Potenzmittel-Wirkstoff Sildenafil beeinflusst Signalweg in Zellen des malignen Melanoms Viagra fördert Wachstum von Hautkrebs - scinexx | Das Wissensmagazin
Anzeige
Anzeige

Potenzmittel-Wirkstoff Sildenafil beeinflusst Signalweg in Zellen des malignen Melanoms

Viagra fördert Wachstum von Hautkrebs

Der Potenzmittel-Wirkstoff Sidlenafil fördert das Wachstum von Hautkrebs © Steve Gorton/ thinkstock

Viagra soll gegen Erektionsprobleme helfen, steigert aber leider auch die Potenz von Hautkrebs, wie Forscher nun nachweisen. Der Viagra-Wirkstoff Sildenafil greift demnach in den Signalweg von Melanom-Zellen ein und stimuliert das Wachstum der Krebszellen. Dadurch breitet sich der Hautkrebs schneller aus. Hautkrebspatienten sollten daher auf dieses Potenzmittel verzichten, raten die Mediziner.

Sildenafil, auch unter dem Präparatnamen Viagra bekannt, wird häufig bei Männern zur Behandlung von Erektionsproblemen eingesetzt. Doch schon seit einigen Jahren besteht der Verdacht, dass dieser Wirkstoff das Risiko für bösartige Melanome erhöht. Indizien dafür lieferten Studien an insgesamt knapp 40.000 Männern aus Schweden und den USA. Allerdings konnte dabei nicht ausgeschlossen werden, dass es sich nur um eine Korrelation handelt, weil beispielsweise die Männer, die Sildenafil nehmen, auch häufiger in Solarien gehen oder in den Süden reisen.

Jetzt jedoch haben Sandeep Dhayade von der Universität Tübingen und seine Kollegen die Hautkrebs-fördernde Wirkung von Sildenafil auch auf zellbiologischer Ebene nachgewiesen. Sie entschlüsselten den Mechanismus, über den das Potenzmittel das Wachstum von Melanomzellen fördert.

Wachstums-Bremse gelöst

Wie sie feststellten, greift Sildenafil stimulierend in die Wirkung des Botenstoffes cGMP (cyclisches Guanosinmonophosphat) ein. Dieser spielt in vielen komplexen Stoffwechselwegen eine wichtige Rolle, von den Zellen der Blutgefäße und des Herzens bis hin zu Nerven- und Sinneszellen. „Wir haben entdeckt, dass auch Zellen des malignen Melanoms den cGMP-Signalweg für ihr Wachstum nutzen“, berichtet Seniorautor Robert Feil von der Universität Tübingen.

© National Cancer Institute

Normalerweise sorgt in der Zelle das Enzym Phosphodiesterase 5 (PDE5) dafür, dass neu gebildetes cGMP kontinuierlich abgebaut wird, das bremst ein ungeregeltes Zellwachstum. „Die Einnahme von Sildenafil schaltet diese Bremse gewissermaßen aus“, so Feil. Die Folge sei, dass die Melanome stärker zu wachsen beginnen. Dieser biochemische Mechanismus könnte erklären, warum Sildenafil das Melanomrisiko bei Männern erhöht.

Anzeige

Vorsicht für Hautkrebs-Patienten

Wie die Forscher betonen, bedeutet dies nicht, dass Männer nun generell das Potenzmittel nicht mehr einnehmen sollten. Eine gelegentliche Einnahme dieser Mittel zur Behandlung von Erektionsstörungen sei wahrscheinlich unproblematisch. Zudem scheint der Wirkstoff zwar das Wachstum von Melanomen zu begünstigen, nicht aber die Entstehung neuer Melanome.

„Wir gehen davon aus, dass Sildenafil und möglicherweise auch andere PDE5-Hemmer in erster Linie das Fortschreiten bereits vorhandener Melanome verstärken könnten, vor allem wenn diese Medikamente dauerhaft in hohen Dosen eingenommen werden“, sagte Feil. Melanompatienten sollten daher die Verwendung solcher Medikamente mit ihren Ärzten abklären. (Cell Reports, 2016; doi: 10.1016/j.celrep.2016.02.028)

(Universität Tübingen, 11.03.2016 – NPO)

Anzeige

In den Schlagzeilen

Diaschauen zum Thema

Dossiers zum Thema

Kampf gegen den Tumor - Neue Wege bei der Behandlung von Krebs bei Kindern

Des Tumors Kern - Den Krebsstammzellen auf der Spur

Die Macht der Hormone - Alleskönner, Jungbrunnen und Liebestrank?

Viren und Krebs - Entdeckungsgeschichte einer „unmöglichen“ Beziehung

Unter die Haut - Barriere im Belagerungszustand

News des Tages

Labortechnik

Forscher schrumpfen Objekte

Alzheimer: Fehlfaltung der Proteine ist übertragbar

Bücher zum Thema

Das Krebsbuch - Die Volkskrankheit verstehen, erkennen, behandeln, vermeiden von Sarah Majorczyk und Experten der Deutschen Krebsgesellschaft

Die heimlichen Krankmacher - Wie Elektrosmog und Handystrahlen, Lärm und Umweltgifte unsere Gesundheit bedrohen von Lilo Cross und Bernd Neumann

Tabletten, Tropfen und Tinkturen - Medizin im Alltag von Cornelia Bartels, Heike Göllner und Jan Koolman

Top-Clicks der Woche

Anzeige
Anzeige