Bestimmte Genvariante sorgt für verstärkten Abbau von Verhütungshormonen im Körper Schwanger trotz Pille: Sind die Gene schuld? - scinexx | Das Wissensmagazin
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Schwanger trotz Pille: Sind die Gene schuld?

Bestimmte Genvariante sorgt für verstärkten Abbau von Verhütungshormonen im Körper

Schwangerschaftstest
Ein positiver Schwangerschaftstest ist nicht immer ein Grund zur Freude. © pixdeluxe/ istock

Trotz Pille: Die Ursache einer Schwangerschaft trotz hormoneller Verhütung könnte auch im Erbgut liegen. Denn Forscher haben herausgefunden: Eine bestimmte Genvariante fördert offenbar den Abbau von Verhütungshormonen wie Gestagenen im Körper. Zwar scheint diese Veränderung im Erbgut eher selten zu sein. Bei Betroffenen könnten hormonelle Kontrazeptiva wie Pille, Implantat und Co aber spürbar schlechter wirken, wie das Team berichtet.

Die Antibaby-Pille ist eines der beliebtesten Verhütungsmittel – auch, weil sie wie die meisten anderen hormonellen Kontrazeptiva als sehr sicher gilt. Ihr Pearl-Index von 0,1 bis 0,9 bedeutet, dass von 1.000 verhütenden Frauen innerhalb eines Jahres nur zwischen einer und neun ungewollt schwanger werden. Zum Vergleich: Mit dem Kondom sind es 20 bis 120 Frauen.

Das Risiko, trotz Pille schwanger zu werden, ist bei richtiger Anwendung somit verschwindend gering. „Wenn dies geschieht, sucht man die Schuld dann häufig bei der Frau“, sagt Aaron Lazorwitz von der University of Colorado in Aurora. Denn wird die Pille vergessen oder passieren andere Einnahmefehler, kann die Sicherheit der Verhütungsmethode leiden.

Das Erbgut im Blick

Doch gibt es womöglich auch noch andere Faktoren, die die Zuverlässigkeit hormoneller Kontrazeptiva beeinflussen? Dieser Frage sind Lazorwitz und seine Kollegen nun nachgegangen – und haben dabei nach Spuren im Erbgut gefahndet. Für ihre Studie rekrutierten die Forscher 350 gesunde junge Frauen, die seit zwölf bis 36 Monaten ein hormonelles Verhütungsimplantat trugen.

Bei diesen Probandinnen maßen sie die Konzentration des für die Empfängnisverhütung eingesetzten Gestagens Etonogestrel im Blutserum. Dabei stellten sie fest, dass der Hormonspiegel unter anderem mit dem Body-Mass-Index und der Tragedauer des Implantats in Verbindung stand – aber würde sich auch ein Zusammenhang mit bestimmten Genvarianten feststellen lassen?

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Niedriger Hormonspiegel

Tatsächlich zeigten Analysen von Varianten in 14 Genen, die die Verstoffwechslung von Steroidhormonen wie den Gestagenen steuern: Eine Veränderung im Gen CYP3A7 schien mit einem erhöhten Abbau des Etonogestrels assoziiert zu sein. Wie das Wissenschaftlerteam berichtet, ist dieses Gen normalerweise nur bei Föten aktiv und wird kurz vor der Geburt abgeschaltet.

Bei Frauen mit der identifizierten Genvariante war der DNA-Abschnitt aber noch aktiv. Dies traf auf fünf Prozent der getesteten Studienteilnehmerinnen zu. „Bei diesen Frauen werden weiterhin bestimmte fetale Enzyme produziert – und diese Enzyme bauen die für die Verhütung genutzten Hormone ab“, erklärt Lazorwitz. Als Folge sank der Hormonspiegel im Blut der 18 Betroffenen: Bei fünf von ihnen war die Etonogestrel-Konzentration sogar so niedrig, dass eine dauerhafte Unterdrückung des Eisprungs durch das Implantat nicht mehr gewährleistet war.

Erhöhtes Risiko

„Frauen mit dieser Genvariante könnten daher ein höheres Risiko für ungewollte Schwangerschaften haben – insbesondere bei niedrig dosierten Mitteln“, sagt Lazorwitz. Ihm und seinen Kollegen zufolge gilt dies womöglich nicht nur für Kontrazeptiva mit Etonogestrel. Potenziell könne durch die von CYP3A7 kodierten Proteine der Metabolismus aller Steroidhormone beeinflusst werden.

„Dies ist das erste Mal, dass eine genetische Variante mit der Effektivität von Verhütungsmethoden in Zusammenhang gebracht wird“, konstatiert Lazorwitz. Zwar sind weitere Studien nötig, um den nun beobachteten Effekt zu bestätigen und genauer zu erforschen, wie er betont. „Unsere Ergebnisse zeigen aber, dass wir einen Einfluss der Gene bei ungewollten Schwangerschaften zumindest in Betracht ziehen sollten.“ (Obstetrics & Gynecology, 2019; doi: 10.1097/AOG.0000000000003189)

Quelle: University of Colorado Anschutz Medical Campus

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