Transgener Träger inaktiviert Kokain in Rattenhirnen Virus blockiert Kokain-Euphorie - scinexx | Das Wissensmagazin
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Transgener Träger inaktiviert Kokain in Rattenhirnen

Virus blockiert Kokain-Euphorie

Wissenschaftler sind einer Heilung der Kokainsucht einen Schritt näher gekommen. Sie haben eine Methode entwickelt, die die Wirkung der Droge im Gehirn beseitigt und so verhindert, dass Euphorie entsteht. Die Forscher hoffen, dass Abhängige auf die Droge verzichten, wenn der „Kick“ ausbleibt.

Die Idee, das Kokain im Körper zu deaktivieren, ist nicht neu. Ein entsprechender Ansatz besteht darin, den Abhängigen Antikörper zu injizieren, die die Droge binden, in dem Bestreben ihrem kraftvollen Effekt entgegenzuwirken. Früher schafften es die Antikörper nicht bis ins Gehirn, deshalb war der Effekt der Behandlung begrenzt. Die neue Methode verwendet ein Virus, das ins Gehirn eindringt und die Antikörper liefert. „Es ist eine niedliche Idee“, kommentiert Arnold Ruoho, Pharmakologe an der Universität von Wisconsin, Madison. Das Virus sei sicher, erklärt er, weil jegliche schädliche Gensequenzen entfernt wurden, dafür wurden Gene für die einschlägigen Antikörper in das Genom des Virus eingefügt.

Diese Behandlung wurde von Kim Janda und ihren Kollegen entwickelt, einer Chemikerin am Scripps Forschungs-Institut in La Jolla, Kalifornien. Sie gaben acht Ratten drei Tage lang zweimal täglich nasale Injektionen mit dem Virus und verglichen sie mit acht anderen Ratten, die keine Behandlung erhielten. Am vierten Tag verabreichten sie allen Ratten eine Dosis Kokain. Die unbehandelten Ratten verhielten sich in charakteristischer Art: sie schnupften, stellten sich auf ihre Hinterbeine und schaukelten vor und zurück. Aber die Ratten, die das Virus bekommen hatten, zeigten viel weniger heftiges Verhalten. „Wenn sie diese Aktivitäten nicht demonstrieren, fühlen sie sich wahrscheinlich nicht high“, sagt Janda.

Obwohl kokainabhängige Menschen Entzugserscheinungen zeigen, ist die treibende Kraft hinter einem Rückfall meist der psychologische Wunsch nach einem Kick, erklärt Janda. Sie hofft, dass Abhängige, die aufhören wollen, diese Behandlung erhalten. „Es unterstützt schwache Momente“, sagt sie. Das Virus bleibt für etwa zwei Wochen im Gehirn, daher könnte sie bei einem Rückfall das Ausbleiben jeglichen euphorischen Gefühls dahingehend demotivieren, die Droge noch einmal zu nehmen.

Die Forscher berichten über ihre Ergebnisse im Wissenschaftsmagazin Nature.

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(Pressetext Europe, 23.06.2004 – DLO)

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