Neue Virus-Art infiziert das Darmbakterium Escherichia coli Unbekannter Phage in unserem Körper entdeckt - scinexx | Das Wissensmagazin
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Unbekannter Phage in unserem Körper entdeckt

Neue Virus-Art infiziert das Darmbakterium Escherichia coli

Bakteriophagen
In unserem Körper tummeln sich Milliarden von Phagen wie diese - Forscher haben nun eine neue Art entdeckt. © Vincent Fischetti/ Raymond Schuch/ The Rockefeller University/ CC-by-sa 2.5

Mikrobieller Mitbewohner: Mediziner haben in unserem Körper eine bisher unbekannte Phagen-Art entdeckt – ein Virus, das Bakterien befällt. Die neu entdeckte Spezies infiziert das Darmbakterium Escherichia coli. Damit könnte sie auch eine Rolle für die Verbreitung von Antibiotikaresistenzen unter diesen Keimen spielen, wie die Forscher berichten. Denn Phagen können Resistenzgene auf ihre bakteriellen Wirte übertragen.

Der Mensch hat zahlreiche mikrobielle Mitbewohner: Überall auf und in uns leben winzige Organismen – darunter auch Milliarden von Bakteriophagen. Diese speziellen Viren infizieren Bakterien, um sich zu vermehren. Aufgrund ihres schädlichen Einflusses auf die Keime gelten sie inzwischen als möglicher Antibiotika-Ersatz. Gleichzeitig haben die Phagen aber auch eine Schattenseite – Studien deuten darauf hin, dass sie Resistenzgene auf Bakterien übertragen und dadurch Antibiotikaresistenzen fördern können.

Mehr über die Phagengemeinschaft und ihr Wirken in unserem Körper herauszufinden, ist für Mediziner daher von großem Interesse. Catia Pacifico von der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften in Krems und ihre Kollegen haben sich dabei nun speziell jenen Viren gewidmet, die das Darmbakterium Escherichia coli angreifen. Dieses Bakterium spielt für eine ganze Reihe von Erkrankungen eine Rolle und gilt als eine häufige Ursache für Krankenhausinfektionen.

Eine neue Art

Für ihre Studie analysierten die Wissenschaftler 111 Proben von Körperflüssigkeiten wie Blut und Urin, die sie Patienten in einem österreichischen Krankenhaus entnommen hatten. Das Ergebnis: Bakteriophagen, die bestimme E. coli-Stämme infizieren können, fanden sich in fast jeder siebten Probe. Insgesamt identifizierten Pacifico und ihre Kollegen dabei 43 unterschiedliche Phagenarten.

Das Spannende: Neben bereits bekannten Vertretern von Pedovirus- und Tequintavirus-Phagen stießen die Forscher auf eine bisher unbekannte Spezies aus der Unterfamilie der sogenannten Tunavirinae. „Das Vorhandensein von Phagen in so vielen Proben und die Entdeckung einer neuen Art zeigen, wie wenig wir über Phagen im menschlichen Körper wissen“, kommentiert Pacifico.

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Verbreitung auch ohne Wirt

Interessant auch: In fast zwei Drittel der Fälle ließen sich in den Proben zwar Phagen, nicht aber ihre bakteriellen Wirte nachweisen. „Das legt nahe, dass Phagen auch in Abwesenheit ihrer Wirtsbakterien von A nach B transportiert werden können“, erläutert Pacificos Kollegin Friederike Hilbert.

Weil eine unkontrollierte Verbreitung von Phagen womöglich die Bakteriengemeinschaft im Körper aus dem Gleichgewicht bringt und Resistenzen fördert, untersuchten die Wissenschaftler in einem nächsten Schritt, ob sich die Viren mithilfe krankenhausüblicher Desinfektionsmittel bekämpfen lassen. Tests mit isolierten Phagen offenbarten: Das ist keineswegs immer der Fall. „Unsere Ergebnisse zeigten, dass nicht alle Desinfektionsmittel gleich gut in der Lage sind, Phagen zuverlässig zu zerstören“, berichtet Hilbert.

„Virale Dunkle Materie“

Die Forscher hoffen, mit ihren Erkenntnissen einen wichtigen Beitrag zum Verständnis von Phagen und ihrer Rolle für die menschliche Gesundheit zu leisten. Trotz des zuletzt gestiegenen Interesses an diesen auf Bakterien spezialisierten Viren gehörten sie noch immer zur „viralen Dunklen Materie“ unseres Körpers.

Auch die Bedeutung der Phagen für die Verbreitung von Antibiotikaresistenzen liegt dem Team zufolge noch größtenteils im Dunkeln. „Die zunehmende Resistenz von Bakterien ist weltweit ein großes und wachsendes Problem und Phagen tragen dazu auf bisher kaum verstandene Weise bei“, schließt Pacifico. (Frontiers in Microbiology, 2019; doi: 10.3389/fmicb.2019.02484)

Quelle: PR&D – Public Relations für Forschung & Bildung

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