CO2-Detektiv im Weltraum weist erhöhte CO2-Konzentrationen aus regionalen Emissionen nach Dicke Luft über Mitteleuropa - scinexx | Das Wissensmagazin
Anzeige
Anzeige

CO2-Detektiv im Weltraum weist erhöhte CO2-Konzentrationen aus regionalen Emissionen nach

Dicke Luft über Mitteleuropa

Satellitenmessungen des CO2 über Europa © Institut für Umweltphysik der Universität Bremen

Umweltforschern ist es erstmals gelungen, mittels Satellitenmessungen erhöhte regionale Konzentrationen des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) nachzuweisen, die vom Menschen verursacht wurden. Danach befindet sich das meiste CO2 über Europas Hauptballungsgebiet, das sich von Amsterdam bis etwa Frankfurt erstreckt. Die Wissenschaftler berichten über ihre Ergebnisse in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Atmospheric Chemistry and Physics Discussion“.

Die Untersuchung basiert auf der Auswertung von Satellitendaten, die innerhalb von drei Jahren durch das Instrument SCIAMACHY (Scanning Imaging Absorption Spectrometer for Atmospheric Chartography) an Bord des ESA-Umweltsatelliten ENVISAT gesammelt wurden.

Interpretation der Daten schwierig

„Die Interpretation dieser Daten ist nicht einfach, da es keine exakte Zuordnung zwischen lokalen Kohlendioxid-Emissionen und gemessener lokaler Erhöhung der atmosphärischen CO2-Konzentration gibt“, so Michael Buchwitz vom Institut für Umweltphysik der Universität Bremen, der zusammen mit Kollegen die neue Studie durchgeführt hat. „Dies liegt im Wesentlichen daran, dass CO2 aufgrund seiner langen Lebensdauer weit transportiert wird und die Satellitenmessungen nicht lückenlos sind.“

Vergleich Satellitenmessungen und bodennahe Messungen © Institut für Umweltphysik der Universität Bremen

Ein weiter Grund für die erschwerte Zuordnung von Kohlendioxid-Quelle und -Konzentration liegt darin, dass bereits sehr viel CO2 in der Luft enthalten ist, global etwa 3000 Milliarden Tonnen. Selbst eine starke Quelle führt daher nur zu einer kleinen regionalen Erhöhung gegenüber der großen Hintergrundkonzentration. Außerdem werden die vom Menschen verursachten Emissionen von starken jahreszeitlichen Schwankungen der atmosphärischen CO2-Konzentration überlagert.

Satellitendaten belegen CO2-Anstieg

Seit Jahrzehnten beobachten Umweltforscher in bodennahen Messungen einen kontinuierlichen Anstieg des CO2, hauptsächlich verursacht durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe, überlagert von starken jahreszeitlichen Schwankungen. „Beides können wir seit Kurzem auch klar in unseren Satellitendaten erkennen“, so Buchwitz.

Anzeige

Um global die Verteilung der Kohlendioxid-Konzentrationen vom Weltraum aus bestimmen zu können, entwickeln die Bremer Umweltforscher unter anderem im Auftrag des DLR physikalisch-mathematische Methoden, mit denen die Daten von SCIAMACHY ausgewertet wurden. Wie sich nun zeigte, lässt die Empfindlichkeit dieser Messdaten auch die Beobachtung regionaler CO2-Konzentrationsmuster zu.

Kohlendioxid ist das wichtigste vom Menschen verursachte Treibhausgas und trägt am stärksten zum weltweiten Klimawandel bei. Die Hauptquelle von CO2 ist die Verbrennung fossiler Brennstoffe, also von Öl, Kohle und Gas, zum Beispiel durch Verkehr, Industrie oder im Haushalt.

CO2-Detektiv im Weltraum

Amsterdam bis etwa Frankfurt erstreckt. © Institut für Umweltphysik der Universität Bremen

SCIAMACHY ist das erste und derzeit weltweit einzige Satelliteninstrument überhaupt, welches diese Messungen durchführt. Seit dem Jahre 2002 befindet es sich an Bord des Satelliten ENVISAT in der Erdumlaufbahn und liefert Informationen über den Zustand der Erde. Es wird erwartet, dass SCIAMACHY noch deutlich über das Jahr 2010 hinaus wertvolle Messdaten liefern wird.

Das Satelliteninstrument SCIAMACHY misst die von Erdboden und Atmosphäre zurück gestreute Sonnenstrahlung. Aus diesen Messungen lassen sich die atmosphärischen Konzentrationen einer Vielzahl von Spurengasen bestimmen, die für die Luftqualität, den Treibhauseffekt und die Ozonchemie wichtig sind. Die Projektleitung haben das DLR und die Niederländische Raumfahrtagentur (NIVR) inne. Die wissenschaftliche Leitung des Projektes liegt beim Institut für Umweltphysik der Universität Bremen.

(Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)/Universität Bremen, 19.03.2008 – DLO)

Anzeige

In den Schlagzeilen

Diaschauen zum Thema

Dossiers zum Thema

Klimawandel - Bringt der Mensch das irdische Klima aus dem Gleichgewicht?

Mega-Cities - Fehlentwicklung oder Modell für das 21. Jahrhundert?

News des Tages

Barentssee

Größtes Delta der Erde identifiziert

Pille für den Mann in Sicht?

Bücher zum Thema

Eine unbequeme Wahrheit - von Al Gore, Richard Barth, Thomas Pfeiffer

Wir Wettermacher - von Tim Flannery

Genius - Task Force Biologie - Strategiespiel zu umweltwelt- verträglichem Handeln

Fair Future - Ein Report des Wuppertal Instituts

Wodurch sind wir in die ökologische Bedrohung geraten? - von Jaspar von Oertzen und Franz Alt

Globale Umweltprobleme - Ursachen und Lösungsansätze von Eike Roth

Wetter und Klima - Das Spiel der Elemente - Atmosphärische Prozesse verstehen und deuten von Harald Frater (Hrsg.)

Wetterwende - Vision: Globaler Klimaschutz von Hartmut Graßl

Atmosphäre im Wandel - Die empfindliche Lufthülle unseres Planeten von Thomas E. Graedel, Paul J. Crutzen

Top-Clicks der Woche

Anzeige
Anzeige