Hans Joachim Schellnhuber, Beate Weber und Konvekta-Macher erhalten Auszeichung Deutscher Umweltpreis für Klimapioniere - scinexx | Das Wissensmagazin
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Hans Joachim Schellnhuber, Beate Weber und Konvekta-Macher erhalten Auszeichung

Deutscher Umweltpreis für Klimapioniere

Der Klimaforscher Prof. Dr. Hans Joachim Schellnhuber bekommt den Deutschen Umweltpreis 2007 der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). © DBU

Der Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) steht dieses Mal ganz im Zeichen des Klimaschutzes: Die mit 500.000 Euro dotierte Auszeichnung erhalten im Jahr 2007 der Direktor des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), Professor Hans Joachim Schellnhuber, der Gründer der Schwalmstädter Firma Konvekta, Carl H. Schmitt und sein Entwicklungsleiter Professor Jürgen Köhler, sowie die langjährige Oberbürgermeisterin Heidelbergs, Beate Weber.

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Schellnhuber wird geehrt, weil er mit seinem Institut die internationale politische Diskussion zur Lösung des Klimaproblems entscheidend geprägt habe. Köhler und Schmitt, weil sie einen wesentlichen Beitrag geliefert hätten, Kohlendioxid als Ersatz für chemische Klimakiller-Kältemittel in Fahrzeug-Klimaanlagen marktreif zu machen, und Weber, weil sie Heidelberg im Klima- und Umweltschutz zu einer führenden Großstadt in Deutschland gestaltet habe, so die Jury. Bundespräsident Köhler wird den höchstdotierten Umweltpreis Europas am 28. Oktober 2007 in Aachen überreichen.

Kreativer Denker

Bei der Vorstellung der neuen Preisträger würdigte DBU-Generalsekretär Fritz Brickwedde Schellnhuber heute als „einen der herausragendsten und kreativsten Denker, den die deutsche Umweltforschung hat“. Schellnhuber besteche durch eine Vielzahl innovativer Forschungsansätze, mit denen er die Lösung globaler Umweltprobleme im kommenden Jahrhundert aufgezeigt habe. Mit unendlicher Energie und Ausdauer habe er als einer der Ersten nachhaltige Lösungen des Klimaproblems eingefordert und mit dem einzigartigen wissenschaftlichen Ruf seines Instituts die internationale politische Diskussion zur Lösung des Klimaproblems entscheidend geprägt. Durch seine unermüdliche Arbeit in Potsdam und durch seine Tätigkeiten als Mitglied bedeutendster Wissenschaftsakademien sei er auch international ein „äußerst einflussreicher wissenschaftlicher Berater in der Klimapolitik“.

Schellnhubers wissenschaftliche Visionen und sein Mut zur Überwindung der klassischen disziplinären Grenzen seien Inspiration und Vorbild für viele junge Wissenschaftler. Brickwedde: „Insbesondere durch die von Professor Schellnhuber entwickelten Modellierungsmethoden können wir das ‚Phänomen Klimawandel‘ heute besser verstehen und den Konsequenzen zielgerichtet begegnen.“

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Kohlendioxid als Kältemittel

Das Gespann Köhler/Schmitt der mittelständischen Firma Konvekta habe dagegen gezeigt, dass auch mit relativ bescheidenen Mitteln wichtige Vorarbeiten für den möglichen Einsatz von Kohlendioxid als Kältemittel in der Fahrzeug-Klimatisierung geleistet werden könnten. Zum Nutzen für den Schutz des Klimas. Denn aus undichten Klimaanlagen, bei Unfällen oder bei der Wartung und Entsorgung von Autos entwichen heute noch eingesetzte Kältemittel regelmäßig, die mitverantwortlich für den Treibhauseffekt seien. In großen Dimensionen, wie Brickwedde betont: „Der Kohlendioxid-Ausstoß rund 2,5 Millionen sparsamer Kleinwagen mit einer Jahresfahrleistung von 15.000 Kilometern könnte durch den Einsatz alternativer Kältemittel kompensiert werden.“

Haben den Blick weit nach vorn gerichtet: Die Träger des Deutschen Umweltpreises 2007 (v.l.) Prof. Dr.-Ing. Jürgen Köhler, Direktor des Instituts für Thermodynamik der TU Braunschweig und langjähriger Entwicklungsleiter bei Konvekta, sowie Carl H. Schmitt, Gründer der Schwalmstädter Firma. Konvekta stellt Klimaanlagen mit Kohlendioxid als Kältemittel in Fahrzeugen her. © DBU

Trotz erheblicher technischer und finanzieller Risiken hätten Schmitt und Köhler die Entwicklung dieser Technologie im Nutzfahrzeugbau über 15 Jahre maßgeblich und bis zur Serieneinführung vorangetrieben. Hohe persönliche und unternehmerische Risiko- und Leistungsbereitschaft gepaart mit einer herausragenden fachlichen und wissenschaftlichen Qualifikation stellten die Basis für diese erfolgreiche Technologieentwicklung in einer Branche dar, die eher von Großunternehmen geprägt sei.

Wenn sich die Autoindustrie dazu durchgerungen habe, in ihren Klimaanlagen die heutigen Klimakiller-Kältemittel gemäß EU-Verordnung ab 2011 durch Kohlendioxid zu ersetzen, das ein 1.300fach geringeres Treibhauspotenzial besitze, sei das wesentlich auch auf die Firma Konvekta zurückzuführen. Sie habe die Funktionstüchtigkeit dieser Technik demonstriert und bewiesen, dass es auch nachhaltig und umweltfreundlich gehe.

Engagierte in Sachen Klima- und Umweltschutz

Beate Weber sei in ihrer 16-jährigen Amtszeit als Oberbürgermeisterin Heidelbergs die treibende Kraft in Sachen Klima- und Umweltschutz gewesen. Auch die Belange des Naturschutzes habe sie immer nachdrücklich vertreten. Lange, bevor die Lokale Agenda 21 in aller Munde gewesen sei und zu einer Zeit, „als für viele Klimaschutz noch ein Fremdwort war“, so Brickwedde, habe Heidelberg „Maßstäbe im kommunalen Umweltschutz gesetzt“. In einer auf Kooperation angelegten Klimaschutzkampagne habe Heidelberg bereits 1991 Bürger, Angestellte der Stadt und Planer motiviert, den Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid zu senken. Heidelberg habe ab 1994 in wenigen Jahren den Klimagasausstoß für städtische Liegenschaften von 39.000 Tonnen auf rund 25.400 Tonnen jährlich zurückgefahren – ein Rückgang von 35 Prozent.

Dabei habe die Ökonomie im Ökologiekonzept der Stadt immer eine große Rolle gespielt. Der „Stadtentwicklungsplan Heidelberg 2010“ verfolge konkrete Maßnahmen für systematischen Umweltschutz, dessen elementarer Bestandteil eine zukunftsorientierte Wirtschaftspolitik sei. Weber und ihre Mitstreiter hätten so bewiesen, dass Umweltschutz nicht im Gegensatz zu wirtschaftlichen und sozialen Interessen stehe. Brickwedde: „Die Auszeichnung von Frau Weber mit dem Deutschen Umweltpreis ist nicht nur für die Stadt Heidelberg, sondern auch für die vielen ehrenamtlich und hauptamtlich im kommunalen Umweltschutz tätigen Bürgerinnen und Bürger in Deutschland ein ermutigendes Signal, in den Anstrengungen für eine gesicherte zukünftige Entwicklung auch für unsere Kinder und Kindeskinder nicht nachzulassen“.

(idw – Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), 27.09.2007 – DLO)

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