Studie zeigt Zusammenhang zwischen Migräneattacken und nachlassendem Stress Weniger Stress – trotzdem Migräne? - scinexx | Das Wissensmagazin
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Studie zeigt Zusammenhang zwischen Migräneattacken und nachlassendem Stress

Weniger Stress – trotzdem Migräne?

Eine Migräneattacke löst innerhalb von Minuten im Kopf der Betroffenen ein wahres Gewitter aus: Gehirnstoffwechsel und Durchblutung geraten aus dem Tritt und lösen bohrende und pulsierende Schmerzen aus. Oft einseitig im Schläfenbereich oder hinter einem Auge konzentriert, erreichen die Schmerzen eine Stärke, die einen Menschen fällen kann wie eine Axt. Helles Licht oder laute Geräusche sind dann die reine Folter, heftige Bewegungen lösen Übelkeit bis zum Erbrechen aus. Linderung verschafft oft nur Ruhe und ein abgedunkelter Raum, manchmal auch eine kühlende Kompresse. © SXC / Podbregar

Migräne durch Entspannung? Was paradox klingt, haben US-amerikanische Neurologen in einer Studie festgestellt: In der Erholungsphase unmittelbar nach einer stressreichen Zeit ist das Migränerisiko drastisch erhöht. Im Fachjournal „Neurology“ geben die Wissenschaftler auch einen Tipp, wie sich dieses Risiko wieder senken lässt: Rechtzeitig entspannen und gar nicht erst so viel Stress anhäufen.

Migräne gehört zu den häufigsten Ursachen regelmäßiger Kopfschmerzen. Etwa jeder zehnte Mensch in Deutschland war schon einmal davon betroffen oder leidet unter wiederkehrenden Attacken. Viele Migränepatienten können jedoch die Zahl ihrer Migräneanfälle verringern, indem sie bestimmte Auslöser meiden. Ein regelmäßiger Schlafrhythmus und Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel sind Beispiele für einen solchen angepassten Lebensstil. Auch erhöhter Stress gilt schon seit längerem als Risikofaktor für die schmerzhaften Attacken.

Drei Monate detailliertes Tagebuch

Eine Studie von US-amerikanischen Neurologen kommt nun zu dem Ergebnis, dass auch ein nachlassendes Stressniveau ein erhöhtes Migränerisiko mit sich bringt. Die Mediziner um Richard Lipton vom Albert Einstein College of Medicine in New York ließen die Teilnehmer ihrer Studie drei Monate lang ein elektronisches Tagebuch führen.

In diesem speziell für die Studie programmierten Tagebuch notierten die Versuchspersonen Informationen über auftretende Migräneattacken und mögliche Auslöser. Empfundenen Stress verzeichneten sie ebenfalls, und ob sie sich zum Beispiel fröhlich, niedergeschlagen, entspannt, nervös oder gelangweilt fühlten. Hinzu kamen weitere Details zum Lebensstil und möglichen Migräne-Auslösern wie Schlafzeiten, bestimmte Nahrungsmittel und Alkohol.

Fast fünfmal höheres Migränerisiko

Bei 17 Studienteilnehmern traten in den drei Monaten der Studie insgesamt 110 Migräneattacken auf. Insgesamt 2.011 Tagebucheinträge hatten die Forscher auszuwerten. Das Ergebnis überraschte die Mediziner: „Diese Studie zeigt einen bemerkenswerten Zusammenhang zwischen der Abnahme von empfundenem Stress und dem Auftreten von Migränekopfschmerz“, erklärt Studienleiter Lipton.

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Bei nachlassendem Stress war das Migränerisiko in den ersten sechs Stunden danach fast fünfmal höher als zu anderen Zeiten.

Besonders interessant dabei: Wie stark oder wie wenig gestresst die Probanden sich generell fühlten, hatte keine Auswirkung auf ihre Migräne. Allein das Nachlassen des Stressniveaus ließ die Häufigkeit der Kopfschmerzattacken in die Höhe schnellen. Wer keinen Stress hat, bei dem kann er allerdings auch nicht nachlassen.

Bei erhöhtem Stress wird das schmerzlindernde Hormon Cortisol ausgeschüttet. Die Neurologen spekulieren, dass ein schwankender Cortisol-Spiegel bei nachlassendem Stress zur Migräne beiträgt. Die Wissenschaftler raten Migränepatienten daher, besonders auf ihr Stressniveau zu achten. „Es ist wichtig, wachsenden Stress rechtzeitig zu bemerken und sich in stressreichen Zeiten zu entspannen, damit er sich nicht übermäßig aufstaut“, sagt Co-Autorin Dawn C. Buse. Ihre Empfehlung sind einfache Entspannungstechniken wie Yoga oder ein ruhiger Spaziergang, oder auch schlicht ein paar Minuten ruhiges und bewusstes Atmen. (Neurology, 20141; doi: 10.1212/WNL.0000000000000332)

(Albert Einstein College of Medicine, 27.03.2014 – AKR)

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