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Wie Bewegung die Depression lindert

Sport erhöht die Plastizität des Gehirns und dämpft die Symptome

BEwegung
Ein gezieltes Bewegungsprogramm kann die Symptome der Depression lindern und die Plastizität des Gehirns wieder bessern. © kzenon/ Getty images

Gegen die Apathie: Gezielte Bewegungsprogramme können Menschen mit schwerer Depression auf doppelte Weise helfen, wie nun eine Studie bestätigt. Demnach dämpft der Sport die Depressionssymptome und bringt dem Gehirn gleichzeitig seine Plastizität zurück – die Fähigkeit, sich an neue Reize und Informationen anzupassen. Typischerweise ist diese Grundlage der Lernfähigkeit durch eine Depression stark eingeschränkt.

Eine Depression kann fast jeden treffen: In Deutschland leidet fast jeder zehnte Mensch im Laufe seines Lebens unter dieser psychischen Erkrankung – Tendenz steigend. Ursache sind meist komplexe Wechselwirkungen von genetischen, psychologischen und äußeren Faktoren. So spielen Stress, Konflikte und Überlastung im Alltag eine Rolle, aber auch der Chronotyp, die Jahreszeit und verstärkte soziale Isolation, wie beispielsweise während der Corona-Pandemie.

Gezieltes Bewegungsprogramm für Depressionspatienten

Ob eine gezielte Bewegung die Depression lindern und ihr vielleicht sogar vorbeugen kann, haben nun Wanja Brüchle von der Ruhr-Universität Bochum (RUB) und seine Kollegen näher untersucht. Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass Menschen mit Depressionen sich nicht nur zurückziehen, sondern auch körperlich inaktiv werden. Parallel dazu verringert sich meist die Dichte der Synapsen im Gehirn und auch die Neuroplastizität ist verringert – die Fähigkeit des Gehirns, sich an neue Erfahrungen anzupassen.

Für ihre Studie untersuchte das Team den psychischen und neurologischen Zustand von 41 in einer Klinik behandelten Depressionspatienten. Die Hälfte der Teilnehmer absolvierte währenddessen neben den psychologischen Therapien auch ein dreiwöchiges Bewegungsprogramm. Das Programm umfasste neben klassischen Aufwärmübungen vor allem Bewegungsspiele, bei denen die Patienten mit einem Partner oder der Gruppe zusammenarbeiten mussten.

„So wurden gezielt auch Motivation und soziales Miteinander gefördert und Ängste vor Herausforderungen sowie negative Erfahrungen mit körperlicher Aktivität – Stichwort Schulsport – abgebaut“, erklärt Seniorautorin Karin Rosenkranz von der RUB.

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Positive Wirkung auf Symptome und neuronale Plastizität

Nach drei Wochen zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen den beiden Patientengruppen: Die Depressions-Symptome hatten sich bei den Teilnehmern der Bewegungsgruppe deutlich stärker abgemildert als in der normalen Therapiegruppe, wie standardisierte Tests ergaben. Die Patienten berichteten von deutlich weniger Pessimismus, Entscheidungsunfähigkeit und Ängsten, so die Forschenden. Auch ihre Antriebslosigkeit besserte sich.

Parallel dazu zeigten sich auch im Gehirn Veränderungen: Das gezielte Bewegungsprogramm hatte die Plastizität und damit die Anpassungsfähigkeit im Motorcortex, dem für Körperbewegungen zuständigen Hirnareal, signifikant erhöht. Da viele weitere Hirn-Netzwerke eng mit diesem Areal verknüpft sind, strahlen diese positiven Veränderungen aus, wie das Team erklärt. Insgesamt erhöht sich dadurch die bei Depressiven verringerte Veränderungsbereitschaft des Gehirns wieder.

Bewegung als Hilfe bei Vorbeugung und Therapie

„Das zeigt, dass es einen Effekt von körperlicher Aktivität auf Symptome und Veränderungsbereitschaft des Gehirns gibt“, sagt Rosenkranz. „Es ist bekannt, dass körperliche Aktivität dem Gehirn gut tut, da sie zum Beispiel die Neubildung von Verbindungen von Nervenzellen fördert. Dies könnte durchaus auch hier eine Rolle spielen.“ Die neurophysiologischen Veränderungen wiederum könnten zur Besserung der psychischen Symptome beitragen.

„Je mehr die neuronale Veränderungsbereitschaft anstieg, desto deutlicher rückläufig waren die klinischen Symptome“, so Rosenkranz. „Die Ergebnisse zeigen, wie wichtig vermeintlich einfache Dinge wie körperliche Aktivität in der Behandlung und Vorbeugung von Erkrankungen wie Depressionen sind.“ (Frontiers in Psychiatry, 2021; doi: 10.3389/fpsyt.2021.660642)

Quelle: Ruhr-Universität Bochum

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