Toxisches Peptid einer Vogelspinne blockiert neuropathische Schmerzen Spinnengift als Schmerzmittel - scinexx | Das Wissensmagazin
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Toxisches Peptid einer Vogelspinne blockiert neuropathische Schmerzen

Spinnengift als Schmerzmittel

Eine Verwandte dieser Vogelspinne produziert ein Gift, das gegen Nervenschmerzen hilft. © Thomas Brown/ CC-by-sa 2.0

Heilsames Gift: Das Toxin einer peruanischen Vogelspinne könnte gegen hartnäckige Nervenschmerzen helfen. Denn das Gift enthält Peptide, die sich gezielt an die Schmerzrezeptoren in den Zellwänden der Nervenzellen anlagern und diese so blockieren, wie Forscher herausgefunden haben. Der große Vorteil dieses Spinnengifts: Es ist hochselektiv und stört daher andere Funktionen der Nervenzelle nicht.

Schmerzen, die von den Nerven selbst ausgehen, gehören zu den am schwersten zu kurierenden Leiden. Denn viele Schmerzmittel helfen nur eingeschränkt gegen diese neuropathischen und chronischen Schmerzen und verursachen heftige Nebenwirkungen. Deshalb suchen Forscher schon seit längerem nach neuen Wirkstoffen, die gezielter und effektiver den Schmerz direkt am Entstehungsort – an den Neuronen – blockieren.

Peptid im Gift als Wirkstoff

Forscher um Sonia Troeira Henriques von der University of Queensland in Australien berichten nun auf dem Jahreskongress der Biophysical Society von einem vielversprechenden Ansatz. Sie haben untersucht, wie das Gift der in Peru heimischen Vogelspinne Thrixopelma pruriens auf die Schmerzrezeptoren von Nervenzellen wirkt.

Die gegen Schmerz wirksame Komponente des Spinnengifts ist das Peptidtoxin ProTx-II. „Dieses Peptid bindet an den Schmerzrezeptor, der in der Membran der neuronalen Zellen liegt“, erklärt Henriques. Mit Hilfe von Fluoreszenzmikroskopie und einer Magnetresonanz-Spektroskopie gelang es den Forschern, die Details dieser Bindung zu klären.

Das Peptid-Toxin (blau) bindet an die Zellmembran der Nervenzelle und blockiert dadurch den Schmerzrezeptor (orange). © Henriques

Zellmembran als Kataalysator

Wie sich zeigte, spielt die Zellmembran für die spezifische Wirksamkeit dieses Spinnentoxins eine entscheidende Rolle. „Die Zellmembran zieht die Peptide an und erhöht ihre Konzentration in der Nähe der Schmerzrezeptoren“, erklärt Henriques. „Dann bindet sie die Peptide in der Ausrichtung, die ihre Interaktion mit der Andockstelle optimiert.“

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Nach Ansicht der Forscher ist es erst diese Wechselwirkung des Spinnentoxins mit der Membran der Nervenzellen, die es zu einem so spezifischen und effektiven Schmerzmittel macht. Nach Vorbild dieses Toxins entwickelten die Forscher bereits weitere analoge Moleküle, die auf ähnliche Weise mit der Zellmembran und dem Schmerzrezeptor NaV1.8 interagieren, aber weniger Nebenwirkungen zeigen als das Spinnengift.

„Wir glauben, dass wir den ersten Ansatz für einen Peptid-Wirkstoff gefunden haben, der selektiv am Rezeptor NaV1.8 ansetzt“, so die Forscher. In Zellkulturen und ersten Tierversuche habe sich dieses Mittel bereits als wirksam und verträglich erwiesen. Ob es auch künftig beim Menschen eingesetzt werden kann, muss sich jedoch noch zeigen.

(Biophysical Society, 29.02.2016 – NPO)

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