Warum Spielen im Freien der Fehlsichtigkeit vorbeugen kann UVB-Strahlung gegen Kurzsichtigkeit - scinexx | Das Wissensmagazin
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UVB-Strahlung gegen Kurzsichtigkeit

Warum Spielen im Freien der Fehlsichtigkeit vorbeugen kann

Lesen und Stubenhocken fördert Kurzsichtigkeit, Spielen im Freien senkt das Risiko - aber warum? © Cristina Romano/freeimages

Sonnenlicht gegen Fehlsichtigkeit: Forscher haben erste Hinweise darauf gefunden, warum das Spielen im Freien Kinder gegen Kurzsichtigkeit schützt. Demnach könnte dieser Schutzeffekt vor allem mit dem UVB-Anteil des Sonnenlichts zusammenhängen. Auch eine ausreichende Versorgung mit Lutein scheint eine Rolle zu spielen. Keinen Einfluss hat dagegen der Vitamin -Gehalt, wie die Studienergebnisse nahelegen.

Die Kurzsichtigkeit grassiert: In Mitteleuropa brauchen heute schon rund 40 Prozent der Menschen eine Brille, in Asien sind es sogar bis zu 90 Prozent – Tendenz weiter steigend. Bei dieser meist schon in der Kindheit beginnenden Fehlsichtigkeit dehnt sich der Augapfel zu stark aus, dadurch liegt das scharfe Abbild des Gesehenen vor statt direkt auf der Netzhaut.

Die Ursachen für die Kurzsichtigkeit sind einerseits eine genetische Veranlagung, andererseits aber fördern häufiges Lesen und Stubenhocken das übermäßige Wachstum des Augapfels. Wie Studien belegen, trifft die Kurzsichtigkeit daher besonders oft Menschen mit längerer Bildungskarriere.

Draußen spielen hilft – aber warum?

Doch es scheint ein Mittel dagegen zu geben: Halten sich Kinder besonders häufig und regelmäßig im Freien auf, sinkt ihr Risiko, kurzsichtig zu werden und auch das Ausmaß der Fehlsichtigkeit verringert sich. Schon 40 Minuten täglich im Garten, auf dem Spielplatz oder der Straße reichen wahrscheinlich schon aus, um diese vorbeugende Wirkung zu entfalten.

Aber was genau macht den Aufenthalt im Freien so heilsam für die Augen? Einer Hypothese nach fördert das Sonnenlicht die Freisetzung des Botenstoffs Dopamin im Auge – und dieser hemmt wiederum das Wachstum des Augapfels in der Kindheit. Andere Theorien vermuten einen Zusammenhang zu der vom Licht geförderten Produktion von Vitamin D.

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Wie der Aufenthalt im Freien die Kurzsichtigkeit verhindert, ist weiter unklar. Die UV-B-Strahlung scheint aber eine wichtige Rolle zu spielen. © Iohals/ pixabay

Vitamin D scheint nicht involviert

Um mehr über die Wirkungsweise der Vorbeugung durch Licht zu erfahren, haben Astrid Fletcher von der London School of Hygiene and Tropical Medicine und ihre Kollegen eine Studie mit 371 Kurzsichtigen und gut 2.700 normalsichtigen Vergleichspersonen durchgeführt. Die Forscher verglichen die Blutwerte verschiedener Vitamine und Spurenelemente und ermittelten unter anderem, wie stark die Teilnehmer in verschiedenen Lebensphasen der energiereichen UV-B Komponente des Sonnenlichts ausgesetzt waren.

Das Ergebnis: Ein Zusammenhang von Kurzsichtigkeit mit einem Vitamin D-Mangel bestätigte sich nicht. Weder bei den Blutwerten dieses Vitamins noch bei Genvarianten für eine veränderte Verarbeitung dieses Vitamins ließen sich Korrelationen zum Grad der Fehlsichtigkeit finden, wie die Forscher berichten.

UVB ist entscheidend

Fündig wurden Fletcher und ihre Kollegen dagegen bei der UV-Strahlung: Die Teilnehmer, die als Jugendliche und junge Erwachsene häufiger der UVB-Strahlung des Sonnenlichts ausgesetzt waren, litten später seltener an Kurzsichtigkeit. Das bestätigt nicht nur, dass ein häufiger Aufenthalt im Freien der Fehlsichtigkeit vorbeugen kann, es trägt auch dazu bei, das „Warum“ weiter einzuengen.

„Unsere Ergebnisse stützen die Idee, dass UVB und dessen enge Verbindung zur Lichtintensität einer der Faktoren ist, die zur vorbeugenden Wirkung des Aufenthalts im Freien beitragen“, erklärt Katie Williams vom King’s College London. „Aber wir haben keine Belege dafür gefunden, dass UVB über eine gesteigerte Vitamin D-produktion wirkt. Wie viele Dinge in der Biologie sind die Mechanismen, über die verschiedene Faktoren die Kurzsichtigkeit beeinflussen, offenbar komplizierter.“

Lutein als Schutzfaktor?

Überraschend war ein weiterer Fund: Wie die Forscher feststellten, hatten die Teilnehmer mit besonders hohen Werten von Lutein im Blut ein signifikant geringeres Risiko für Kurzsichtigkeit. Lutein gehört zu den Karotinoiden und ist ein in der Natur weit verbreiteter Pflanzenfarbstoff. Im Auge ist Lutein eine wichtige Komponente der Sehfarbstoffe. Es kommt besonders in der Makula vor, der Zone des schärfsten Sehens in der Netzhaut.

Ein ursächlicher Zusammenhang mit der Kurzsichtigkeit war bisher jedoch nicht bekannt. „Wir könnten vermuten, dass Lutein die Sehsinneszellen durch seine antioxidative Eigenschaft schützt und so die Signalgebung und die Entwicklung der Netzhaut beeinflusst“, mutmaßt Williams. „In jedem Falle ist weitere Forschung nötig, um die Verbindung von Lutein und Kurzsichtigkeit zu klären.“ (JAMA Ophthalmology, 2016; doi: 10.1001/jamaophthalmol.2016.4752)

(The JAMA Network Journals, 02.12.2016 – NPO)

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