EU-Studie findet paradoxe Korrelation zwischen Schokoladenkonsum und Körperfett Schokolade macht - dünn - scinexx | Das Wissensmagazin
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EU-Studie findet paradoxe Korrelation zwischen Schokoladenkonsum und Körperfett

Schokolade macht – dünn

Schokolade gilt als Kalorienbombe und Dickmacher – eigentlich. Seltsamerweise aber haben spanische Forscher in einer europaweiten Studie genau das Gegenteil festgestellt: Teenager, die mehr Schokolade aßen, hatten im Durchschnitt sogar weniger Körperfett als ihre weniger schokoaffinen Altersgenossen. Das klingt unwahrscheinlich, soll aber nach Angaben der Forscher selbst dann noch signifikant sein, wenn sonstige Ernährungsgewohnheiten, Bewegung und andere mögliche Störfaktoren berücksichtigt werden.

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Eigentlich ist der Zusammenhang eindeutig: Je mehr Kalorien man zu sich nimmt und je weniger man sich bewegt, desto mehr Fettreserven kann der Körper aufbauen. Die Folge des übermäßigen Genusses sind dann oft Übergewicht und die damit verbundenen gesundheitlichen Folgen. Doch Forscher der Universität von Granada um Magdalena Cuenca-García sehen das Ganze etwas differenzierter: Ihrer Ansicht nach sollte die biologische Wirkung von Nahrungsmitteln nicht allein auf Basis ihrer Kalorien bewertet werden.

Mehr als nur die Kalorien

Die Forscher argumentieren, dass auch kalorienhaltige Lebensmittel durchaus positive gesundheitliche Wirkungen entfalten können. Auch Schokolade, so ihre Vermutung, könnte daher möglicherweise besser sein als ihr Ruf als Dickmacher. Um diese Hypothese zu überprüfen, werteten Cuenca-García und ihre Kollegen Daten der sogenannten HELENA-Studie aus (Healthy Lifestyle in Europe by Nutrition in Adolescence). Diese Erhebung untersucht Ernährungsgewohnheiten, Lebensweise und Gesundheit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in neun Ländern der Europäischen Union, darunter auch Deutschland, Österreich, Frankreich und Spanien.

Im Rahmen der Studie untersuchten die Forscher den Schokoladenkonsum und sonstige Ernährung von 1.458 Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren. Sie ist die erste bisher, die sich auf Heranwachsende konzentriert und damit auf ein für die spätere Gesundheit kritisches Lebensalter. Neben medizinischen Untersuchungen zur Fitness, dem Körperfettanteil und dem Body-Mass-Index führten alle Teilnehmer Buch über ihren Kalorienkonsum und die von ihnen verzehrten Lebensmittel und gaben Auskunft über ihre sportlichen Aktivitäten und andere für die Gesundheit wichtige Gewohnheiten.

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Weniger Fett trotz mehr Schokolade

Das Ergebnis erstaunte: Ausgerechnet die Jugendlichen, die viel und regelmäßig Schokolade aßen, hatten im Durchschnitt weniger Köperfett als ihre Altersgenossen. Dies betraf sowohl das unter der Haut verteilte Fettgewebe als auch das Fett an den Organen im Bauchraum. Auch die Taillenweite und der Body-Mass-Index waren nicht höher, wie eigentlich zu erwarten, sondern tendenziell eher geringer als bei Jugendlichen die wenig Schokolade aßen, wie die Forscher berichten.

Obwohl dieser Befund eher paradox scheint, betonen die Wissenschaftler, dass er auch dann noch signifikant blieb, wenn sie andere Faktoren wie die gesamte Kalorienaufnahme oder die sportliche Aktivität mit einbezogen. Es scheint also nicht so zu sein, dass Schokoholics als Ausgleich fürs Naschen einfach mehr Sport treiben oder dafür weniger andere ungesunde Dinge essen.

Interessanterweise ist dies nicht die erste Studie, die diesen seltsamen Schlankmach-Effekt von Schokolade feststellt. Vor kurzem kam auch eine Untersuchung von Forschern der University of California an Erwachsenen zu einem ganz ähnlichen Ergebnis: Auch bei ihnen war ein häufigerer Schokoladenkonsum mit einem niedrigeren Body-Mass-Index verknüpft. „Und es gibt auch aktuelle Studien, die darauf hindeuten, dass Schokoladenkonsum mit einem geringeren Risiko an Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden ist“, sagt Cuenca-García.

Inhaltsstoff Katechin als Fettbremse?

Wie aber lässt sich dieser Effekt erklären? Noch wissen das auch die Forscher nicht. Cuenca-García hat allerdings einen der Inhaltsstoffe der Schokolade im Verdacht. Denn obwohl die zarte Versuchung reich an Zuckern und gesättigten Fetten ist, enthält sie auch viele Flavonoide, pflanzliche Inhaltsstoffe, denen zahlreiche positive Wirkungen zugeschrieben werden. Vor allem die zu diesen Substanzen gehörenden Katechine gelten als Antioxidantien, als entzündungshemmend und antithrombotisch wirkend. Auch gegen Bluthochdruck und Aderverstopfungen sollen die Katechine vorbeugen, wie die Forscherin erklärt. Bestätigt wurde dies unter anderem in einer Studie an Frauen, die eine besonders Katechin-reiche Diät zu sich nahmen.

Nach Ansicht der Forscher könnte das Katechin in der Schokolade auf die Produktion des Hormons Cortisol und auf die Insulin-Sensibilität der Zellen wirken. Beide gelten als Faktoren, die an Übergewicht und Fettleibigkeit beteiligt sind.

Aber wie Cuenca-García betont, heißt das nun keineswegs, dass jeder nun Unmengen von Schokolade essen sollte. „In mäßigen Mengen kann Schokolade offenbar durchaus positiv wirken. Aber übermäßiger Konsum ist unzweifelhaft schädlich“, sagt die Forscherin. Für den gelegentlichen Schokoriegel oder das schokoladige Betthupferl spricht demnach einiges. Eine große Tafel oder mehr Schokolade täglich allerdings liefern so viel Kalorien, dass dann wohl auch die Katechine nichts mehr helfen. (Nutrition, 2013; doi: 10.1016/j.nut.2013.07.011)

(University of Granada, 08.11.2013 – NPO)

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