"Liquid Caps" lassen sich leicht mit Süßigkeiten verwechseln Vergiftungsgefahr durch neue Flüssigwaschmittel - scinexx | Das Wissensmagazin
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"Liquid Caps" lassen sich leicht mit Süßigkeiten verwechseln

Vergiftungsgefahr durch neue Flüssigwaschmittel

Wäsche in der Maschine. Kapseln mit Flüssigwaschmittel können mit Süigkeiten verwechselt werden. © SXC

Täuschende Verlockung: Neue Folienkapseln mit konzentriertem Flüssigwaschmittel sehen Bonbons zum Verwechseln ähnlich. Kinder lassen sich leicht von dem bunten Äußeren täuschen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt vor der Verwechslungsgefahr und ruft zu sicherem Umgang mit den „Liquid Caps“ auf. Hersteller arbeiten bereits an verbesserten Sicherheitsmaßnahmen.

„Liquid Caps“ sind Kapseln mit vorportioniertem Flüssigwaschmittel. In der Waschmaschine löst sich die Folienhülle auf und gibt ein Waschmittelkonzentrat frei. Diese bequeme Art der Dosierung ist jedoch nicht ungefährlich: Die Kapseln haben Ähnlichkeit mit Süßigkeiten. „Gerade für Kinder sind die bunten, glänzenden, wie große Bonbons aussehende ‚Liquid Caps‘ sehr attraktiv“, sagt Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR).

Waschmittel kindersicher aufbewahren

Die bunten Kapseln sehen für Kinder nicht nur verlockend aus, sie lassen sich durch ihre handliche Größe auch leicht in den Mund stecken und zerbeißen. Das BfR warnt deshalb, Packungen mit „Liquid Caps“ unbedingt außerhalb der Reichweite von Kindern aufzubewahren. Angebrochene Packungen sollten immer wieder sicher verschlossen und verstaut werden. Außerdem können erklärende Gespräche mit Kindern und Betreuungspersonen helfen. Nicht nur für Kinder, auch für Erwachsene im hohen Alter, etwa bei bestimmten Erkrankungen oder beginnender Demenz, können die Waschmittelkapseln ein Risiko darstellen.

Das Waschmittel in den Caps ist besonders hoch konzentriert. Daher reichen wahrscheinlich schon geringe Mengen, um die Gesundheit zu beeinträchtigen und Vergiftungserscheinungen auszulösen. Husten, Übelkeit und Erbrechen sind deutliche Anzeichen für eine Vergiftung mit Waschmittel. Wenn Eltern vermuten, dass ihr Kind Reinigungsmittel verschluckt hat, sollten sie jedoch kein Erbrechen auslösen: Waschaktive Stoffe sollten auf keinen Fall in die Lunge gelangen können. Stattdessen sollten Eltern so schnell wie möglich mit dem Kind einen Arzt aufsuchen.

Ausführliche Informationen, was das Kind geschluckt haben könnte, sind hilfreich für eine schnelle Behandlung. Deshalb ist es ratsam, zum Beispiel die Verpackung des Waschmittels mit zum Arzt zu nehmen. Informationen und Hinweise für die richtige Erste Hilfe bieten auch die Giftnotrufzentralen.

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Hersteller reagieren bereits

Einige Waschmittelhersteller haben bereits auf die Hinweise des BfR reagiert und arbeiten daran, die Verpackungen von „Liquid Caps“ kindersicher zu machen. Außerdem wollen sie auf auffällige Farbstoffe verzichten, damit die Kapseln weniger verlockend aussehen. Bitterstoffe auf der Folienhülle könnten in Zukunft ebenfalls dazu beitragen, die Neugier von Kindern zu bremsen.

Grundlage für die Empfehlung des BfR ist die Auswertung von bereits gemeldeten Vergiftungsfällen durch die Kommission „Bewertung von Vergiftungen“. In Großbritannien, Frankreich und Italien sind die praktischen Kapseln schon länger auf dem Markt. In diesen Ländern gibt es jährlich etwa 400 bis 500 Vergiftungsfälle. Deutsche Giftinformationszentren haben seit 2012 rund 150 Fälle dokumentiert. In etwa einem von zehn Fällen kam es dabei zu mindestens mittelschweren Gesundheitsbeeinträchtigungen. Verglichen mit anderen üblichen Wasch- und Reinigungsmitteln macht das die „Liquid Caps“ deutlich riskanter.

(Bundesinstitut für Risikobewertung, 01.04.2014 – AKR)

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