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Weitere Corona-Verschärfungen in Europa

EU und Länder reagieren auf starken Anstieg von Neuinfektionen

Corona in Eruopa
In fast ganz Europa gehen die Fallzahlen hoch. © domin_domin/ iStock

Fast überall in Europa steigen die Corona-Fallzahlen – in mehreren Ländern wurden daher jetzt die Maßnahmen verschärft. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kündigte nach einem neuen Höchststand von fast 19.000 Neuinfektionen an einem Tag „weitere Einschränkungen“ an. Italien und Polen führen eine landesweite Maskenpflicht im Freien ein, in Brüssel sind seit Donnerstag alle Cafés und Bars geschlossen.

Den Sommer über schien die Corona-Pandemie zumindest bei uns in Europa halbwegs im Griff, jetzt droht sie trotz aller Maßnahmen erneut außer Kontrolle zu geraten. In Frankreich, Spanien und Großbritannien liegen die Zahlen der Neuinfektionen inzwischen fast täglich oberhalb der 10.0000er-Marke. Und selbst in den deutlich bevölkerungsärmeren Benelux-Ländern liegen die Neuinfektion bei mehreren tausend pro Tag – ähnlich wie auch in Deutschland.

Paris, Brüssel und Edinburgh: Bars und Cafés bleiben zu

Deshalb haben nun viele Länder die Konsequenz gezogen und eine Verschärfung der Maßnahmen beschlossen. In Frankreich drohen verschärfte Corona-Maßnahmen nach den Worten von Präsident Macron vor allem in Gebieten, in denen die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus „zu schnell voranschreitet“. Dies könnte Großstädte wie Lyon, Lille, Grenoble und Toulouse treffen.

Die Pariser Gesundheitsbehörde warnte die Krankenhäuser vor einer „sehr großen Welle“ von Corona-Patienten und rief zur Mobilisierung aller Kräfte auf. Derzeit sind nach ihren Angaben bereits 40 Prozent der Intensivbetten in der französischen Hauptstadt belegt, in zwei Wochen dürften es demnach bereits 50 Prozent sein. Seit Dienstag gilt in Paris die höchste Corona-Warnstufe, unter anderem mussten alle Bars und Cafés schließen.

Auch in Brüssel hieß es „letzte Runde“: In der belgischen Hauptstadt als Sitz der EU-Institutionen machten vorerst für einen Monat alle Bars und Cafés zu. Wie in Frankreich können Restaurants unter strengeren Auflagen vorerst offen bleiben. Zuvor hatte auch Schottland die Schließung von Pubs in den größten Städten Glasgow und Edinburgh angeordnet.

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Italien und Polen: Maske auf auch im Freien

Italien führte wegen des Anstiegs der Neuinfektionen eine landesweite Maskenpflicht im Freien ein. Wer beim Verlassen seiner Wohnung keine Maske trage, riskiere eine Geldstrafe von bis zu eintausend Euro, sagte Regierungschef Giuseppe Conte. Auch Polen kündigte eine landesweite Maskenpflicht im öffentlichen Raum ab Samstag an. „Die zweite Welle ist da“, sagte Regierungschef Mateusz Morawiecki.

Wie Polen und Frankreich verzeichnete auch Österreich einen neuen Höchststand bei den Neuansteckungen mit über 1.200 Fällen binnen 24 Stunden. Laut einer Umfrage des Instituts Gallup glaubt nur noch gut jeder Zweite, dass die Regierung die Lage im Griff hat.

Streit um Lockdown in Madrid

In der spanischen Hauptstadt Madrid ist der sogenannte Inzidenzwert mit wöchentlich mehr als 700 Neuansteckungen pro 100.000 Einwohnern mit Abstand der höchste in der EU. Seit Samstag dürfen die Bewohner der spanischen Hauptstadt und neun nahegelegener Gemeinden ihre Stadt nur noch zum Arbeiten, für die Schule oder aus medizinischen Gründen verlassen. Die linksgerichtete Zentralregierung begründete die drastischen Maßnahmen unter anderem mit dem massiven Anstieg der Neuansteckungen, die konservative Regionalregierung zog daraufhin vor Gericht.

Dieses hat den zuvor von der spanischen Zentralregierung angeordneten Teil-Lockdown für den Großraum Madrid zurückgewiesen. Madrids höchstes Regionalgericht begründete dies mit der unzulässigen Beschränkung der „Rechte und fundamentalen Freiheiten“ der betroffenen 4,5 Millionen Einwohner. Die Zentralregierung sei zu derartigen Maßnahmen nicht befugt, dies liege in der Entscheidungsgewalt der Regionalregierungen. Ohne das grüne Licht der Justiz kann die Polizei Verstöße gegen die Beschränkungen nun nicht ahnden.

EU ordert Remdesivir

Um die Behandlung von Covid-19-Patienten zu verbessern, hat die EU-Kommission 500.000 weitere Dosen des Corona-Mittels Remdesivir bei dem US-Pharmahersteller Gilead reserviert. Dieses ursprünglich gegen Ebola entwickelte antivirale Medikament soll einem schweren Verlauf der Infektion entgegenwirken, indem es die Vermehrung von SARS-CoV-2 hemmt. Während Tests mit bereits schwererkrankten Covid-Patienten nur bedingt überzeugend ausfielen, zeigte ein früher Einsatz bei Rhesusaffen eine stärkere Wirkung.

Remdesivir hat in der EU seit Anfang Juli 2020 eine bedingte Zulassung erhalten. Es darf bei Covid-19-Patienten eingesetzt werden, die an einer Lungenentzündung leiden und beatmet werden müssen. Auch in den USA gibt es eine Notfallzulassung, US-Präsident Donald Trump wurde mit diesem Mittel behandelt.

Quelle: Agence France-Presse

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