30 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit für eine spätere Demenz bei Fettleibigkeit im mittleren Alter Übergewicht erhöht Demenzrisiko - scinexx | Das Wissensmagazin
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Übergewicht erhöht Demenzrisiko

30 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit für eine spätere Demenz bei Fettleibigkeit im mittleren Alter

Demenz
Demenz wird auch durch starkes Übergewicht begünstigt, wie nun eine Studie bestätigt. © PeterSchreibermedia/ iStock

Fette Nebenwirkung: Wer im mittleren Alter stark übergewichtig ist, hat später ein erhöhtes Demenzrisiko, wie nun eine Studie bestätigt. Demnach steigt das Risiko für eine Demenz durch die Fettleibigkeit um 31 Prozent. Bei Frauen kann ein zu großer Leibesumfang die Wahrscheinlichkeit einer späteren Demenzerkrankung sogar um 39 Prozent erhöhen. Dieser Effekt könnte sowohl direkt auf die Fettzellen und ihre Botenstoffe zurückgehen als auch auf Gefäßschäden.

Allein in Europa leiden knapp zehn Millionen Menschen unter einer Demenz – Tendenz steigend. Doch was Alzheimer und andere neurodegenerative Erkrankungen verursacht, ist noch immer unklar. Neben bestimmten Genvarianten stehen unter anderem Infektionen mit Pilzen oder Herpesviren im Verdacht, aber auch bestimmte Medikamente oder Bluthochdruck.

Wie Fettgewebe das Gehirn beeinflusst

Auch Übergewicht wird schon länger als Risikofaktor für eine Demenzerkrankung diskutiert. Denn das Fettgewebe setzt entzündungsfördernde Botenstoffe frei und kann so unter anderem Gefäßerkrankungen und Durchblutungsstörungen fördern. Zudem gibt es erste Hinweise darauf, dass ein übermäßig hoher Anteil an Fettgewebe auch Stoffwechselwege beeinflusst, die eine Bildung verklumpter Amyloid-Proteine im Gehirn begünstigen können.

Um mehr Klarheit zu schaffen, haben nun Yuxian Ma vom University College London und seine Kollegen die Daten von 6.582 Teilnehmerinnen und Teilnehmern einer britischen Langzeitstudie ausgewertet. Alle Versuchspersonen waren zu Studienbeginn 50 Jahre alt oder älter und wurden bis zu 15 Jahre lang medizinisch begleitet. Ziel war es festzustellen, ob es einen Zusammenhang zwischen starkem Übergewicht schon zu Studienbeginn und einer späteren Demenzdiagnose gab.

Deutlicher Effekt bei Body-Mass-Index 30 und mehr

Das Ergebnis: Insgesamt erkrankten im Studienverlauf 453 Personen an einer Demenz. Die Teilnehmer, die mit Anfang 50 einen Body-Mass-Index von 30 und höher hatten, litten später häufiger unter einer Demenz. Ihr Demenzrisiko war gegenüber Normalgewichtigen um 31 Prozent erhöht, wie Ma und seine Kollegen berichten. Das erhöhte Risiko blieb auch dann bestehen, wenn andere Einflussfaktoren wie Rauchen, Gene, Diabetes, Bewegung, Bluthochdruck oder Bildungsstand berücksichtigt wurden.

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Dabei gab es jedoch einen auffallenden Unterschied zwischen den Geschlechtern: Bei Männern spielte zwar die Fettleibigkeit eine Rolle, aber nicht der Bauchumfang. Bei Frauen dagegen erhöhte sich das Demenzrisiko um 39 Prozent, wenn sie besonders viel Fett in der Körpermitte aufwiesen. Dieses abdominale Fett gilt als Indiz für vermehrte Fettablagerungen in und um die inneren Organe und daher als besonders gesundheitsschädlich.

Zusammenhang von anderen Faktoren unabhängig

„Damit liefern unsere Ergebnisse weitere Belege dafür, dass es einen positiven und von anderen Risikofaktoren unabhängigen Zusammenhang zwischen Fettleibigkeit und Demenz gibt“, konstatieren die Forscher. „Zwar deuten einige Studien darauf hin, dass andere Einflussfaktoren wie Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes diese Verknüpfung modulieren, wir haben aber keine Belege dafür finden können.“

Nach Ansicht von Ma und seinen Kollegen ist demnach starkes Übergewicht per se ein Risikofaktor für eine Demenz – und könnte in Teilen mit dafür verantwortlich sein, dass diese neurodegenerativen Erkrankungen zugenommen haben. „Unsere Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, öffentliche Gesundheits-Interventionen zu entwickeln und umzusetzen, die das Übergewichtsproblem angehen und Demenz damit verhindern helfen“, so die Forscher. (International Journal of Epidemiology, 2020; doi: 10.1093/ije/dyaa099)

Quelle: University College London

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