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Schweine-Coronavirus: Droht ein Artsprung?

Neues Virus SADS-CoV kann sich auch in menschlichen Zellen vermehren

Schwein mit Coronaviren
In China grassiert unter Schweinen ein neues Coronavirus, das auch menschliche Zellen befallen kann. © narvikk, koto_feja/ iStock

Nach Fledermäusen jetzt Schweine? In China grassiert ein Coronavirus unter Schweinen, das auch menschliche Zellen befallen kann, wie nun eine Studie enthüllt. SADS-CoV kann sich demnach in menschlichen Lungenzellen, Atemwegszellen und Darmzellen vermehren. Das legt nahe, dass dieses Coronavirus auch den Menschen befallen kann – auch wenn bislang noch keine Fälle bekannt wurden. Die Forscher raten daher dringend zu einer intensiven Überwachung dieses neuen Virus.

Ob Fledermäuse, Ratten oder Schweine: Immer wieder entwickeln sich im Tierreich Erreger, die auch für den Menschen gefährlich werden können. Durch Mutationen erwerben sie die Fähigkeit, menschliche Zellen zu entern und sich in ihnen zu vermehren. Beispiele für solche durch Artsprung vom Tier auf den Menschen entstandenen Zoonosen sind viele Grippe-Pandemien, aber auch die aktuelle Corona-Pandemie. Denn SARS-CoV-2 hat sich aus Fledermaus-Coronaviren entwickelt.

Neues Coronavirus befällt Schweine – bisher

Doch SARS-CoV-2 ist möglicherweise nicht das einzige Coronavirus, von dem aktuell eine Bedrohung ausgeht. In China hat es in den letzten Jahren mehrere Krankheitsausbrüche gegeben, die vom Swine Acute Diarrhea Syndrome Coronavirus (SADS-CoV) verursacht wurden. Bei Schweinen verursacht dieses erst 2016 entdeckte Coronavirus schwere Brechdurchfälle, an denen 90 Prozent der jungen Ferkel sterben. Forscher gehen davon aus, dass dieser Erreger wie SARS-CoV-2 ursprünglich aus Fledermäusen stammt.

Das weckt die Frage, wie breit das Wirtsspektrum dieses neuen Coronavirus ist und ob es auch den Mensch befallen könnte. Das haben nun Caitlin Edwards von der University of North Carolina at Chapel Hill und ihre Team untersucht. Dafür infizierten sie verschiedene Zellkulturen von Affen, Katzen, Schweinen und Menschen mit dem Virus SADS-CoV und testeten, ob der Erreger diese Zellen entern und sich in ihnen vermehren kann.

Vermehrung auch in menschlichen Zellen

Das Ergebnis: Nahezu alle getesteten Zellen erwiesen sich als anfällig gegenüber SADS-CoV – auch die des Menschen. Bereits nach 48 Stunden konnten die Forscher aktive Viren in Zelllinien aus der Leber, dem Darm und dem Magen nachweisen. In einem weiteren Test vermehrte sich das Schweine-Coronavirus auch in frischen Zellproben aus der menschlichen Nasenschleimhaut, den Atemwegen und der Lunge.

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Dabei scheint SADS-CoV allerdings keine der bisher bekannten Eintrittspforten zu nutzen: Es infiziert die menschlichen Zellen weder über den ACE2-Rezeptor wie SARS-CoV-2, noch über Andockstellen, die von anderen Coronaviren bekannt sind: „Antikörper, die diese Rezeptoren blockieren, hemmten die Virenvermehrung in den menschlichen Zellen nicht“, berichten Edwards und ihr Team. Es sei nun wichtig, in Folgestudien zu klären, wie dieses Schweine-Coronavirus Zellen befällt und welche menschlichen Zellen noch potenziell anfällig sind.

„Ein potenzielles Hochrisiko-Coronavirus“

„Diese Daten demonstrieren, dass das Wirtspektrum von SADS-CoV sehr breit ist und auch den Menschen umfasst“, konstatieren Edwards und ihr Team. Offenbar sei dieses Coronavirus bereits imstande, zwischen Fledermäusen, Schweinen und anderen Säugetieren zu wechseln. „Damit manifestiert sich SADS-CoV als potenzielles Hochrisiko-Coronavirus, das die globale Gesundheit und Wirtschaft beeinträchtigen könnte“, so die Forscher.

Zwar sind bislang aus China noch keine Fälle menschlicher Infektionen mit diesem Schweine-Coronavirus bekannt. Aber die Fähigkeit dieses Erregers, sich in menschlichen Zellen zu vermehren, spreche für einen potenziellen Artsprung auf den Menschen. „Eine kontinuierliche Überwachung von Schweinen ist daher entscheidend wichtig“, betonen Edwards und ihre Kollegen. Auch in der Schweinehaltung Beschäftigte sollten regelmäßig untersucht werden, um mögliche Ausbrüche frühzeitig zu erkennen.

Remdesivir hilft auch gegen Schweine-Corona

Immerhin gibt es schon eine mögliche Gegenstrategie: In den Zellkultur-Tests erwies sich das antivirale Mittel Remdesivir als sehr wirksam gegen SADS-CoV. Sollte das Schweine-Coronavirus in China tatsächlich den Sprung auf dne Menschen vollziehen, könnte man SADS-CoV-Epidemie damit womöglich frühzeitig eindämmen. (Proceedings of the National Academy of Sciences, 2020; doi: 10.1073/pnas.2001046117)

Quelle: Proceedings of the National Academy of Sciences

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