Anpassung an Erderwärmung könnte Candida auris tolerant gegenüber unserer Körpertemperatur gemacht haben Tödlicher Pilz als Produkt des Klimawandels? - scinexx | Das Wissensmagazin
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Tödlicher Pilz als Produkt des Klimawandels?

Anpassung an Erderwärmung könnte Candida auris tolerant gegenüber unserer Körpertemperatur gemacht haben

Candida
Hefepilze der Gattung Candida: Viele Arten dieser Pilze sind harmlos, manche können jedoch zu krankmachenden Erregern werden. © Scharvik/ thinkstock

Gefährlicher Hefepilz: Womöglich ist der Klimawandel schuld daran, dass es seit einigen Jahren gehäuft zu Infektionen mit dem krankmachenden Pilz Candida auris kommt. Denn die weltweite Erwärmung könnte diesen Krankheitserreger zu einer Anpassung an höhere Temperaturen gezwungen haben. Erst dadurch kann der Pilz nun auch in unserem relativ warmen Körper überleben – und uns so gefährlich werden, wie Forscher vermuten.

Seit einigen Jahren breitet sich ein neuer Verursacher von Pilzinfektionen aus: Candida auris. Der Erreger wurde erstmals 2009 in Japan entdeckt und hat seitdem weltweit für zahlreiche Ausbrüche in Krankenhäusern gesorgt – mit teils tödlichen Folgen. Schätzungen gehen davon aus, dass zwischen 30 und 60 Prozent der mit der Pilzinfektion diagnostizierten Patienten sterben. Dies liegt auch daran, dass der Pilz gegen viele Medikamente resistent ist.

Plötzlich aufgetaucht

Rätselhaft ist bislang jedoch, warum C. auris so plötzlich zum für Menschen gefährlichen Pathogen geworden ist. „Vor allem, dass dies unabhängig voneinander und nahezu gleichzeitig auf mehreren Kontinenten passiert ist, ist ungewöhnlich“, erklärt Arturo Casadevall von der Johns Hopkins University in Baltimore.

So zeigen Analysen, dass unter anderem in Indien, Venezuela und Südafrika kursierende Varianten des Pilzes genetisch stark voneinander abweichen. Diese unterschiedlichen Gruppen des Erregers müssen sich demnach unabhängig voneinander an den Menschen als Wirt angepasst haben.

Erderwärmung als Erklärung?

Doch was war der Auslöser für diesen Prozess? Casadevall und seine Kollegen haben den Klimawandel in Verdacht: Die zunehmende Erderwärmung könnte Candida auris dazu gezwungen haben, sich an höhere Temperaturen anzupassen. Viele Pilze gedeihen bei unserer relativ warmen Körpertemperatur von 37 Grad nicht. „Wir glauben, dass C. auris das erste Beispiel für eine Pilzart ist, die diese thermale Barriere durch die Anpassung an die Erderwärmung überwunden hat“, sagt Casadevall.

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Um diese Hypothese zu überprüfen, untersuchten die Wissenschaftler die Temperaturtoleranz des Pilzes und die seiner engsten Verwandten. Dabei stellte sich heraus: Candida auris wächst tatsächlich bei deutlich höheren Temperaturen als ein Großteil seiner Verwandtschaft. Die Mehrheit dieser Pilze verträgt demnach für Säugetiere typische Körpertemperaturen nicht.

Von harmlos zu gefährlich

Dass C. auris eine andere Temperaturtoleranz hat als seine Verwandten, deutet nach Ansicht des Forscherteams darauf hin, dass der Pilz diese Eigenschaft erst vor relativ kurzer Zeit erworben hat. Auch das würde für den Klimawandel als einen möglichen Auslöser der Anpassung sprechen.

Ob die globale Erwärmung allerdings wirklich für die Entwicklung und Ausbreitung des neuen Krankheitserregers verantwortlich ist, lässt sich nur schwer beweisen. Stimmt diese Annahme, dann bedeutet dies jedoch: In Zukunft könnten dem Menschen noch mehr einst harmlose Pilze gefährlich werden.

Bessere Überwachungsprogramme

„Unsere Studie legt nahe, dass dies der Anfang einer zunehmenden Anpassung von Pilzen an höhere Temperaturen ist“, konstatiert Casadevall. „Wahrscheinlich werden wir mehr und mehr Probleme bekommen, je weiter das Jahrhundert voranschreitet.“ Um neu auftauchende Pilzerreger in Zukunft möglichst früh zu erkennen, plädieren die Wissenschaftler für bessere Überwachungsprogramme.

„Momentan sind viele Pilzinfektionen nicht meldepflichtig“, erklärt Casadevall. „Wir benötigen daher eine bessere Überwachung solcher Infektionen bei Menschen und auch bei anderen Säugetieren, wo die ersten Warnzeichen neuer Pilzpathogene sichtbar werden könnten.“ (mBio, 2019; doi: 10.1128/mBio.01397-19)

Quelle: Johns Hopkins University

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