Luftverschmutzung fördert chronische Schlafstörungen Schlaflos durch Feinstaub und Co - scinexx | Das Wissensmagazin
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Luftverschmutzung fördert chronische Schlafstörungen

Schlaflos durch Feinstaub und Co

Wenn wir schlecht schlafen, könnte auch die Luftverschmutzung schuld sein - das legt nun eine Studie nahe. © Jaykayl/ thinkstock

Schlechter Schlaf durch dicke Luft: Die Luftverschmutzung macht nicht nur krank, sie raubt uns auch den Schlaf, wie jetzt eine Studie aufzeigt. Menschen, die länger in Gebieten mit erhöhten Feinstaub- und Stickoxidwerten leben, leiden demnach mit gut 50 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit an chronischen Schlafstörungen. Der Grund dafür könnten Wirkungen der Luftschadstoffe auf Atemwege, Kreislauf und Gehirn sein, mutmaßen die Forscher.

In den letzten Jahren decken Forscher immer mehr negative Folgen der weltweit grassierenden Luftverschmutzung auf. So schädigt Feinstaub nicht nur die Lungen und kann Lungenkrebs fördern, die winzigen Partikel können auch Infektionen begünstigen und die Wirkung von Antibiotika hemmen. Außerdem steht die Luftverschmutzung in Verdacht, das Gehirn zu schädigen und Frühgeburten zu fördern.

Schlafmessung bei Stadtbewohnern

Jetzt haben Martha Billings von der University of Washington und ihre Kollegen eine weitere Schadwirkung der Luftverschmutzung untersucht. „Wir wollten wissen, ob die Luftverschmutzung den Schlaf beeinträchtigt“, erklärt Billings. „Weil die Luftschadstoffe die Atemwege reizen, Schwellungen verursachen und das Nervensystem und Schlafzentren im Gehirn beeinflussen, wäre ein solcher Effekt durchaus wahrscheinlich.“

Für ihre Studie hatten die Forscher über fünf Jahre hinweg die Schlafqualität von 1.863 Versuchspersonen untersucht, die in unterschiedlich stark belasteten Wohngegenden von US-Städten lebten. Über Handgelenkssensoren ermittelten sie nächtliche Wachphasen und werteten Messdaten zur Stickoxid- und Feinstaubbelastung aus.

Dieselabgase sind eine der Quellen von Feinstaub in der Stadt. © Kichigin/ thinkstock

Schlechterer Schlaf in „dicker“ Luft

Das Ergebnis: Die Teilnehmer, die langfristigen Stickoxidbelastungen von mehr als 23,7 part per Billion (ppb) ausgesetzt waren, schließen auch signifikant schlechter. Sie hatten eine 57 Prozent höheres Risiko, unter Schlafstörungen zu leiden, wie die Forscher berichten. Sie erlebten nachts mit 71- bis 91-prozentiger Wahrscheinlichkeit Wachphasen von mehr als einer Stunde Dauer.

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Ähnlich beim Feinstaub: Die Versuchspersonen mit der höchsten Feinstaubbelastung litten auch am häufigsten unter Schlafstörungen. Auch bei ihnen lag das Risiko für solche Durchschlafprobleme um rund 50 Prozent höher als bei Menschen aus weniger belasteten Wohnvierteln, wie die Auswertung ergab. Diese Zusammenhänge blieben auch dann bestehen, wenn die Forscher andere Faktoren wie Rauchen, Übergewicht oder sozioökonomischen Status berücksichtigten.

Akute Folgen nicht ausgeschlossen

„Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass schon das gängige Niveau der Luftverschmutzung nicht nur Herz- und Lungenkrankheiten fördert, sondern auch die Schlafqualität beeinträchtigt“, sagt Billings. „Die Luftqualität zu verbessern könnte daher auch dazu beitragen, die Schlafgesundheit zu verbessern.“

In ihrer Studie haben die Wissenschaftler bisher nur die Folgen der langfristigen Belastung durch Luftverschmutzung erfasst. Sie schließen aber nicht aus, dass auch schon ein kurzer Aufenthalt in „dicker“ Luft zu akuten Schlafstörungen führen könnte. Das müsse aber noch näher untersucht werden. Auch warum und wie die Luftverschmutzung den Schlaf stört, wollen sie nun weiter erforschen. (ATS 2017 International Conference)

(American Thoracic Society, 22.05.2017 – NPO)

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