Mechanismus für Abstoßungsreaktion identifiziert „Übereifriger“ Rezeptor zerstört Nierentransplantate - scinexx | Das Wissensmagazin
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Mechanismus für Abstoßungsreaktion identifiziert

„Übereifriger“ Rezeptor zerstört Nierentransplantate

Warum werden transplantierte Nieren häufig vom Körper des Patienten „abgestoßen“? Diese Frage können Mediziner bisher nur zum Teil beantworten. Ein Berliner Wissenschaftler-Team hat jetzt in einer Studie einen bisher unbekannten Mechanismus entdeckt, der für das Transplantatversagen verantwortlich sein könnte.

Über zehn Prozent aller Abstoßungen von transplantierten Nieren kommen durch zirkulierende antikörper-vermittelte so genannte „humorale“ Abstoßung zustande. Etwa die Hälfte dieser Patienten bildet Antikörper gegen bekannte Gewebeantigene, Strukturen, die das Immunsystem als fremd erkennt. Aber für die andere Hälfte ist die Ursache der Transplantatabstoßung unbekannt.

Die Berliner Forschergruppe hat jetzt herausgefunden, dass diese Patienten Antikörper gegen einen Schlüsselrezeptor (Angiotensin II Rezeptor) bilden, die in der Lage sind, den Rezeptor anzuschalten. Der Rezeptor spielt normalerweise eine wichtige Rolle bei der Regulation von Gefäßen und des Salzhaushalts. Wird er überstimuliert, können schwere entzündliche Gefäßschädigungen und schwerer Hochdruck die Folge sein. Diese führen vermutlich zu dem Transplantatversagen.

Die Gruppe konnte zeigen, dass Medikamente, die den Rezeptor besetzen, Angiotensin 1 Rezeptorblocker, und die Entfernung der Antikörper aus dem Blutplasma durch die so genannte Plasmapherese-Technik, eine Schädigung des transplantierten Organs verhindern können. Tierexperimentelle Daten sowie Experimente zur Signalübermittlung durch die Antikörper stützen diese Ergebnisse.

An der Studie beteiligt waren 18 Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin (Campus Mitte), der Franz-Volhard Klinik (FVK), Helios Klinikum-Berlin und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch.

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Die Forscher berichten über ihre Ergebnisse im New England Journal of Medicine Die Arbeit basiert auf früheren Studien von Professor Friedrich Luft (FVK) und Dr. Wallukat wonach ähnliche Antikörper Bluthochdruck in der Schwangerschaft (Präeklampsie) auslösen, die häufigste Ursache für eine Gesundheitsschädigung oder gar den Tod von Mutter und Kind.

(MDC, 11.02.2005 – DLO)

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