen Werts entspricht – ein Wert, der noch in diesem Jahrhundert erreicht werden könnte.

Schwere Turbulenzen nehmen besonders zu

Das für viele Flugpassagiere beunruhigende Ergebnis: Je stärker die Turbulenzen sind, desto mehr werden sie in Zukunft zunehmen. Wie die Simulationen ergaben, werden leichte Turbulenzen auf der Transatlantikstrecke im Winter um rund 59 Prozent häufiger, mittlere dagegen bereits bis zu 94 Prozent – sie verdoppeln sich damit.

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Jetstreams sind die "Wind-Autobahnen" unseres Planeten. Ihr Verhalten wird jedoch zunehmend vom Klimawandel beeinflusst. © NASA Scientific Visualisation Studio

Schwere Turbulenzen jedoch – die selbst schwerere Gegenstände und sogar Menschen in der Flugkabine umherschleudern können – könnten durch den Klimawandel sogar um bis zu 149 Prozent häufiger werden, wie die Forscher berichten. „Das sind selbst für erfahrene Vielflieger alarmierende Nachrichten“, sagt Williams. „Denn wegen solcher Turbulenzen kommen weltweit häufig Flugpassagiere und Flugbegleiter ins Krankenhaus.“

Stärkere Scherwinde im Jetstream

Der Grund für die verstärkten Turbulenzen sind Veränderungen des polaren Jetstreams – einer der „Wind-Autobahnen“, die sich um die Erde ziehen. Dieses Starkwindband liegt zwischen dem 40. und 60. nördlichen Breitengrad und damit in einem Bereich, in dem auch viele Hauptflugrouten liegen.

Turbulenzen im Randbereich und Umfeld der Jetstreams entstehen vor allem dann, wenn Scherwinde die Luft zusätzlich durcheinanderwirbeln – und genau diese Scherwinde werden durch den Klimawandel stärker und instabiler, wie die Klimasimulation der Forscher ergab. Für künftige Transatlantikflüge bedeutet dies, dass selbst in Flughöhen unterhalb des eigentlichen Jetstreams die Luft unruhiger werden könnte.

Bisher haben Williams und seine Kollegen vor allem die Flugrouten über dem Atlantik untersucht. Doch sie vermuten, dass auch andere Strecken betroffen sein könnten. „Wir müssen außerdem noch untersuchen, ob und wie sich die Höhe der Turbulenz-Zonen verändert“, sagt Williams. (Advances in Atmospheric Sciences, 2017; doi: 10.1007/s00376-017-6268-2)

(Institute of Atmospheric Physics, Chinese Academy of Sciences, 07.04.2017 – NPO)

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