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Warum ist Darmkrebs bei Männern häufiger als bei Frauen?

Bisher bekannte Risikofaktoren erklären verstärktes Auftreten nur zum Teil

Darmkrebs
Darmkrebs tritt bei Männern häufiger auf als bei Frauen – aber warum?© peterschreiber.media/ Getty images

Erhöhtes Risiko: Männer erkranken häufiger an Darmkrebs als Frauen – das ist bekannt. Doch bekannte Risikofaktoren wie die Ernährung oder der Lebensstil können diese geschlechtsspezifischen Unterschiede nur zum Teil erklären, wie nun eine Studie zeigt. Welche weiteren Ursachen Männer anfälliger für Darmkrebs machen, bleibt vorerst rätselhaft. Womöglich haben die Hormone mehr Einfluss als bislang angenommen.

Darmkrebs zählt zu den häufigsten Krebsarten weltweit. Allein in Deutschland erkranken jedes Jahr rund 55.000 Menschen daran, darunter deutlich mehr Männer als Frauen. Zu den Risikofaktoren zählen unter anderem Rauchen sowie ein hoher Konsum von rotem Fleisch. Beides kommt bei Männern häufiger vor als bei Frauen. In Studien haben Wissenschaftler zudem erste Hinweise für hormonelle Einflüsse auf das Darmkrebs-Wachstum gefunden – allerdings bei Taufliegen.

Den Geschlechterunterschieden auf der Spur

Ob bekannte Risiko- und Schutzfaktoren allerdings die Geschlechterunterschiede beim Darmkrebsrisiko vollständig erklären können, war bislang unklar. Um diese Frage zu beantworten, hat ein Team um Tobias Niedermaier vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg nun die Daten von fast 16.000 Männern und Frauen zwischen 55 und 79 Jahren ausgewertet, die eine Darmspiegelung zur Darmkrebsvorsorge durchführen ließen.

„Dabei haben wir die wichtigsten bekannten und vorgeschlagenen Risikofaktoren berücksichtigt“, berichten die Forscher: „Alter, familiäre Vorbelastung mit Darmkrebs, Diabetes, frühere Koloskopie, Einnahme von Aspirin und Statinen, Rauchen, Alkoholkonsum, Body-Mass-Index (BMI), Körpergröße, körperliche Aktivität, Verzehr von rotem und verarbeitetem Fleisch, Obst und Gemüse, Vollkornprodukten und schließlich die Verwendung von Hormonersatztherapie bei Frauen.“

Krebsrate nicht allein durch Risikofaktoren erklärbar

Bei 141 Männern (1,8 Prozent) und 78 Frauen (ein Prozent) stellte sich bei der Darmspiegelung heraus, dass sie Darmkrebs hatten. Bei weiteren 1.049 Männern (13,4 Prozent) und 591 Frauen (7,2 Prozent) wurde ein fortgeschrittenes Adenom im Darm diagnostiziert, ein meist gutartiger Tumor, der allerdings eine Krebsvorstufe sein kann. Sowohl bei Darmkrebs als auch bei fortgeschrittenen Adenomen waren Männer also fast doppelt so häufig betroffen wie Frauen.

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Niedermaier und seine Kollegen berechneten nun, inwieweit die erhobenen Risiko- und Schutzfaktoren diese unterschiedliche Verteilung erklären können. „Viele der Risiko- und Schutzfaktoren unterschieden sich deutlich zwischen Männern und Frauen“, so die Forscher. „Zum Beispiel waren mehr Männer Diabetiker, rauchten häufiger und tranken mehr Alkohol, waren häufiger übergewichtig, trieben weniger Sport und ernährten sich ungesünder.“

All diese Faktoren zusammengenommen, bereinigt um das Alter, konnten 47 Prozent des erhöhten Risikos für Männer erklären. „Im Umkehrschluss heißt das aber, dass wir die Ursachen für die andere Hälfte dieses Risiko-Überschusses noch nicht kennen“, sagt Niedermaiers Kollege Hermann Brenner.

Hormone womöglich wichtiger als gedacht

Wo aber könnte der Grund liegen? Ein bisher unterschätzter Schutzfaktor könnten die weiblichen Hormone sein. „Im Vergleich zu Frauen, die niemals eine Hormonersatztherapie eingenommen haben, war das Risiko der Männer weniger stark erhöht als im Vergleich zu Frauen mit Hormonersatztherapie“, so die Forscher. „Das deutet darauf hin, dass hormonelle Faktoren eine wichtige Rolle für das Darmkrebsrisiko spielen, was das verbleibende übermäßige Risiko für Männer bis zu einem gewissen Grad erklären könnte.“

Um diesen Faktor stärker zu berücksichtigen, empfehlen sie, in zukünftigen Studien auch Daten zu Schwangerschaften, der Einnahme der Anti-Baby-Pille, zum Stillen sowie zum Beginn und Ende der Monatsblutungen zu erheben. „Ein besseres Verständnis der Rolle der hormonellen Faktoren im Laufe des Lebens könnte dazu beitragen, die verbleibende ‚Geschlechterkluft‘ zu erklären“, schreiben die Forscher.

Früherkennung wichtig – gerade für Männer

Eine genaue Kenntnis der individuellen Risikofaktoren kann auch bei der Entscheidung für Früherkennungsangebote helfen. „Auf jeden Fall zeigen unsere Ergebnisse erneut, wie wichtig es insbesondere für Männer ist, die Möglichkeiten zur Darmkrebsvorsorge wahrzunehmen, Stuhltests durchzuführen oder sich für eine Vorsorge-Darmspiegelung zu entscheiden“, sagt Brenner. (International Journal of Cancer, 2021, doi: 10.1002/ijc.33742)

Quelle: Deutsches Krebsforschungszentrum

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