Forscher haben erstmals das Gift identifiziert und seine Struktur entschlüsselt Sternfrucht: Tödliches Gift für Nierenkranke - scinexx | Das Wissensmagazin
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Forscher haben erstmals das Gift identifiziert und seine Struktur entschlüsselt

Sternfrucht: Tödliches Gift für Nierenkranke

Sternfrucht: Dekorativ, aber für Nierenkranke tödlich © SXC

Lecker aber tödlich: Für Nierenkranke sind Sternfrüchte tabu. Denn die auch Karambole genannte Frucht enthält ein Nervengift, das gesunden Menschen nicht schadet, bei Nierenkranken aber schwere Vergiftungen auslösen kann. Brasilianische Wissenschaftler haben dieses Neurotoxin jetzt isoliert und identifiziert. Sie konnten so auch die Wirkungsweise des Gifts rekonstruieren.

Welche Folgen der Verzehr der gelben sternförmigen Früchte bei Patienten mit ungenügender Nierenfunktion hat, zeigen Fälle weltweit: Sie löst bei Dialysepatienten und Nierenkranken Symptome aus, die von hartnäckigem Schluckauf über Erbrechen, Kraftlosigkeit über geistige Verwirrung und psychomotorische Unruhe, außergewöhnlich lange andauernde epileptische Anfälle bis hin zum Koma und zum Tod reichen. Im Akutfall bietet nur die sofortige Blutwäsche eine Rettung.

Schon lange vermutet man daher, dass die Sternfrucht ein bisher nicht bekanntes Neurotoxin enthält, das bei gesunden Menschen problemlos über die Nieren ausgeschieden wird, sich bei Nierenkranken aber anreichert und ins Gehirn gelangt. Jetzt ist es einem Team von der Universität São Paulo in Brasilien gelungen, den Übeltäter zu entlarven.

Gift und seine Struktur identifiziert

Um das Gift zu identifizieren, fütterten sie Ratten mit künstlich erzeugten Nierenschäden zunächst mit einem Extrakt der ganzen Frucht, dann mit jeweils nur bestimmten Auszügen der Inhaltsstoffe. Fraktionen, die Vergiftungserscheinungen auslösten, wurden dann weiter chromatographisch zerlegt und wiederum getestet – so lange, bis sich eine einzelne Substanz isolieren ließ, die für die Auslösung der Anfälle verantwortlich war. Die Forscher gaben ihr den Namen Caramboxin.

Mit spektroskopischen Methoden gelang es den Wissenschaftlern, auch die genaue Struktur von Caramboxin aufzuklären. Es zeigte sich, dass der prinzipielle Aufbau des Neurotoxins dem der Aminosäure Phenylalanin ähnelt. Anders als bei dieser natürlichen Aminosäure trägt der enthaltene Phenolring des Moleküls aber zusätzlich eine Ether-, eine Alkohol- und eine Säuregruppe.

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Weitere Tests ergaben, dass das Sternfrucht-Gift auf zwei Rezeptoren im Gehirn wirkt, die die Ausschüttung des Neurotransmitters Glutamat beeinflussen. Es verursacht so eine Übererregbarkeit des Gehirns, die die typischen Krampfanfälle, sowie neurodegenerative Effekte auslöst. (Angewandte Chemie, 2013; doi: 10.1002/ange.201305382)

(Angewandte Chemie, 22.11.2013 – NPO)

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