Bleiverbindungen im Makeup wirkten stimulierend auf das Immunsystem Ägypter: Augenschminke als Krankheitsschutz - scinexx | Das Wissensmagazin
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Bleiverbindungen im Makeup wirkten stimulierend auf das Immunsystem

Ägypter: Augenschminke als Krankheitsschutz

Schon Pharaonin Nofretete legte Wert auf Augen-Makeup © Philip Pikart/ CC-by-sa 3.0

Bisher galt das dicke schwarze Augen-Makeup der alten Ägypter eher als schädlich, weil es Blei enthielt. Doch jetzt haben französische Forscher Überraschendes entdeckt: Die Bleiverbindungen in der Schminke mobilisieren bei Hautzellen in Kultur einen wichtigen Signalstoff des Immunsystems. Dies macht die Zellen widerstandsfähiger gegenüber Angriffen von Krankheitserregern, wie die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „Analytical Chemistry“ berichten.

Königin Nofretete trug es und viele andere ihrer Zeitgenossen und -genossinnen auch: Eine dicke schwarze Paste umrahmte die Augen und hob sie effektvoll hervor. Die alten Ägypter glaubten, dass diese Schminke nicht nur die Schönheit betonte, sondern auch magisch wirkte. Wer es trug, den beschützten die Götter Horus und Ra gegen Krankheiten. In der Neuzeit allerdings hatte das Makeup der Ägypter eher einen schlechten Ruf, denn die Paste enthielt Blei, ein normalerweise eher als Gift bekanntes Element.

Bleiverbindungen gezielt erzeugt?

Jetzt allerdings wurde die Bleischminke zumindest teilweise rehabilitiert. Denn Christian Amatore, Philippe Walter und ihre Kollegen von der Universität Paris entdeckten eine eindeutig positive Wirkung der Bleiverbindungen auf das Immunsystem.

Für ihre Studie analysierten die Forscher 52 Proben aus Schminkebehältern des alten Ägypten, die im Louvre-Museum in Paris aufbewahrt wurden. In ihnen fanden sie vier verschiedene bleihaltige Verbindungen, von denen zwei nicht natürlich vorkommen, sondern gezielt von ägyptischen „Chemikern“ synthetisiert worden sein müssen. Aber warum?

Anschub für wichtigen Immun-Signalstoff

Im nächsten Schritt setzten sie Laborkulturen von Hautzellen diesen Substanzen aus und entdeckten Überraschendes: Anstatt schwere Schäden auszulösen, förderten die Bleiverbindungen die Produktion von Stickoxiden in den Zellen. Diese gelten als wichtige Signalstoffe, die das Immunsystem anregen und bei der Abwehr gegen Krankheiten helfen. Angeregt durch die Bleisubstanzen produzierten die Zellen sogar 240 Prozent mehr Stickoxid als normal.

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Schutzwirkung gegen Augeninfektionen

Nach Ansicht der Wissenschaftler belegt dies, dass die Bleischminke im alten Ägypten nicht nur eine „magische“, sondern auch eine tatsächlich gegen Infektionen schützende Wirkung entfaltete. Gerade in den sumpfigen, häufig überschwemmten Gebieten entlang des Nils waren Augeninfektionen durch Bakterien vermutlich häufig, so die Forscher. Daher könnten die Ägypter das Makeup gezielt als Schutz und zur Behandlung solcher Krankheiten eingesetzt haben.

(American Chemical Society, 13.01.2010 – NPO)

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