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Schlafmangel verändert unsere Wahrnehmung

Übernächtigte Personen schätzen Gesichtsausdrücke von Mitmenschen negativer ein

Gesichter
Wenn wir unausgeschlafen sind, erscheinen uns andere Menschen unattraktiver und weniger vertrauenswürdig. © pixelfit/ Getty images

Durch die negative Brille: Wenn wir unter Schlafmangel leiden, sehen wir unsere Mitmenschen mit anderen Augen, wie ein Experiment enthüllt. Die Testpersonen stuften die Gesichter anderer Menschen als unattraktiver, ungesünder und weniger vertrauenswürdig ein, wenn sie übernächtigt waren. Das könnte bedeuten, dass Schlafmangel das Sozialverhalten negativ beeinflusst: Wem der Schlaf fehlt, der mag auch seine Mitmenschen nicht.

Ein ausreichender Schlaf ist für Körper und Geist unverzichtbar. Fehlt er, sind wir nicht nur müde, unkonzentriert und reizbar, der Schlafmangel wirkt sich auch auf unser Schmerzempfinden, unser Gedächtnis und unser Sozialverhalten aus. Denn wer zu wenig schläft, wird unsozialer und zieht sich stärker von seinen Mitmenschen zurück.

Schlaflos für die Wissenschaft

Einen möglichen Grund, warum wir im übernächtigen Zustand unsere Mitmenschen eher meiden, könnten nun Lieve van Egmond von der Universität Uppsala in Schweden und ihre Kollegen gefunden haben. Für ihre Studie hatten sie untersucht, ob und wie Schlafmangel die Wahrnehmung und emotionale Bewertung von Gesichtern und Mimik beeinflusst. Dafür verbrachten die 45 teilnehmenden Männer und Frauen jeweils eine Nacht mit acht Stunden Schlaf, eine weitere hingegen schlaflos.

Am nächsten Morgen wurden alle Testpersonen mit einem Eyetracker ausgestattet, der ihre Augenbewegungen aufzeichnete, und bekamen dann Porträtfotos von Menschen mit unterschiedlichen Gesichtsausdrücken gezeigt. Zu sehen waren Frauen und Männer mit neutraler, glücklicher, ängstlicher oder wütender Miene. Die Probanden sollten jeweils angeben, wie attraktiv, vertrauenswürdig und gesund sie die Gesichter einstuften. Die Eyetracker-Daten verrieten zudem, wie lange sie bestimmte Gesichtspartien musterten.

Anderer Blick auf Gesichter

Die Auswertung enthüllte deutliche Unterschiede zwischen ausgeschlafenen und übernächtigen Testpersonen. „Die unter Schlafmangel leidenden Teilnehmer verbrachten weniger Zeit damit, die Gesichter zu fixieren“, berichtet van Egmond. „Weil die Mimik aber wichtig ist, um den emotionalen Zustand anderer zu interpretieren, erhöht dies das Risiko, dass man ihre Gefühle falsch oder zu spät wahrnimmt.“

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Tatsächlich bestätigte sich dies in den Einstufungstests: Die Testpersonen bewerteten die Gesichter nach einer schlaflosen Nacht im Schnitt negativer als im ausgeschlafenen Zustand. „Sie stuften die Porträts als weniger attraktiv und weniger vertrauenswürdig ein“, berichtet das Forschungsteam. Gesichter mit neutraler oder ängstlicher Miene wurden dabei eher als unattraktiv bewertet, wütende Gesichter hingegen als wenig vertrauenswürdig.

Veränderte Wahrnehmung fördert soziale Distanz

„Diese Ergebnisse sprechen dafür, dass Schlafmangel mit negativeren sozialen Eindrücken verknüpft ist“, sagt Seniorautor Christian Benedict von der Universität Uppsala. Wer unausgeschlafen ist, der sieht seine Mitmenschen demnach in einem eher schlechteren Licht. Gestützt wird dies durch vorangegangene neurowissenschaftliche Studien, nach denen Schlafmangel die Reaktion der Amygdala verändert – des Hirnareals, das unsere eigenen Gefühle, aber auch emotionale Reize von außen verarbeitet und einstuft.

Nach Ansicht des Forschungsteams könnte dies erklären, warum wir bei Schlafmangel unsere Mitmenschen negativer einschätzen. „Das wiederum könnte dazu führen, dass wir auch weniger motiviert sind, mit anderen zu interagieren“, so Benedict weiter. (Nature and Science of Sleep, 2022; doi: 10.2147/NSS.S360433)

Quelle: Uppsala Universitet

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